12.02.13

Start-ups

SumUp will traditionelle Kassen abschaffen

Bisher verwenden kleine Unternehmer vor allem Einsteck-Kartenleser. Inzwischen zeichnen sich aber ganz neue Bezahlkonzepte ab.

Von Jürgen Stüber mit Material von dpa
Foto: sumup

Vernetzt: Das Konzept des Berliner Startup „SumUp“ setzt auf die Verwendung von Smartphones
Vernetzt: Das Konzept des Berliner Startup "SumUp" setzt auf die Verwendung von Smartphones

In naher Zukunft könnte allein der Name des Verbrauchers genügen, um an einer Kasse zu bezahlen. Stefan Jeschonnek, Gründer und Geschäftsführer des Berliner Start-up SumUp stellte am Dienstag ein System vor, mit dem ein Kunde in einem Geschäft oder Lokal über sein Smartphone bezahlen kann, ohne es aus der Tasche herausholen zu müssen.

SumUp will damit dem Konkurrenten PayPal zuvorkommen, der an einer ähnlichen Technologie arbeitet. Jeschonnek zeigte den Prototypen seiner neuen App "Sumup Pay" bei der Finovate Conference in der britischen Hauptstadt London. Er soll noch in diesem Jahr verfügbar sein und wird momentan von Test-Händlern erprobt.

Ein persönlicheres Einkaufserlebnis

Um das neue System nutzen zu können, muss sich der Kunde die App "SumUp Pay" herunterladen, aktivieren und dem Händler erlauben, Beträge von seinem Konto abzubuchen. Wenn der Verbraucher dann einen Laden betritt, erkennt die App auf dem iPad-Bildschirm des Händlers den Kunden und zeigt sein Foto an.

Zum Bezahlen drückt der Verkäufer auf das Foto des Kunden und der Betrag wird abgebucht. "Es geht um ein persönlicheres Einkaufserlebnis und Kundenpflege", sagte Jeschonnek. Der Bezahlvorgang selbst rücke in den Hintergrund. Er schätze, dass sich solche Konzepte in fünf Jahren durchgesetzt haben werden.

"Bezahlen neu definiert"

"Mit Sumup Pay haben wir das Bezahlen neu definiert", sagte Stefan Jeschonnek. Er sieht in dieser Technologie die nächste Generation des mobilen Bezahlens. Die App sei schneller als das Bezahlen mit Bargeld, praktischer als das Bezahlen mit Kreditkarte und gleichzeitig sicher. "Der Kunde wird einfach mit seiner Anwesenheit im Laden bezahlen können."

Der Bezahlvorgang werde dabei von einer Geldtransaktion zu einer Interaktion zwischen dem Händler und seinem Kunden. Jeschonnek geht gar soweit, dass er sagt, in Testläufen habe sich gezeigt, dass das Bezahlen plötzlich wieder Spaß mache.

Der US-Bezahldienstleister PayPal arbeitet an einem ähnlichen Modell. Es soll in den kommenden Monaten in den USA starten und voraussichtlich in einem Jahr nach Europa kommen, wie PayPal-Chef David Marcus sagte. Er könnte sich vorstellen, dass mit der Zeit die Kassen in vielen Läden verschwinden könnten und der Kunde direkt von einem mobilen Gerät aus bezahlt.

Kartenzahlung möglich

Wer trotzdem weiter mit einer Kreditkarte bezahlen will, kann das tun. Sumup bietet dazu eine App und einen Kartenleser an, der mit dem Smartphone oder dem Tablet verbunden werden kann. Von diesem Gerät hat SumUp nach eigenen Angaben bisher "mehrere Zehntausend" ausgeliefert. Jede Woche kämen einige Tausend weitere hinzu, sagte Jeschonnek. Genauere Zahlen nannte er nicht.

Bei dieser Technologie setzt das Unternehmen inzwischen auf das Chip&Sign-Verfahren: Die App im Gerät des Händlers erkennt die im Chip der EC- oder Kreditkarte gespeicherten Informationen und überträgt diese an den Abrechnungsserver von SumUp, nachdem der Kunde mit seinem Finger auf dem Bildschirm unterschrieben und die Transaktion bestätigt hat.

Mobiles Bezahlen ist momentan einer der am stärksten wachsenden Internetmärkte. In der vergangenen Woche hatte Sumup-Mitbewerber Payleven einen Kreditkartenleser vorgestellt, auf dem der Kunde auch seine Geheimzahl eingeben kann. Dieses Verfahren wird "Chip&Pin-Technologie" genannt. Payleven ist auch ein Berliner Start-up. Es gehört zur Unternehmensgruppe Rocket Internet.

Konzept von Twitter-Mitgründer erfunden

Chip&Pin gilt als sicherer als andere Abrechnungsverfahren, bei denen Daten des Magnetstreifens auf der Karte ausgelesen werden. Es wird vom europäischen Kreditkarten-Marktführer Visa unterstützt. Auch bei "SumUp Pay" soll das Bezahlen mit Visa möglich sein.

Das Konzept wurde in den USA von der Firma Square des Twitter-Mitgründers Jack Dorsey erfunden. SumUp ist nach dem Start im August 2012 inzwischen in zehn Ländern verfügbar.

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