Taxi.EU Wie die Taxibranche Konkurrent Uber den Kampf ansagt

Foto: Marcus Brandt / dpa

Taxi-Unternehmer wie der Berliner Hermann Waldner wollen den Markt nicht kampflos Uber, Wundercar und Co. überlassen. Mit einem App-Netzwerk wollen sie ihre Kunden im Internet erreichen.

Mit einem europaweiten Netzwerk machen Anbieter von Taxi-Apps gegen Transportdienst wie Uber und konkurrierende Marktplätze wie myTaxi mobil. Jetzt haben sich die aus Berlin stammende Plattform Taxi.eu und das in Paris ansässige Onlineportal eCab zum "Global Taxi Service Quality Network" (GTN) verbündet. Das neue Netzwerk der Taxi-Apps erstreckt sich schon kurz nach seinem Start auf mehr als 100 Städte in mehr als 13 Ländern mit mehr als 70.000 Taxen.

"Wir wollen die Vermittlung von Fahrten nicht den Start-ups überlassen", sagt der Berliner Taxiunternehmer Hermann Waldner, Geschäftsführer von Taxi.eu und Chef von Berlins größter Taxizentrale, die unter der Rufnummer 202020 Fahrten mit insgesamt 5700 Taxen vermittelt. "Wir haben zwar nicht die Milliarden von Uber, mit unseren Verbänden und Zentralen haben wir aber das stärkste Netzwerk." Waldner plant eine weltweite Initiative.

Findige Unternehmer hatten bereits im Jahr 2009 das Internet als Medium für die Vermittlung von Fahrten entdeckt. Travis Kalanick gründete im März 2009 in San Francisco den Limousinenservice Uber, der sich schnell auf andere US-Städte ausbreitete. Drei Monate später gründeten Niclaus Mewes und Sven Külper in Hamburg die Vermittlungsplattform myTaxi, die bis Mai 2011 in sechs deutsche Großstädte expandierte.

Antwort auf Uber und myTaxi

Zunächst liefen die traditionellen Taxizentralen gegen die neuen Dienste Sturm, weil sie den Sturz ihres Transport-Monopols sahen. Dann begannen fortschrittliche Kräfte konstruktiv mit den neuen Möglichkeiten umzugehen, zumal Taxifahrer myTaxi als zusätzliche Einnahmequelle längst erkannt hatten.

Zu ihnen gehörte Hermann Waldner. Er wollte dem Treiben von myTaxi und Co. nicht tatenlos zusehen und hatte im Oktober 2010 die Idee, in den digitalen Markt der Taxivermittlung vorzudringen. Er hatte die Idee einer eigenen Smartphone-App, mit der Taxen bestellt werden können, und gab 2011 ihre Entwicklung in Auftrag. Taxi.eu ging im Dezember 2011 in 60 europäischen Städten an den Start.

Anders als myTaxi vermittelt die Waldner-App Aufträge ausschließlich an Taxen, die Funkzentralen angeschlsosen sind. Der wichtigste Unterschied zu Uber besteht darin, dass die Vermitlung in Einklang mit geltendem Recht steht und Verbraucher sich damit auf der sicheren Seite sehen können. Ein Vorteil von Uber und myTaxi ist die Möglichkeit, aus der App heraus mit einem Klick bargeldlos mit Kreditkarte zu bezahlen, was mit Taxi.EU nicht möglich ist.

Taxi.eu mit 2,9 Millionen Downloads

Belgrad, Istanbul und Athen nennt Waldner als nächste Städte, in denen Taxi.EU mit zertifizierten Partnern an den Start gehen soll. Durch eine gemeinsame Schnittstelle von Taxi.EU und eCab soll es demnächst auch möglich sein, Taxen in Großbritanien, Indien und Kanada zu bestellen.

Taxi.eu verzeichnete laut Waldner bislang 2,9 Millionen Downloads. Zum Vergleich: Die zum Daimler-Konzern gehörende App von myTaxi wurde zehn Millionen Mal heruntergeladen. Mit ihr können Fahrten in 45.000 Taxen gebucht werden. Das Taxi-Gewerbe wirft digitalen Marktplätzen wie Uber und Wundercar einen unfairen Wettbewerb vor, weil die Online-Vermittlung nach Meinung der Branche gesetzliche Vorschriften aushebelt.

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