Andreas Knieriem kommt zehn Minuten zu früh zum Termin ins Flusspferdhaus des Berliner Zoos. Es ist sein erster öffentlicher Auftritt in Berlin als designierter Direktor von Zoo und Tierpark.

Er weiß, dass die Erwartungen groß und viele Fragen offen sind. Bleibt der Tierpark erhalten? Gibt es künftig für alle Tiere einen Platz in seinem Konzept? Welche Visionen hat er für Zoo und Tierpark, wie können sie noch attraktiver werden?

Der 48-Jährige tritt lächelnd vor die Menge und lässt sich auch von noch so hartnäckigen Nachfragen nicht aus der Ruhe bringen.

Die Geduld, die er aufbringt, fordert er aber auch ein: Ja, er habe Visionen, sagt Knieriem. Doch die werde er erst mit den Gremien und den Mitarbeitern diskutieren. Noch gebe es einen amtierenden Direktor von Zoo und Tierpark. Bernhard Blaszkiewitz solle zunächst seine Arbeit zu Ende führen, genau wie er noch seinen Verpflichtungen als Direktor im Tierpark Hellabrunn in München nachkommen müsse.

Noch steht kein genaues Datum für Knieriems ersten Arbeitstag in Berlin fest. Die Verhandlungen laufen. Vom Anfang des zweiten Quartals 2014 sei die Rede, sagt Frank Bruckmann, Vorsitzender des Aufsichtsrates. Also wird Knieriem voraussichtlich im April 2014 seinen Posten antreten. Bis dahin werde er mit „seinen Visionen schlafen gehen und aufwachen und die Berliner noch weiter auf die Folter spannen“, sagt der künftige Direktor.

Mehr Abwechslung für die Tiere

Zwar verrät Andreas Knieriem seine konkreten Pläne noch nicht. Dennoch lässt er sich einige Details entlocken. Die Artenvielfalt sei ein Markenzeichen von Zoo und Tierpark, sagt der 48-Jährige. Er wolle sich jetzt Gedanken machen, wie die vielen Arten am besten gehalten werden können. Dabei gehe es vor allem um einen naturnahen Lebensraum, um Platz und um Abwechslung für die Tiere. Das alles zu gewährleisten, sehe er als seine Pflicht an, die auch bedeuten kann, dass er sich „von der einen oder anderen Art trennen muss“.

Doch es könnte auch wieder ein neues Tier hinzukommen. Seit dem Tod von Bao Bao im August 2012 haben Zoo und Tierpark keinen Großen Pandabären mehr. Das würde Andreas Knieriem gern ändern. „Der Panda gehört zu Berlin“, sagt er. Wenn sich eine Chance böte, wieder einen Pandabären in einer guten, geeigneten Unterkunft unterzubringen, werde er sich einer Neuanschaffung nicht verschließen. Dass er das alte Gehege von Bao Bao dafür wieder nutzen wollte, schloss er so gut wie aus.

Für Andreas Knieriem steht auch bereits fest, dass mehr getan werden muss, um die Attraktivität von Zoo und Tierpark zu erhöhen und „die Ertragsseite deutlich zu verbessern“. Aus diesem Grund wolle er künftig kommentierte Fütterungen und didaktische Shows, die Wissenswertes über die Tiere vermitteln, anbieten. In welchem Rhythmus die Veranstaltungen stattfinden, sei noch nicht klar. Er werde aber die Pfleger und ihre Fantasie in die Planung der neuen Angebote mit einbeziehen.

Zur Begrüßung des neuen Direktors stimmen die Flusspferde erst einmal ein mächtiges Gebrüll an. Andreas Knieriem verstummt sofort, trotz Mikrofon wäre er ohnehin nicht zu verstehen. Es dauert einige Sekunden, dann ist wieder Ruhe. „Das war jetzt gerade ihre Sendung“, sagt er in Richtung Flusspferde. Er habe das Geräusch vermisst. In seiner Zeit im Zoo in Hannover habe er sich unter anderen um die Flusspferde gekümmert, später in München musste er ohne sie auskommen. Immer wieder unterbricht er das Gespräch, wenn die Flusspferde im Becken hinter der Glaswand brüllen oder mit einem lauten Klatscher im Wasser landen. Er gönnt ihnen die Zeit und die Aufmerksamkeit.

Fisch für Delfine portioniert

Schon als Teenager konnte sich Andreas Knieriem mit Tieren vertraut machen. Er ist in den USA geboren und in Düsseldorf und Duisburg aufgewachsen. Sein Vater hatte ihm ein Praktikum im Zoo in Duisburg besorgt, da war er erst 13 Jahre alt. „Dort habe ich gelernt, Fisch in die richtige Portionsgröße für Delfine zu schneiden“, sagt Knieriem. Später wurde er wissenschaftlicher Assistent in der Zoo Duisburg AG, bevor er nach Berlin zum Studium der Tiermedizin kam. In seiner Doktorarbeit befasste er sich wieder mit Delfinen. Sie gehörten lange zu seinen Lieblingstieren, gibt er zu. Allerdings werde er keine in Berlin anschaffen, versichert er schon einmal. Dafür müsste er sehr viel Geld in die Hand nehmen, das anderen Tieren dann fehlen würde.

Lange Zeit hatte Andreas Knieriem einen Doktorfisch als Haustier. Der sei wie ein Freund und sehr intelligent gewesen, erzählt er. So habe er immer gewusst, wann er Futter bekomme. Als er nach 26 Jahren gestorben sei, habe er schon geheult. Ja, dass habe ihm leid getan. Knieriem scheut sich nicht, über Gefühle zu reden. „Lieber zu viel Empathie für die Tiere als zu wenig“, ist seine Meinung. Heute leben zwei Katzen in seiner Wohnung. Seine Frau, eine Berlinerin, hätte gern einen Hund. Doch der kommt ihm nicht ins Haus, nicht solange die Katzen leben. „Da mache ich mich zum Anwalt der Katzen“, sagt Knieriem. Denn er ist sich sicher, dass die beiden keinen Hund in ihrer Runde mögen würden.

Von großen Herausforderungen in Berlin ist immer wieder die Rede. Andreas Knieriem nimmt sie an. „Es ist meine Aufgabe, Zoo und Tierpark zukunftsfähig zu machen“, sagt er. Beide Einrichtungen seien „Taktgeber in der Welt“, daran wolle er anknüpfen, das wolle er sicherstellen. Nach Hannover und München erarbeite er jetzt in Berlin seinen dritten Masterplan. Das habe Vorteile, einmal gemachte Fehler könne er vermeiden. Der Tierpark übrigens sei ein „Zukunftsschatz“ mit seinen 160 Hektar. Die meisten Zoos hätten ein Platzproblem. Deshalb müsse er erhalten bleiben.