Etwas versteckt liegt das Musikhaus Spandau in Sichtweite des markanten Rathauses, an der Westseite des Parkhauses mit der roten Backsteinfassade. Drei große Schaufenster geben den Blick frei auf hunderte Musikinstrumente. „Wir sind Spandauerinnen mit Leib und Seele“, sagt Birgit Böhlke und sieht ihre Tochter Nadja Becker an. Die ist seit elf Jahren Geschäftsführerin des Musikhaus Spandau. Sie nickt und ergänzt: „Man könnte auch sagen, wir bringen Spandau zum Klingen.“
Einer der prominentesten Kunden des musikalischen Fachgeschäfts war der 12-jährige Dirk Felsenheimer, der hier seine erste Gitarre kaufte. Später stieg er auf Schlagzeug um. Heute zählt Bela B. von den Ärzten zu den bekanntesten Musikern Deutschlands. Auch Didi Hallervorden, Peter Lustig und Benno Fuhrmann waren schon Kunden. „Und Frank Zander kauft bei uns seine Schals mit Klaviertastatur-Motiv“, ergänzt Seniorchefin Birgit Böhlke.
Die ausgebildete Klavierlehrerin und Musikpädagogin übernahm das Geschäft im Oktober 1976. Damals hieß es noch Musik und Kunst und befand sich in der Spandauer Altstadt, in der Carl-Schurz-Straße. Sie kannte das Geschäft von vielen Notenkäufen. Eines Tages sprach sie den 80-jährige Besitzer an, ob er nicht verkaufen wolle. „Der hatte schon mehrere Angebote abgelehnt, aber an mich verkaufte er“, erinnert sich Birgit Böhlke.
Der Trend im Sortiment ist das Percussion-Instrument Cajón
Drei Jahre später folgte im Zuge des U-Bahnbaus bis Rathaus Spandau der Umzug an den jetzigen Standort. Es war die Zeit der elektrischen Gitarren, von Synthesizern und Keyboards. Mitte der 80er-Jahre kamen digitale Klaviere in Mode. „Das war eine Alternative für Menschen, die zur Miete wohnten. Jetzt konnten sie per Kopfhörer Klavierspielen und störten die Nachbarn nicht“, sagt Birgit Böhlke. Mehr als ein Dutzend Keyboards und E-Pianos stehen gleich im Eingangsbereich des rund 130 Quadratmeter großen Geschäfts.
Nadja Becker fährt jedes Jahr auf die Musikmesse nach Frankfurt am Main und informiert sich über die neuesten Entwicklungen. Gefragt sei beispielsweise der Cajón, ein kistengroßes Percussion-Instrument, auf dem der Spieler sitzt. „Dieses Instrument kam im Zuge der unverstärkten, unplugged gespielten Lieder auf. Es ersetzt häufig das Schlagzeug bei akustischen Formationen“, erklärt Fachverkäufer Jörn Große, der seit 25 Jahren im Musikhaus arbeitet.
In seiner Freizeit ist Große als Gitarrist und Bassist mit diversen Bands unterwegs. Er hat einen guten Draht zu Jugendlichen, die er nicht nur beim Kauf von E-Bass oder E-Gitarre berät, sondern auch, welcher Verstärker am besten passt, welche Kabel und welche Effektgeräte. „Unsere Beratung ist das A und O“, stellt Nadia Becker fest. Alle Instrumente können angespielt werden. Außerdem bietet das Musikhaus Spandau einen Reparatur-Service, der viele Dinge vor Ort beheben kann. Die schwierigen Fälle übernehmen lokale Instrumentenbauer.
Erfreut haben Birgit Böhlke und Tochter Nadia festgestellt, dass „wieder mehr Kinder ein Instrument lernen“, sei es in der Schule, einer Musikschule oder privat. „Seit etwa fünf Jahren erlebt die akustische Gitarre ein Comeback.“ Darauf haben sich die beiden Frauen mit einer Verbreiterung des Angebotes eingestellt. Das Einsteigermodell aus Lindenholz kostet 49,50 Euro. Danach geht es mit Konzertgitarren von Granada weiter, die in Bulgarien produziert werden, und um 200 Euro kosten. Modelle der fränkischen Firma Hanika beginnen bei 500 Euro. Die Mittelklasse liegt etwas darüber. Westerngitarren gibt es von der Firma Fender, Ibanez, Gretsch, Martin, Sigma und Höfner, die Preisspanne liegt bei ca. 100 bis 1500 Euro.
Auch Trommeln wie Conga, Timbales, Djembes sind im Musikhaus Spandau erhältlich, einige sogar im neuen Vegan-Trend. Dabei sind die Trommelfelle nicht mehr wie üblich aus Ziegenhaut, sondern aus Kunststoff. „Der Klang ist hervorragend“, sagt Nadia Becker und liefert gleich eine Hörprobe. Sie selbst spielt Geige, „alles von Klassik bis Eric Clapton“. Anfängergeigensets aus massiven Fichtenholz sind bereits für 155 Euro zu haben. Mit ihrer Mutter spielt sie manchmal im Duo. „Kleine Hausmusik“, sagt sie. „Etwa eine Mozartsonate.“
Der Sohn lernt bereits Gitarre und Schlagzeug
Gut sei auch die Zusammenarbeit mit Musikschulen. Bei Jugendlichen sind zur Zeit Noten zu Pop-Chart-Liedern angesagt. Dazu gibt es eine CD. Damit und mit den Noten können die Eleven dann ihren Instrumententeil zu Melodie und Gesang bekannter Hits üben. Eine kleine Kinderlieder-Abteilung ist auch vorhanden, „das muss einfach sein, wenn man zwei eigene im Alter von vier und acht hat“, meint Nadia Becker. Der Sohn hat bereits Gitarren- und Schlagzeugunterricht.
Wer Musikliebhabern kleine Aufmerksamkeiten wie Servietten mit Musikmotiven oder italienische Pasta in Notenform schenken möchte, wird im Musikhaus Spandau ebenfalls fündig. „Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann – und worüber zu schweigen unmöglich ist“, das sei das Motto des Hauses. Es stammt vom französischen Schriftsteller Victor Hugo. „Und passt einfach“, so Birgit Böhlke.
Musikhaus Spandau Moritzstraße 9b,
Tel. 333 39 46, Mo.-Fr. 10-18.30 Uhr, Sbd. 9.30-15 Uhr, www.musikhausspandau.de





