Das alte iPhone 5 wirkt wie ein Winzling. Wer für einige Wochen das neue Samsung Galaxy S6 (Edge) und das iPhone 6 oder gar das 6 Plus getestet hat und danach zum eigenen zwei Jahre alten 5er zurückkehrt, findet dieses Smartphone ziemlich klein. Es wirkt fast wie ein Handy aus vergangenen Zeiten.

Man hat sich schnell an die Größe der neuen Geräte gewöhnt, an die besseren Bilder und Videos, die schnellen Prozessoren, das geschmeidige Design und an die technischen Raffinessen wie Aktivitätsaufzeichnung oder den Fingerabdruckscanner, der die neuen Geräte entsperrt.

Man arrangiert sich aber auch mit ihren Nachteile: Sowohl das iPhone als auch das Galaxy haben fest eingebaute Batterien. Auch der Speicher lässt sich nicht erweitern.

Und dann ist da noch der hohe Preis, bei dem sich Apple und Samsung wenig nehmen: Vertragsfrei kostet das billigste Samsung mit 32 GB Speicherplatz 698 Euro, das billigste Edge für 849 Euro. Das günstigste iPhone 6 kostet beim Hersteller 699 Euro, hat dann aber auch nur 16 GB Speicherplatz, das günstigste 6 Plus ist für 799 Euro zu haben. Viel Geld für Geräte, denen man beim Altern zusehen kann (Stand: Mitte April 2015).

Design: Angesagte Handschmeichler

Handschmeichler sind im Smartphone-Design wieder angesagt – wie im Jahr 2007, als der damalige Apple-Chef Steve Jobs das erste iPhone vorstellte: ein kantenloses Gerät mit Metallchassis, das nicht nur zur technologischen, sondern auch zur Design-Ikone wurde.

Danach wurden die iPhones kantig und Apples Mitbewerber steckten ihre Smartphones weiter überwiegend in Plastikgehäuse, die selbst bei Geräten mit ansprechendem Design wie Sonys Xperia-Serie mitunter billig wirkten.

Diesen Trend lässt Samsung mit der Galaxy-Produktreihe neuerdings hinter sich: Erstmals im August 2014 brachten die Koreaner mit dem Galaxy Alpha ein Metallhandy auf den Markt. Mit dem S6 setzt der Konzern diesen Trend fort.

Mit dem S6 Edge, das zudem über einen an der Seite abgerundeten Bildschirm aus Gorilla-Glas verfügt, ist dem Unternehmen ein bislang einzigartiges Smartphone-Design gelungen. Die abgerundeten Seitenkanten des Bildschirms lassen es angenehm in der Hand liegen. Der Metallrahmen verspricht Stabilität.

Bei geöffneten Programmen kann es aber leicht passieren, dass man durch bloßes Anfassen des Geräts Aktionen auslöst, versehentlich Buchstaben tippt oder in Apps neue Seiten öffnet.

Auch Apple ist mit dem iPhone 6 bekanntlich zu den runden Kanten zurückgekehrt – eine Art Renaissance, wenn man sich die Produkthistorie ansieht.

Service: Kleber erschwert Reparaturen

Die Schönheit hat ihren Preis: Sowohl iPhone als auch Galaxy liegen nicht nur gut in der Hand sie entgleiten dieser auch leicht – vor allem das Samsung mit seiner glitschigen gläsernen Rückseite.

In einem solchen Fall wird schnell eine Reparatur fällig. Und die ist bei den neuen Geräten nicht einfacher und damit auch nicht billiger geworden. Denn wegen der niedrigen Bauhöhen der Geräte werden Displays und Rückseiten verklebt. Der Kleber lässt sich nur mit heißer Luft lösen. Unter Reparateuren gehen die Meinungen über die Servicefreundlichkeit der Geräte auseinander.

Dem Smartphone-Reparaturdienst iDoc zufolge ist das iPhone leichter zu reparieren als das neue Galaxy. iDoc veröffentlichte ein Video (siehe unten), auf dem zu sehen ist, dass sich das Galaxy nur mit einem Heißluftgebläse öffnen lässt. Hinzu kommt dem Reparaturdienst zufolge, dass beim Samsung LCD und Glas nur gemeinsam erneuert werden können, was die Reparatur auch nicht billiger machen dürfte.

Bei iCracked, einem mobilen Reparaturdienst aus den USA, bei dem Kunden einen Monteur nach Hause oder ins Büro bestellen können, geht man dagegen von vergleichbaren Preisen für den Austausch eines Bildschirms oder einer Batterie aus. Solche Arbeiten sind nichts für Hobbybastler. Und Vorsicht: Wer sein Gerät öffnet, verliert jeden Garantieanspruch.

Stabilität: Jeder hat sein Bendgate

So bleibt die Frage nach der Stabilität: iPhone und Galaxy haben ihr „Bendgate“ erlebt, also die medial inszenierte Dokumentation, wonach sich die Smartphones durch Tragen in der Hosentasche verbiegen könnten. Die Hersteller wehrten sich vehement: Samsung stellte das Video eines Härtetests ins Netz, Apple arbeitet lauft Fachmagazin „Chip“ an einer neuen Aluminiumlegierung für die nächste Gerätegeneration. Je größer das Telefon, um so unbequemer ist es in der Hosentasche zu tragen. Das iPhone 6 Plus ist nur etwas für Leute, die mit Jacket oder Tasche unterwegs sind.

Für und gegen iPhone beziehungsweise Galaxy gibt es zahlreiche Gründe. Lesen Sie dazu die weiter oben links stehenden Hintergrundartikel. Und nun? Produktdesign und Technologie sprechen für das Galaxy Edge, die Usability für das iPhone. Teuer sind sie beide. In Branchenblogs ist zu lesen, dass Marktbeobachter das nächste iPhone für Herbst erwarten. Vielleicht erleichtert das ja die Entscheidung.