Zwei Mal schon ist Pascal auf dem Fahrrad von einem Auto angefahren worden, einmal endete der Sturz im Verkehrsgewühl in Mitte mit einem gebrochenen Bein. „Dabei hatte ich Grün“, sagt der 47 Jahre alte Spandauer. Mit Schirmmütze, Sonnenbrille und Sportshirt steht Pascal neben seinem Mountainbike vor der Ampel an der Bachstraße Ecke Straße des 17. Juni. Eine Polizistin neben ihm zeigt auf die rechtsabbiegenden Autos und die Radfahrer, die an der viel befahrenen Einmündung geradeaus wollen. „In der Situation haben Autos und Radler beide Grün, da müssen sie sichergehen, dass sie nicht übersehen werden“, sagt Polizeioberkommissarin Luise Günther.
Luise Günther ist beim Polizeiabschnitt 25 rund um die City West zuständig für Beratungen zur Verkehrssicherheit. Mit rund zwei Dutzend Kollegen ist sie am Donnerstagnachmittag an der Straße des 17. Juni im Einsatz, um Rad- und Autofahrer über die Gefahren des toten Winkels an der Ampel aufzuklären. Auch der Fahrradclub ADFC hat neben der Polizei einen Stand aufgebaut und wirbt für mehr Aufmerksamkeit der Autofahrer gerade an Kreuzungen. Abbiegefehler gehören zu den häufigsten Ursachen bei Unfällen, an denen Radfahrer beteiligt sind, vergangenes Jahr allein kam das fast 1400 Mal in Berlin vor. Um zu zeigen, wie groß der tote Winkel im Blickfeld etwa eines Lastwagenfahrers sein kann, haben die Polizeibeamten ein großes gelbes Dreieck vor der Ampel auf dem Radstreifen befestigt. „Haben Sie mal zwei Minuten“, fragt Luise Günther an der Ampel dann die Radfahrer, die an diesem sonnigen Tag zahlreich sind. Ein paar erklärende Sätze und ein Faltblatt später geht es schon wieder weiter.
„Ich bin selbst Autofahrerin, ich denke auch auf dem Fahrrad immer fürs Auto mit“, sagt Inna Nissen die mit knallroter Sonnenbrille und pinkfarbenen City-Rad unterwegs ist. „Man muss schon auf sich selbst aufpassen“, sagt die 37-Jährige aus Wedding. Viele der Radfahrer reagieren an diesem Nachmittag so. „Gerade die jüngeren Leute wissen ganz gut Bescheid, die Toten-Winkel-Unfälle passieren leider häufig in der Generation 50plus“, sagt Luise Günther. „In der Generation scheint man oft zu sehr darauf zu vertrauen, dass alle aufpassen.“
Aber nicht nur freundliche Aufklärungsgespräche werden bei der Aktion an der Kreuzung geführt. Ein paar Meter neben Luise Günther und ihren Kollegen winken Beamte der 21. Einsatzhundertschaft Autos und auch Radfahrer aus dem Verkehr. Kurz vor der Kreuzung haben Zivilpolizisten sie dabei beobachtet, wie sie am Steuer telefonieren, bei Rot über die Ampel fahren oder ohne Anschnallgurt unterwegs sind. Über Funk geben sie die Infos an die Kontrollstelle weiter. „Da wird nicht mehr verwarnt, die Themen sind allen Verkehrsteilnehmern lange bekannt, das wird geahndet“, sagt Polizeihauptkommissar Thomas Helm. Allein das Handy am Steuer kostet dann bereits ein Bußgeld von 40 Euro, für Telefonieren auf dem Fahrrad sind es 25 Euro.
Mountainbiker Pascal mag den Berliner Verkehr trotz der zwei Unfälle, die er hinter sich hat. „Radfahren in Berlin ist toll“, sagt der gebürtige Franzose. „In Paris ist das ein einziger Kampf. Da rechnet kein Autofahrer mit Fahrrädern.“




