Bildung

Migranten-Eltern verklagen Berliner Gymnasium

Türkisch- und arabischstämmige Eltern verklagen eine Berliner Schule, weil ihre Kinder das Probehalbjahr nicht geschafft haben. Der Migrantenanteil in den Klassen sei zu hoch.

Foto: wg/lrei / picture alliance/ ZB

Eine Klage besonderer Art wird am Donnerstag vor dem Berliner Verwaltungsgericht verhandelt. Eltern von zwei türkisch- und einem arabischstämmigen Schüler haben gegen die Berliner Schulverwaltung geklagt, weil ihre Kinder das Probejahr am Gymnasium nicht bestanden haben. Sie werfen dem Leonardo-da-Vinci-Gymnasium in Neukölln vor, die Klasse 7/5, die ihre Kinder besuchten, mit einem viel zu hohen Migrantenanteil eingerichtet zu haben. Ihre Kinder hätte das am Schulerfolg gehindert.

Carsten Ilius, Rechtsanwalt der klagenden Familien, sagte, dass die drei Schüler inzwischen eine integrierte Sekundarschule besuchen würden und nicht mehr an das Gymnasium zurückkehren wollen. Die Eltern wollten dennoch festgestellt wissen, dass ihre Kinder hätten verstetzt werden können. Denn die Ursache ihres Leistungsversagens sei der hohe Anteil von Schülern nicht deutscher Herkunftssprache in der Klasse gewesen. "Diese Klassenzusammensetzung war ungerecht." In sechs der insgesamt acht siebten Klassen habe der Anteil der Schüler nicht-deutscher Herkunft zwischen 38 und 63 Prozent gelegen, in den zwei Lateinklassen lediglich zwischen 13 und 29 Prozent. Auf diese Weise sei eine Diskriminierung geschaffen worden, für die es keinen Ausgleich gegeben habe.

Eltern fordern gute Mischung

In Berlin ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Beschwerden von Eltern hinsichtlich der Zusammensetzung von Klasse gekommen. So musste etwa die Lenau-Grundschule in Kreuzberg 2012 die ersten Klassen noch einmal neu mischen, weil Eltern sich darüber beklagt hatten, dass in einer Klasse fast nur Kinder nicht-deutscher Herkunft versammelt waren.

Laut Bildungsverwaltung ist im Fall der Leonardo-da-Vinci-Schule der Vorwurf der Diskriminierung von Schülern aufgrund der Klassenzusammensetzung aber nicht haltbar. Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), sagte, dass sowohl in der Klasse 7/5, um die es geht, als auch in der Parallelklasse 7/6 der Anteil von Schülern nicht-deutscher Herkunft bei 63 Prozent gelegen habe.

"Ausländersonderklassen darf es nicht geben"

Während die Klasse 7/5 den höchsten Anteil an Kindern gehabt habe, die das Probejahr nicht geschafft hatten, habe die Klasse 7/6 den geringsten Anteil an Schülern gehabt, die das Gymnasium wieder verlassen mussten, weil sie das Probejahr nicht bestanden hatten. "Der Anteil der Kinder nicht-deutscher Herkunft ist in diesem Fall also kein Kriterium für das Bestehen der Probezeit", sagte Stoffers.

Özcan Mutlu, Bildungsexperte der Grünen, begrüßte indes die Klage der Eltern. Das Problem sei nicht neu, an vielen Schulen sei die Zusammensetzung der Klassen fragwürdig. "Ausländersonderklassen darf es nicht geben", sagte Mutlu. Er forderte die Bildungsverwaltung auf, alles dafür zu tun, dass Schüler nicht auf diese Weise diskriminiert werden. 1995 sei der Paragraph des Schulgesetzes abgeschafft worden, der die Einrichtung von Ausländerregelklassen erlaubt hatte, so Mutlu. "Schulen dürfen jetzt nicht durch die Hintertür diese Klassen wieder einrichten."

Bildungsstadträtin weist die Vorwürfe zurück

Die Neuköllner Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD) sagte, dass 2011 zwei zusätzliche siebte Klassen an der Leonardo-da-Vinci-Schulen eingerichtet werden mussten, weil es nicht genug Oberschulplätze im Bezirk gegeben habe. Eine dieser zusätzlichen Klassen hätte einen höheren Migrantenanteil gehabt als die andere. So etwas könne nicht immer verhindert werden. Wegen des Doppeljahrgangs sei es 2011 besonders extrem gewesen. "Wir mussten die Bezirkskinder versorgen und dem Willen der Eltern gerecht werden." Viele Eltern hätten einen Gymnasialplatz für ihre Kinder gewollt, deshalb habe man zusätzliche Klassen aufmachen müssen.

Giffey betonte, dass Klassen grundsätzlich nicht nach der ethnischen Herkunft der Schüler zusammengesetzt werden. "Kriterien sind die Sprachenfolge, eine ausgewogene Geschlechterverteilung, Freundschaften, die an der Grundschule geknüpft wurden oder die Teilnahme am Religionsunterricht."

Zur Startseite