Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) wirbt dafür, dass mehr Kinder mit Migrationshintergrund die Berliner Kitas besuchen. „Der Kitabesuch ist einer der erfolgreichsten Wege, damit Kinder mit Migrationshintergrund die gleichen Chancen haben wie andere Kinder auch“, sagte Czaja am Montag. Anlass war die Präsentation der Ergebnisse der Einschulungsuntersuchungen 2012.
Die neuen Daten zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen einem mindestens zweijährigen oder längeren Kitabesuch und einer guten gesundheitlichen und sprachlichen Entwicklung der Kinder. „Diese Entwicklung müssen wir weiter stärken, es gibt kaum ein so erfolgreiches Instrument für die Chancengleichheit wie den Kitabesuch“, sagte der Gesundheitssenator.
So belegt die Auswertung der Einschulungsdaten der von November 2011 bis Juni 2012 in allen Berliner Bezirken untersuchten 28.159 Kinder, dass 75 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund, die mehr als zwei Jahre zuvor eine Kita besucht haben, über gute bis sehr gute Deutschkenntnisse verfügen. Nur drei Prozent der Kinder dieser Gruppe können kaum Deutsch sprechen, 22 Prozent nur fehlerhaft.
Demgegenüber ergaben die Tests der Schulanfänger, die zuvor keine Kita besucht hatten, dass bei ihnen nur 27 Prozent über gute bis sehr gute Deutschkenntnisse verfügen, 21 Prozent nur fehlerhaft Deutsch und immerhin 53 Prozent der Kinder nicht beziehungsweise kaum Deutsch sprechen können.
Nachweislich positive Einflüsse der Kitas
Allerdings gibt es einen Unterschied: Der Anteil der Kinder deutscher Herkunft, die eine Kita länger als zwei Jahre besuchen, liegt in Berlin bei 93,9 Prozent, der Anteil unter den Kindern mit Migrationshintergrund beträgt jedoch nur 80,5 Prozent.
Insgesamt steigt die Zahl von Migrantenkindern in Berlin aber weiter an und liegt 2012 mit 11.011 bei 39,2 Prozent aller eingeschulten Kinder. Zum Vergleich: 2005 betrug der Anteil dieser Gruppe noch 30,5 Prozent. Angesichts dieser Zahlen und der nachweislich positiven Einflüsse der Arbeit in den Kindertagesstätten sprach Czaja davon, dass es eines der wesentlichen politischen Ziele sein müsse, „mehr Kinder in die Kita zu bringen“.
Impfrate steigt unter den Kindern
Im Schuljahr 2012/13 kamen insgesamt 14.463 Jungen und 13.696 Mädchen in die Schule, die aus diesem Anlass in ihrem Bezirk vom Kinder- und Jugendgesundheitsdienst ärztlich untersucht wurden. Nach Angaben von Senator Czaja hält „die positive Entwicklung in den Ergebnissen der Einschulungsuntersuchungen an“. Vieles, so der Senator, werde auch deutlich besser.
So verzeichnet die Statistik der Impfraten gegen Masern, Mumps und Röteln im Zeitraum von 2005 bis 2012 einen deutlichen Anstieg, was insbesondere bei der empfohlenen zweiten Masernimpfung zu sehen sei. Während 2005 die Rate der zweiten Impfung unter den Schulanfängern noch bei 78,8 Prozent lag, waren 2012 bereits 90,9 Prozent aller eingeschulten Kinder zum zweiten Mal gegen Masern geimpft – 96 Prozent der Kinder türkischer Herkunft und 94 Prozent der Kinder arabischer Herkunft haben den vollen Impfschutz, 90 Prozent der Kinder deutscher Herkunft.
Angesichts der derzeit in Berlin gemeldeten 460 Fälle von Masernerkrankungen appellierte der Gesundheitssenator erneut, die zweite Masernimpfung wahrzunehmen. „Je älter die Patienten sind, umso schwerwiegender können die Folgen dieser Erkrankung sein“, sagte Czaja.
Um einen besseren Schutz der Bevölkerung zu erreichen, erwägt der Senator, die zweite Masernimpfung wie bei den Kinderfrühuntersuchungen auch bei den sogenannten J-1-Untersuchungen (für Jugendliche im Alter von 13 Jahren) und J-2-Untersuchungen (vor dem Berufsstart) in das verbindliche Einladungswesen aufzunehmen. „Wir sehen, dass das ja auch sonst gut funktioniert“, sagte Czaja.
In zweieinhalb Wochen ist Einschulung
Bei den alljährlichen Einschulungsuntersuchungen wurden für das Schuljahr 2012/13 von November 2011 bis Juni 2012 14.463 Jungen und 13.696 Mädchen von den jeweiligen Kinder- und Jugendgesundheitsdienste der Bezirke ärztlich untersucht. 61 Prozent der untersuchten Kinder waren deutscher Herkunft, 12 Prozent osteuropäischer Herkunft, elf Prozent türkischer, sechs Prozent arabischer Herkunft, vier Prozent kamen aus westlichen Industriestaaten und sechs Prozent aus anderen Ländern.
Die Daten dieser umfangreichen Untersuchungen für ganz Berlin hat die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales ausgewertet und jetzt, knapp zweieinhalb Wochen vor der Einschulung der nächsten Erstklässler am 10. August, vorgelegt.
Die Testergebnisse zu gesundheitlichen Probleme wie Übergewicht oder Auffälligkeiten in Bereichen der kindlichen Entwicklung haben sich im vergangenen Jahr kaum verändert, treten aber wesentlich häufiger bei Kindern aus Familien der unteren Sozialstatusgruppe oder mit Migrationshintergrund auf.
15,5, Prozent der Kinder aus „unterer Schicht“ übergewichtig
Von den insgesamt 28,6 Prozent der untersuchten Kinder, die laut Senatsverwaltung der „unteren Schicht“ zugeordnet wurden, hatten allein 15,5 Prozent der Schulanfänger Übergewicht. Das Risiko für Übergewicht bei Kindern türkischer Herkunft ist mit 20,9 Prozent etwa dreimal so hoch wie bei Kindern deutscher Herkunft (6,7 Prozent). Bei den Kindern aus der sogenannten mittleren Schicht (34,1 Prozent) und der sogenannten oberen Schicht (37,3 Prozent) wurden bei beiden Gruppen zusammengenommen insgesamt bei 7,3 Prozent zu viel Gewicht registriert.
Auch bei den Untersuchungen der Koordinationsfähigkeit wie der sogenannten Visuomotorik (die Koordination der visuellen Wahrnehmung und dem Bewegungsapparat) schnitten die Kinder aus Familien der „unteren Statusgruppe“ am schlechtesten ab. Bei 30 Prozent der Schulanfänger aus dieser Gruppe wurden Auffälligkeiten festgestellt. Für Susanne Bettge von der Senatsverwaltung für Gesundheit, die den Einschulungsbericht am Montag mit Czaja präsentierte, folgt daraus, „dass wir für diese Kinder mehr Angebote in ihrem Umfeld anbieten müssen.“



