Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) drehen fast jeden Tag einem säumigen Kunden den Hahn zu. Die Anstalt öffentlichen Rechts machte seit dem Jahr 2000 in 4533 Fällen von ihrem sogenannten Rückbehaltungsrecht Gebrauch.
Das entspricht einem Durchschnitt von 336 abgeschalteten Wasserzählern pro Jahr bei Kunden, die ihre Wasserrechnung trotz Mahnung nicht beglichen haben. Das teilten die Wasserbetriebe über die Senatswirtschaftsverwaltung der Grünen-Abgeordneten Heidi Kosche auf eine parlamentarische Anfrage mit. Die BWB strebten an, die Wasserlieferung für die Kunden aufrecht zu erhalten, heißt es in der Antwort, die der Berliner Morgenpost vorliegt.
Meist werde bei Kunden, die von sich aus Zahlungsschwierigkeiten melden, eine Lösung gefunden. Es werde auch weniger gesperrt als früher, inzwischen würden nur noch 250 Mal pro Jahr das Wasser abgestellt. Betroffen vom Wasserstopp sind nur Bewohner von Ein- und Zweifamilienhäusern oder die Nutzer von Gewerbeeinheiten, die über einen eigenen Wasserzähler verfügen. Das sind nach Angaben der BWB 168.000 der insgesamt 284.000 Anschlüsse.
Wasser wird oft am Stadtrand abgestellt
Die Kassierer der Wasserbetriebe sind deshalb meistens in den Siedlungsgebieten am Stadtrand unterwegs. Wessen Rechnung allerdings unter 250 Euro liegt, darf noch hoffen: Bei solchen Forderungen werde im Regelfall „die Sperre nicht sofort veranlasst“, weil die Kosten, die solch ein Vorgang auslöse, berücksichtigt werden müssten, heißt es in der von Wirtschaftsstaatssekretär Henner Bunde unterzeichneten Mitteilung ans Abgeordnetenhaus. Ausnahme seien solche Kunden, die schon früher Rechnungen oder Abschläge nicht oder nur verzögert gezahlt hätten.
Für Bewohner von Mietshäusern mit mehreren Parteien ist das Risiko gering, bei Finanzschwierigkeiten nicht nur vom Strom, sondern auch vom Wassernetz abgeschnitten zu werden. „Wir stellen das Wasser nur dort ab, wo wir Ursache und Wirkung genau ermitteln können und wissen, wer verantwortlich ist“, sagte BWB-Sprecher Stefan Natz. Da Mieter in der Regel die Wasserrechnung mit den Betriebskosten abrechnen, stehen sie nicht in einer direkten Beziehung zu den Wasserbetrieben. Wenn ein Hauseigentümer bankrott geht oder unseriös wirtschaftet und dadurch Zahlungsrückstände bei der BWB auflaufen, versucht das Unternehmen, die Mieter in Notgemeinschaften zu organisieren, die wenigstens die künftigen Wasserrechnungen bezahlen.
Wasserrechnungen über 2,4 Millionen Euro bleiben jährlich unbezahlt
Insgesamt bleiben die Berliner Wasserbetriebe pro Jahr nach den Worten ihres Sprechers auf unbezahlten Rechnungen über 2,4 Millionen Euro sitzen. Das entspricht 0,2 Prozent des Gesamtumsatzes von 1,15 Milliarden Euro im Jahr 2012. Die Grünen-Politikerin Kosche hält es dennoch für „ungeheuerlich“, dass den Ärmsten der Armen das Wasser vorenthalten werde, „gerade bei diesen Temperaturen“, sagte Kosche. „So etwas darf nicht passieren in einem öffentlichen Unternehmen.“ Sie verweist auf die hohen Gewinne der Wasserbetriebe.
2012 lag das Geschäftsergebnis vor Steuern und Gewinnabführungen an die privaten Miteigentümer bei 224 Millionen Euro. Der Senat beschloss am Dienstag, 39 Millionen Euro aus Überschüssen des vergangenen Jahres in die Gewinnrücklagen der BWB und ihre Muttergesellschaft Berlinwasser-Holding zu stecken.





