Siebeneinhalb Jahre nach dem ersten Spatenstich haben an diesem Montag die ersten 170 von insgesamt 4000 Mitarbeitern die Arbeit in der neuen Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Berlin aufgenommen. BND-Präsident Gerhard Schindler und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) eröffneten mit einem Festakt die Nordbebauung des 35 Fußballfelder großen Areals in Mitte. Darin sind die Technik-, Energie- und Logistikzentrale sowie ein Parkhaus für 600 Fahrzeuge untergebracht. Der Umzug soll Ende 2016 abgeschlossen sein.

Das größte Bauprojekt des Bundes nach dem Krieg war von Pannen, Verzögerungen und Kostensteigerungen begleitet. Ursprünglich sollte die neuen BND-Zentrale 730 Millionen Euro kosten, der Einzug war für 2013 geplant. Pfusch am Bau, Umplanungen und Streit mit Firmen machten das Projekt aber teurer. Mittlerweile geht das zuständige Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) davon aus, dass der zuletzt gültige Kostenrahmen von 912,4 Millionen Euro gehalten wird. Der BND rechnet inklusive Umzug mit Gesamtkosten in Höhe von 1,3 Milliarden Euro für den Standort Berlin.

Die von dem deutschen Auslandsgeheimdienst weltweit gesammelten Informationen werden zunächst weiterhin an den alten Standorten in Berlin und in Pullach bei München ausgewertet.

BND-Chef Schindler: Neubau bringt bessere Arbeitsabläufe

Der Bezug des BND-Neubaus sei „kein guter Tag für den deutschen Steuerzahler“, kritisierte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele am Montag im RBB-Programm „radioeins“. Das Gebäude sei „nicht nur mächtig, riesig, hässlich, es ist auch ungeheuer teuer.“

Die Bundesregierung und ihr Auslandsgeheimdienst BND hatten den Umzug mit dem Argument gerechtfertigt, dass beide Seiten von der räumlichen Nähe des Diensts zu den politischen Entscheidungsträgern in Berlin profitieren würden. Die Zusammenlegung verschiedener Dienststellen werde zudem zu mehr Effizienz in den Arbeitsabläufen führen.

Schindler griff diese Argumente am Montag anlässlich eines Festakts in Berlin auf: „Als Dienstleister für die politischen Entscheidungsträger in Regierung und Parlament gehört der BND nach Berlin“, erklärte er. Der Umzug sei „ein klares Zeichen nach innen und außen: Der BND kommt in die Mitte der Hauptstadt“.

Auch die Bundesregierung stellte sich trotz der Kritik an den Geheimdiensten wegen der NSA-Affäre hinter die Arbeit des BND gestellt. Die Informationen des BND stellten eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Politik dar, sagte Altmaier am Montag beim Festakt.

Der US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) wird wegen seiner umfassenden Datenschnüffelei und einer jahrelangen Spionageattacke auf das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) international heftig kritisiert. Der BND arbeitet unter anderem zur Terrorabwehr mit den US-Spionen zusammen.

Altmaier sagte, gerade bei internationalen Krisen sei es unabdingbar, dass die Informationen des BND zeitnah zur Verfügung stünden. Die künftige räumliche Nähe des Dienstes mit seiner Zentrale mitten in Berlin trage dem Rechnung. Schindler sprach von einem Meilenstein auf dem Weg zum bis Ende 2016 geplanten Gesamtumzug. Dass der BND in die Mitte der Hauptstadt komme, sei der Beginn einer neuen Ära und ein klares Zeichen nach innen und außen. Der BND verstehe sich als Dienstleister für die politischen Entscheidungsträger in Regierung und Politik.

dpa/AFP/mim