Fernsehjournalist Ulrich Deppendorf ist der Erste. Es ist 18.52 Uhr, das Taxi, in dem er und seine Frau Ursula sitzen, hält am Carl-Herz-Ufer 30 in Berlin-Kreuzberg. Sie steigen aus.
Fackeln brennen vor Fachwerk, rechts des Hauses basteln zwei Männer in Jeansjacke an großer Feuerwerks-„60“ auf einer Staffelei, links stehen zwei in Schwarz. Sie sprechen nicht, sie schauen.
„Spaziergang?“, fragt Ulrich Deppendorf seine Frau. Unter dem Arm trägt er eine Holzkiste, in Weinflaschengröße, mit roter Schleife. Sie nickt, sie gehen. Das Taxi fährt ab, die nächste Limousine hält.
Schauspieler Clemens Schick steigt aus. Kurz schaut er Richtung Fotograf, dann öffnet sich die Doppeltür des „Alten Zollhauses“ hinter ihm. Inhaber Herbert Beltle steht im Rahmen. Clemens Schick läuft zu ihm hinein. Es wartet: Klaus Wowereit.
„Was von Michalsky zum Anziehen“
Mittwochabend hat Berlins Regierender Bürgermeister zur Nachfeier seines 60. Geburtstages geladen. Nach dem Empfang im Abgeordnetenhaus mit 300 Gästen wie SPD-Politiker Egon Bahr, BER-Chef Hartmut Mehdorn, Charité-Chef Karl Max Einhäupl und Dirigent Daniel Barenboim am Dienstag hat er einen Tag später 70 Freunde in Kreuzberg erwartet.
19.02 Uhr, das nächste Taxi fährt vor. RBB-Intendantin Dagmar Reim steigt aus, weiße Rose in der Hand und Rudolf Großkopff an der Seite. Es folgen Entertainerin Gayle Tufts, Kulturstaatssekretär André Schmitz sowie Michael Zehden mit Freundin Sabine Weiss. „Ich kenne ihn schon seit seiner Zeit als Stadtrat in Tempelhof“, sagt der Hotelier und Unternehmer. Das Geschenk sei daher auch sehr persönlich.
Das von DIHK-Präsident Eric Schweitzer ist hingegen nicht zu übersehen. Er hebt eine schmale, menschengroße Leinwand aus dem Auto, Wowereit-Titelseiten der vergangenen Jahre.
Designer Michael Michalsky steigt mit großer Tüte aus einer Limousine, „was von Michalsky zum Anziehen“, wie er sagt. Schauspielerin Judy Winter und Kabarettistin Gabi Decker kommen mit Ballett-Bildband. TV-Moderator Thomas Gottschalk mit Tüte von Chanel. „Es gibt doch schon so viele Fotos von mir“, sagt er und verschwindet eilig im Haus. Wie nun auch Ursula und Ulrich Deppendorf mit Weinkiste, Stadtentwicklungssenator Michael Müller und Filmproduzentin Regina Ziegler mit Wolf Gremm.
Halten, sehen den Fotografen – und fahren weiter
Dann fährt beeindruckend Maren Otto, Witwe des 2011 verstorbenen Unternehmers Werner Otto, in einem cremefarbenen Jaguar MK II vor. Direkt danach, in einem fragwürdigen Auftritt, Designerin Jette Joop mit Unternehmer Stephan Schwarz, Präsident der Berliner Handwerkskammer. In einer Limousine sitzend treffen sie ein. Halten, sehen den Fotografen – und fahren weiter. Fünf Minuten später kommt Schwarz zu Fuß angelaufen, zehn Minuten später seine Begleitung.
Pünktlich zum Feuerwerk sind sie dennoch beide. Kurz nach 20 Uhr treten Klaus Wowereit und seine Gäste auf den Vorplatz. „Lieber Klaus“, sagt André Schmitz, „alles Gute! Ich danke Dir für 20 Jahre Freundschaft und zwölf Jahre gemeinsame Politik. Und jetzt: Feuerwerk ab!“ Die „60“ auf der Staffelei sprüht los, die „Vier Jahreszeiten“ erklingen aus zwei Boxen. „Ah“ und „oh“ ruft das Publikum, einige klatschen, Michalsky raucht. Dann verschwindet die Gesellschaft im Haus.
Klaus Wowereit feiert den 60. auf seine Art. „Zum 50. waren zwar mehr Prominente da“, sagt einer seiner Gäste, „heute sind jedoch nur die dabei, die wirklich seine Freunde sind.“
Journalistin und Medienunternehmerin Sabine Christiansen mit Norbert Medus und TV-Moderator Günther Jauch mit Frau Thea kommen noch hinterher, nach dem Feuerwerk. Und während im Erdgeschoss der Gastraum wieder geöffnet wird, feiert Wowereit mit seinen Freunden im Fachwerkdach des Zollhauses. Nach Gänseleber-Tafelspitz-Terrine und Bauernente treten für ihn auf: Gayle Tufts, Judy Winter und Gabi Decker, mit Tina-Turner-Medley. Kurz vor Mitternacht ertönt dann noch eine Stimme aus dem Obergeschoss. Die von Frank Sinatra: „I did it my way.“














