Zu einem Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan am Dienstag in Berlin werden mehrere tausend Menschen erwartet. Erdogan spricht um 18 Uhr im Tempodrom in Kreuzberg. Der Saal fasst 4000 Menschen, weitere Zuschauer können die Rede auf Leinwänden vor dem Bau verfolgen. Türkische Sender übertragen live.
Die Veranstaltung trägt den Titel: „Berlin trifft den großen Meister.“ Organisiert wird der Auftritt von der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) in Köln, die der Regierungspartei AKP des islamisch-konservativen Regierungschefs nahe steht. Die erwarteten überwiegend türkischen Besucher müssen sich vor der Rede Eintrittskarten besorgen, die kostenlos vergeben werden.
In der Türkei stehen im März Kommunalwahlen an, im August wird ein neuer Staatspräsident gewählt. Fast drei Millionen Menschen in Deutschland haben türkische Wurzeln. Knapp die Hälfte von ihnen hat nach Angaben des Auswärtigen Amtes einen türkischen Pass, die Volljährigen darunter sind in der Türkei wahlberechtigt. Zum ersten Mal sollen Türken im August auch außerhalb des Staatsgebietes wählen können.
Aufsehen bei Reden in Köln und Düsseldorf
Mit Spannung wird Erdogans Auftritt auch deswegen erwartet, weil er 2008 in Köln und 2011 in Düsseldorf mit Reden für Aufsehen und Kritik sorgte. In Köln bezeichnete er eine Assimilation (Angleichung, Verschmelzung) von Türken in Deutschland als Verbrechen. In Düsseldorf rief er die Türken zur Integration auf, wandte sich aber wiederum gegen eine Assimilation und betonte, türkische Kinder in Deutschland müssten als Muttersprache Türkisch und dann erst Deutsch lernen.
Wichtigster Programmpunkt von Erdogans Deutschland-Besuch ist ein Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag. Bei dem Meinungsaustausch geht es auch um das Verhältnis der Türkei zu Deutschland. Die Türkei ist seit 1999 EU-Beitrittskandidat, die CDU steht einer vollen Mitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union skeptisch gegenüber.
Erdogans bevorstehender Besuch löste erneut eine Debatte über die Rolle von Religion in beiden Ländern ausgelöst. Unions-Fraktionschef Volker Kauder forderte Erdogan zu einem Bekenntnis zu religiöser Toleranz auf. „Erdogan könnte hier einmal ein deutliches Bekenntnis zur Religionsfreiheit in der Türkei ablegen. Denn er will ja mit der Türkei auch nach Europa“, zitiert Spiegel Online am Montag den CDU-Politiker. Kauder gilt als Kritiker eines EU-Beitritts der Türkei. Erst im vergangenen Sommer hatte er weitere Beitrittsverhandlungen davon abhängig gemacht, dass der türkische Staat die Rechte der Christen stärker respektiere.
„Jeder kann in Deutschland frei reden, solange er sich an die demokratischen Spielregeln hält, sagte Kauder mit Blick auf die vergangenen Reden Erdogans in Deutschland. Ihm sei wichtig, so der CDU-Politiker, „dass die Rede von Herrn Erdogan nichts enthält, was die Integration der türkischstämmigen Bevölkerung erschwert.“


