Die deutschen Schüler haben ihre Leistungen seit dem Pisa-Schock vor dreizehn Jahren erheblich verbessern können. In den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften lägen die 15-Jährigen nach fünf Bildungstests nun erstmals deutlich über dem Durchschnitt der 34 OECD-Staaten, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag in Berlin mit.
In Mathematik – dem Schwerpunkt der aktuellen Erhebung – erzielte Deutschland 20 Punkte mehr als der Schnitt der 34 OECD-Mitgliedstaaten. International belegt Deutschland von 65 Ländern und Regionen den 16. Platz. Shanghai, Singapur, Hongkong, Chinesisch Taipeh, Korea, Macau und Japan haben die ersten sieben Plätze inne. Liechtenstein liegt als erstes europäisches Land auf Platz acht, gefolgt von der Schweiz, den Niederlanden, Estland und Finnland.
Die Mathe-Fähigkeiten der deutschen Schüler sind damit vergleichbar mit denen ihrer Altersgenossen in Vietnam, Finnland, Kanada, Polen und Belgien. Zuletzt stand Mathematik 2003 im Zentrum des Pisa-Tests. Seitdem hat sich Deutschland um elf Punkte verbessert.
Große Leistungsunterschiede zwischen den Bundesländern
An der weltweiten Studie nahmen vergangenes Jahr mehr als eine halbe Million Schüler im Alter von 15 und 16 teil, darunter 5000 deutsche Schüler. Auch Berliner Schüler waren dabei. Insgesamt haben rund 250 Berliner Schüler von vier Integrierten Sekundarschulen und drei Gymnasien die Testfragen beantwortet.
Zwar lässt die Pisa-Studie den direkten Vergleich der Bundesländer nicht mehr zu. Die ebenfalls 2012 durchgeführte nationale IQB-Studie offenbarte aber große Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. In Mathe etwa hatten die 15-jährigen Sachsen einen Leistungsvorsprung von zwei Schuljahren hinsichtlich ihrer Altersgenossen in Nordrhein-Westfalen, Bremen und Berlin. In den Naturwissenschaften betrug der Leistungsunterschied zwischen Bayern und NRW immerhin noch ein ganzes Schuljahr.
Insofern ist festzuhalten: Ohne Bayern und Sachsen wäre das hervorragende deutsche Gesamtergebnis nicht möglich gewesen. Im internationalen Vergleich wären Sachsen und Bayern zumindest in Europa absolute Spitze.
Mehr auf Unterrichtsqualität achten
Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) äußerte sich erfreut über das deutsche Ergebnis. „Wir müssen weiterhin sowohl leistungsschwache, als auch leistungsstarke Schüler gezielt fördern“, sagte sie.
Außerdem müsse die Unterrichtsqualität noch stärker in den Blick genommen werden. Ein Beispiel sei das neue Lehrkräftebildungsgesetz. „Das beinhaltet insbesondere eine bessere Qualifizierung der Grundschullehrer in den Fächern Mathematik und Deutsch.“ Scheeres wies zudem auf das kürzlich aufgelegte Bonus-Programm für Schulen in schwierigen Lagen hin. „Das trägt dazu bei, die Bildungschancen der Schüler von ihrer sozialen Herkunft zu entkoppeln.“
Kritik an der Pisa-Studie
Die Vorsitzende der Berliner Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, Sigrid Baumgardt, kritisierte indes, dass Pisa nur Leistungsergebnisse dokumentiere. Die Studie bliebe Antworten darauf schuldig, wie sich geschlechtsspezifische Unterschiede oder eine nicht deutsche Herkunft der Schüler auf die Leistungen auswirke.
Wichtig sei, nach erfolgreichen Lernmethoden zu suchen und diese zu installieren. „Es geht darum, mit welcher Art von Unterricht mehr Schüler erreicht werden.“
Bereits zum fünften Mal wurden für die Studie die Fähigkeiten 15-jähriger Schüler in Lesen, Mathematik und in den Naturwissenschaften überprüft. Untersucht wurden zudem die Besonderheiten der unterschiedlichen Bildungssysteme, die Qualität der Lehrkräfte und die Einstellung der Eltern zum Lernerfolg ihrer Kinder.




