Nacht für Nacht muss die Berliner Feuerwehr derzeit wieder brennende Autos und Motorräder löschen. Seit Mittwoch voriger Woche haben unbekannte Brandstifter zwölf Mal Fahrzeuge angezündet. In nur neun Tagen wurden 14 Autos, fünf Zweiräder und zwei Transporter durch Feuer beschädigt.
Zuletzt ist Donnerstagfrüh ein Mercedes-Cabrio in Mitte in der Nähe eines Hotels in Flammen aufgegangen. Eine daneben stehende Audi-Limousine wurde durch die Hitze des brennenden Wagens stark beschädigt. Die Einsatzkräfte waren um 4 Uhr über die Brandstiftung auf einem Parkplatz an der Otto-Braun- Ecke Wadzeckstraße informiert worden.
Trotz der Häufung von Pkw-Brandstiftungen seit Beginn der dunklen Jahreszeit bewertet die Polizei die Anzahl dieser Taten auf das gesamte Jahr bezogen als durchschnittlich. „Seit Jahresanfang sind bei 221 Taten insgesamt 255 Kraftfahrzeuge direkt angegriffen worden. 28 Tatverdächtige konnten festgenommen werden“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf am Donnerstag.
Die meisten Autobrandstiftungen in Marzahn-Hellersdorf
Im Jahr 2012 hatte es in Berlin 243 Brandanschläge mit 297 zerstörten oder beschädigten Fahrzeugen gegeben. Auch die Anzahl der Zündeleien mit mutmaßlich politischen Tatmotiven liege in diesem Jahr bisher bei 21 und damit unter dem Stand des Vorjahres. 2012 stuften die Ermittler 24 Brandstiftungen in dieser Kategorie ein. Allerdings dauert dieses Jahr noch fast zwei Monate.
Während es im Vorjahr im Bezirk Mitte 35 und in Pankow 33 Brandstiftungen gab, die nicht politisch motiviert waren, sind in diesem Jahr die meisten Autobrandstiftungen in Marzahn-Hellersdorf verübt worden. Im östlichen Randbezirk brannte es bereits 27 Mal. In Lichtenberg und Mitte schlugen die Fahrzeugbrandstifter bisher jeweils 23 Mal zu.
In Friedrichshain-Kreuzberg gab es in diesem Jahr bereits zwölf politisch motivierte Brandstiftungen. Damit ist der Vorjahreswert (elf Taten) schon im November übertroffen worden. Pankow und Mitte meldeten jeweils acht derartige Brandfälle.
2011 setzte André H. 102 Autos in Brand
Vor zwei Jahren hatte die Welle von Autobrandstiftungen in Berlin ihren Höhepunkt erreicht. Mehr als 400 Fälle musste die Polizei registrieren, fast 540 Autos waren binnen Jahresfrist durch Brandstiftungen zerstört oder beschädigt worden. 92 der Taten mit insgesamt 117 direkt angezündeten Fahrzeugen hatten damals einen politischen Hintergrund, 311 Brandstiftungen indes wurden von der Polizei als unpolitisch eingestuft.
Bei politisch motivierten Brandanschlägen waren vornehmlich Unternehmen und Konzerne wie Deutsche Bahn, Telekom, Siemens oder DHL betroffen, in Einzelfällen auch Fahrzeuge von Bundespolizei und Bundeswehr. Zahlreiche Nachahmer sorgten dafür, dass die Fallzahlen im Jahr 2011 auf Rekordhöhe stiegen. Die Ermittlungen sind häufig sehr schwierig, weil die Brandstifter Grillanzünder verwenden. Bis das Auto brennt, sind sie verschwunden.
Maßgeblichen Anteil daran hatte ein junger Mann, der im April 2012 vom Landgericht Berlin zu einer Gefängnisstrafe von sieben Jahren verurteilt wurde. Der damals 28-jährige André H. hatte gestanden, von Juni bis August 2011 insgesamt 102 Autos in Brand gesetzt zu haben. Überwiegend waren hochwertige Fahrzeuge betroffen, nahezu durchweg von deutschen Herstellern. Eine politische Motivation hatte der Täter nach Erkenntnissen der Ermittler nicht.
Autobrände fallen bei Versicherungen nicht sehr stark ins Gewicht
Nach Einschätzung der Kammer hatte er die Brandstiftungen „aus Frust über eine unbefriedigende Lebenssituation und aus Geltungsdrang“ begangen. Die Staatsanwaltschaft hatte damals acht Jahre Haft gefordert. Doch der arbeitslose Beschuldigte aus Moabit legte ein umfassendes Geständnis ab. Hätte er das nicht getan, hätte die Haftstrafe wohl mehr als zehn Jahre betragen. So äußerte sich damals jedenfalls die Vorsitzende Richterin.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft weist Aussagen zurück, wonach eine Häufung von Autobränden die Höhe der Versicherungspolicen beeinflusst. „So unschön solche Schadensfälle für alle Beteiligten auch sind, die Auswirkung auf die Tarife ist minimal“, sagte GDV-Sprecher Stephan Schweda. Deutlich mehr Geld müssten die Versicherungen immer noch für Unfälle und Diebstähle ausgegeben.
Zudem würden Schäden immer der Region zugeordnet, in der die Fahrzeuge zugelassen seien. Das betrifft auch Berlin, weil viele Pendler in die Großstadt fahren. Die Brandfälle würden angesichts von mehr als einer Million zugelassener Fahrzeuge allein in Berlin in der Gesamt-Schadensbilanz nicht sehr stark ins Gewicht fallen, so der Sprecher.





