Die Messenger-App telegram hat nach dem WhatsApp-Verkauf an das soziale Netzwerk Facebook acht Millionen neue Kunden gewonnen. Das berichtet das Branchenblog Techcrunch. Der Nachrichtendienst telegram wird von Berlin aus betrieben.
Pavel Durov, einer der telegram-Gründer, sagt Techcrunch, seit der WhatsApp-Übernahme werde der Dienst täglich 800.000 bis eine Million Mal heruntergeladen. Vorher seien 300.000 bis 400.000 Downloads pro Tag gezählt worden. Am vergangenen Sonnabend, als die WhatsApp-Server für drei Stunden nicht erreichbar waren, sei die App 1,8 Millionen Mal aus den App Stores für Apple- und Android-Smartphones abgerufen worden.
Telegram legt größten Wert auf die Internetsicherheit: Die Nachrichten würden verschlüsselt übertragen. Ferner heißt es auf der Website, der Nachrichtendienst sei kosten- und werbefrei. Wegen des „wahnsinnigen Wachstums“ in Euopa brachen die telegram-Server am vergangenen Montag für zwei Stunden zusammen. „Wir verstärken unsere Server. Aber das braucht Zeit“, heißt es in einer Twitter-Kurznachricht des Dienstes.
telegram-Gründer ist der Zuckerberg Russlands
Gründer Durov ist zugleich Erfinder des russischen Facebook-Klons VK mit mehr als 100 Millionen Nutzern und wurde vom Nachrichtenportal Bloomberg als der „Zuckerberg Russlands“ bezeichnet. Wie es dort weiter heißt, lebt Durov derzeit in Berlin, wo auch eine von ihm unterstützte Nonprofit-Organisation angesiedelt sei, von der die Plattform telegram betrieben werde. Wo der Sitz dieser Organisation ist, ist nicht bekannt.
Mehr Projekte wie Wikipedia
In dem Bloomberg-Artikel wird Durov mit den Worten zitiert, telegram werde niemals verkauft, weil weder er noch seine Mitarbeiter das finanziell nötig hätten. „Die Welt braucht mehr Projekte, die nicht kapitalgetrieben sind – ohne Investoren, ohne Verkäufe und ohne Börsengänge. Wir brauchen mehr Projekte wie Wikipedia“, zitiert Bloomberg den Gründer, der das größte soziale Netzwerk Russlands betreibt.
WhatsApp war am 19. Februar für den Rekordpreis von 19 Milliarden US-Dollar (14 Milliarden Euro) an das soziale Netzwerk Facebook verkauft worden. Das führte insbesondere in europäischen Ländern wegen Sicherheitsbedenken von Nutzern zu einem millionenfachen Exodus von WhatsApp-Kunden zu anderen Nachrichten-Apps.
Warum Nutzer WhatsApp verlassen
Insgesamt dürfte dieser Trend aber der marktbeherrschenden Stellung von WhatsApp wenig anhaben, da das Netzwerk über 450 Millionen aktive Nutzer verfügt. WhatsApp steht in der Kritik, weil die App Adressbücher des Smartphones ausliest und Daten teilweise unverschlüsselt überträgt.
Pavel Durov war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.




