Obdachlose

Ehemalige Bewohner der Eisfabrik wollen zum Sozialsenator

Mehr als 20 Bulgaren sind obdachlos, seitdem sie das verfallene Gebäude der ehemaligen Eisfabrik verlassen mussten. Jetzt wollen sie weiter Druck bei Sozialsenator Mario Czaja und den Behörden machen.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Frühere Bewohner der Eisfabrik hoffen weiter auf eine Lösung ihrer Wohnungsprobleme. Um Druck auf die Behörden zu machen, kündigten die Obdachlosen aus Bulgarien für Donnerstag einen erneuten Besuch in der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales in Kreuzberg an. Sie wollten von Senator Mario Czaja (CDU) erfahren, wie weit die Arbeit an einer längerfristigen Lösung gediehen ist und wie es bis dahin weitergehen soll, teilte eine Unterstützergruppe mit.

Leben in der Ruine

Im Dezember hatten die mehr als 20 Bulgaren die ehemalige Eisfabrik verlassen müssen und waren damit obdachlos geworden. Zuvor hatten sie etwa zwei Jahre lang in selbst gebauten Hütten in der Fabrik-Ruine gelebt. Wegen baulicher Mängel war diese Ende Dezember geräumt worden. Seitdem zieht die Gruppe umher. Zuletzt hatte sie auf Vermittlung von Czaja in der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg eine Unterkunft gefunden. Die Gemeinde benötigt die Räume nach Angaben der Gruppe aber nun von Donnerstag an selbst.

Die Sozialverwaltung verweist auf die Zuständigkeit der Bezirksbehörden. Diese müssten jeweils im Einzelfall prüfen, ob Ex-Bewohner der Eisfabrik Anspruch auf Unterbringung haben. "Wir haben die Bezirksämter jetzt informiert und die von der Gruppe übermittelte Liste der Personen an die Bezirksämter verschickt", sagte Czajas Sprecherin Constance Frey. Bisher habe die Mehrheit der Betroffenen die Sozialämter nicht aufgesucht. "Wenn sie diese Möglichkeit nicht in Anspruch nehmen, stehen ihnen nach wie vor die Angebote der Kältehilfe zur Verfügung", erklärte Frey. "Auf der Straße muss niemand schlafen."

Gespräche mit den Bezirken

Nach Darstellung der Bulgaren haben sie sich bei Bezirksbehörden bisher eine Abfuhr geholt. Das Bezirksamt Pankow habe ihnen vorgehalten, die Obdachlosigkeit selbst verschuldet zu haben, und ihnen ein Rückkehrticket nach Bulgarien angeboten. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg habe sie an das Jobcenter verwiesen und das Jobcenter zurück an das Bezirksamt, hieß es.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.