Bildung

Deutschtest und Kita-Pflicht - Berlin bekämpft Sprachdefizite

Foto: Marion Hunger

Jedes sechste Berliner Kind kann nicht richtig Deutsch. Berlin zieht nun die obligatorischen Sprachtests vor der Einschulung um ein halbes Jahr vor - damit auch die Kita-Pflicht für Förderbedürftige.

Zu viele Kinder haben in Berlin ein Jahr vor der Schule erhebliche Sprachprobleme. Bei den jüngsten Prüfungen im Jahr 2013 hatte laut Senatsverwaltung für Bildung jedes sechste Kitakind Sprachdefizite. Bei den Kindern, die keine Kita besuchten, waren sogar 55,3 Prozent förderbedürftig. Seit 2009 haben sich die Ergebnisse der Kinder kaum gebessert.

Das soll sich jetzt ändern. Am Dienstag hat der Senat beschlossen, dass die Kinder, die keine Kita besuchen, ab dem kommenden Schuljahr früher zum verbindlichen Sprachtest antreten müssen als bisher. Demnach werden die Kinder künftig schon mit vier Jahren getestet, um eventuelle Sprachdefizite festzustellen. Derzeit wird der Test erst mit viereinhalb Jahren, also ein Jahr vor Schulbeginn durchgeführt.

Mit dem Vorziehen des Tests verlängert sich auch die Kitapflicht für förderbedürftige Kinder von derzeit ein Jahr auf künftig anderthalb Jahre. Zudem sollen die Kinder nicht mehr nur mindestens drei Stunden, sondern ab August fünf Stunden pro Tag verbindlich in die Kita. Insgesamt 1,5 Millionen Euro will der Senat dafür zur Verfügung stellen. Insgesamt fließt jährlich rund eine Milliarde Euro in die Kita-Betreuung.

"Es hat sich in den Sprachtests gezeigt, dass Kinder, die mindestens zwei Jahre in der Kita waren, deutlich bessere Ergebnisse in den Sprachtests haben als Kinder, die nur kurz oder gar nicht in der Kita waren", begründet Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) die Maßnahmen. Die deutsche Sprache sei die Grundlage für alle Fächer in der Schule.

Verschärfte Sanktionen gegen Eltern

Auch die Sanktionen für Eltern, die ihre Kinder nicht testen lassen oder bei festgestellten Defiziten nicht regelmäßig in den Kindergarten bringen, sollen verschärft werden. Es sei nicht akzeptabel, dass Eltern ihren Kindern diese Förderung vorenthalten und ihnen damit Zukunftschancen verbauen, so Scheeres. Mit der Änderung des Schulgesetzes, die noch im Abgeordnetenhaus in zweiter Lesung beschlossen werden muss, soll ein Bußgeld von bis zu 2500 Euro möglich sein. Die Änderung soll noch im Frühjahr in Kraft treten.

Unabhängig vom Bußgeld gibt es zudem die Möglichkeit, dass die Familiengerichte im Sinne des Kindeswohls die Eltern verpflichten, ihre Kinder in die Kita zu bringen, so Scheeres. Im Jahr 2013 seien 340 Eltern mit ihren Kindern trotz Einladung gar nicht erst zum Sprachtest erschienen. Und von den 394 Kindern, die nach dem Test wegen der großen Defizite die Auflage bekommen haben, an der Förderung in der Kita teilzunehmen, ist fast die Hälfte (179) dort nie angekommen. "Wir müssen künftig nicht nur verstärkt überprüfen, ob die Kinder in der Kita angemeldet werden, sondern auch, ob sie regelmäßig dort hingebracht werden", sagt Scheeres.

Sprachlerntagebücher werden weiterentwickelt

Aber auch innerhalb der Kindertagesstätten selbst soll sich die Sprachförderung verbessern. Die Sprachlerntagebücher, in denen die Erzieher die Entwicklung der Kinder dokumentieren, um rechtzeitig Förderbedarfe zu erkennen, werden weiterentwickelt, vor allem der Teil für die Kinder unter drei Jahren wird ausgebaut. Zudem ist vorgesehen, dass die Sprachlerntagebücher ab August mit dem Einverständnis der Eltern an die jeweilige Grundschule der Kinder weitergegeben werden. Bisher bekommen die Eltern die Bücher am Ende der Kitazeit ausgehändigt. "Die Bedenken des Datenschutzbeauftragten konnten jetzt ausgeräumt werden", sagt Scheeres. Die Senatorin verspricht sich von der Weitergabe der Sprachlerntagebücher, dass die Grundschulen schneller erkennen, in welchem Bereich genau die Förderbedarfe der Kinder bestehen.

Im Regelfall werden die Kitas die Bücher an die Schulen weiterschicken, da die Erzieher wissen, welche Schule die Kinder besuchen werden. Wenn Eltern sich allerdings für eine Schule außerhalb ihres Einzugsgebiets entscheiden, sollen die Bezirke dafür zuständig sein, die Dokumente weiterzuleiten.

Die Koalitionspartei CDU strebt langfristig an, dass die Kinder mit Defiziten künftig in der Vorschule speziell gefördert werden. Das Personal müsse zudem in Sachen Sprachförderung besser geschult werden, sagt Hildegard Bentele, bildungspolitische Sprecherin der Berliner Christdemokraten. Auch die Früheinschulung mit fünfeinhalb Jahren soll nach dem Willen der CDU abgeschafft werden. So könnten Entwicklungsverzögerungen besser ausgeglichen werden.

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