Es sind überwiegend alarmierende Zahlen, die einigen Zündstoff enthalten. Die neue Polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS) für das Land Berlin belegt in zahlreichen Bereichen erhebliche Zunahmen. So stiegen im vergangenen Jahr nicht nur die Fallzahlen bei Tötungsdelikten oder Einbrüchen in Wohnungen und Einfamilienhäusern.

Die Zahl der Tötungsdelikte in Berlin stieg im vergangenen Jahr deutlich. Die Polizei erfasste 147 Fälle von Mord und Totschlag einschließlich aller Versuche. Das waren 20 Fälle oder 15,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch Delikte wie Raub, gefährliche Körperverletzung oder Betrugsstraftaten im Zusammenhang mit der Nutzung des Internets erlebten Zuwächse zwischen 5,1 und 8,6 Prozent. Darüber hinaus wurden 2012 in Berlin auch mehr Sexualdelikte als 2011 angezeigt. Beispielsweise musste das Landeskriminalamt insgesamt 2813 Fälle von Vergewaltigung oder sexueller Nötigung bearbeiten, ein Plus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dabei blieb die Anzahl der insgesamt registrierten Straftaten mit 495.297 Fällen im Vorjahr annähernd unverändert, die Zunahme beträgt gerade einmal 0,2 Prozent. Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote unter den Wert von 45 Prozent. Nur noch 44,7 Prozent aller Straftaten konnte die Polizei aufklären, 2011 lag diese Quote immerhin noch um 1,4 Punkte höher bei 46,1 Prozent.

Die genannten Beispiele zeigen, dass es gerade bei jenen Straftaten, die besonders das subjektive Sicherheitsempfinden der Berliner beeinflussen dürften, besorgniserregende Zunahmen gibt. Denn ein Plus von 7,1 Prozent bei schweren Körperverletzungen auf öffentlichen Straßen und Plätzen in nur einem Jahr können die für die innere Sicherheit zuständigen Verantwortlichen nicht gerade zufrieden stellen.

Das zeigen auch die heftigen Reaktionen zum wohl schlimmsten Fall dieses Deliktfeldes im vorigen Jahr, nämlich der Tod des 20-Jährigen Jonny K. unweit des Alexanderplatzes. Auch die 6419 verübten Raubtaten – immerhin rund 1100 oder 5,1 Prozent mehr als 2011 – sind nicht geeignet, dass sich Berliner sicher fühlen.

Mehr als 23.000 Straftaten im öffentlichen Nahverkehr

Ähnlich verhält es sich mit der Zahl der Straftaten im öffentlichen Nahverkehr. Insgesamt 23.745 erfasste Fälle in Bussen und Bahnen durch Beamte der Landes- und der Bundespolizei belegen, dass es zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Gegenden durchaus gefährlich sein kann, in Berlin die Nahverkehrsmittel zu benutzen. Dass die hohe Fallzahl durch vermehrte Kontrolltätigkeit der Polizei zustande gekommen ist, kann da nur bedingt als positiv gesehen werden.

Offiziell wird die Kriminalstatistik erst am Montag kommender Woche im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses präsentiert und diskutiert. Dann werden sich Innensenator Frank Henkel (CDU) und Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt sicher einigen kritischen Fragen stellen müssen, insbesondere von den Vertretern der Oppositionsparteien. Bereits absehbar ist ebenso, dass die Gewerkschaften, welche die Interessen von Polizisten und Kriminalbeamten vertreten, ihre Forderungen nach mehr Personalstellen und finanzieller Ausstattung und besserer Bezahlung vehement betonen werden. Der Umstand, dass bei Widerstandshandlungen im Jahr 2012 insgesamt 912 Vollzugsbeamte verletzt wurden, ein Jahr zuvor waren es noch 217 mehr gewesen, wird die Kritik kaum abschwächen können.

Zahl der gestohlenen Autos geht zurück

Immerhin weist das Zahlenwerk, das der Berliner Morgenpost in Auszügen vorliegt, auch einige positive Entwicklungen aus. So ging die Zahl der gestohlenen Autos binnen Jahresfrist um mehr als ein Fünftel zurück. Waren im Jahr 2011 berlinweit noch 7340 Kraftwagen gestohlen worden, ging die Fallzahl im vergangenen Jahr um 21,5 Prozent zurück. Dennoch wurden 2012 insgesamt noch 5760 Autos entwendet, demzufolge verschwinden in der Stadt nach wie vor täglich fast 16 Fahrzeuge, viele davon auf Nimmerwiedersehen.

Nach Polizeiangaben spiegeln sich in dem Rückgang beim Autoklau die verstärkte Fahndungs- und Ermittlungsarbeit wider sowie die verstärkte Zusammenarbeit der Polizeibehörden auf internationaler Ebene.

Erhebliche Rückgänge kann die Polizei auch bei der Zahl der vorsätzlichen Brandstiftungen vermelden. Hier sank die Deliktzahl um mehr als ein Drittel auf 680 oder 37,2 Prozent. Ein Jahr zuvor waren in Berlin noch 1090 mutwillige Brandstiftungen erfasst worden. Erfreulich ist zudem, dass die unter Jugendgruppengewalt erfassten Fälle mit Minus 13,5 Prozent erheblich rückläufig waren. Mit 2.768 Straftaten durch Minderjährige Täter, die gemeinschaftlich handelten, konnte 2012 eine Abnahme von 410 Fällen erreicht werden.

Deutlicher Rückgang bei Ladendiebstählen

Auch beim Ladendiebstahl hat sich ein spürbarer Rückgang ergeben. Es gab 2012 insgesamt 35.713 erfasste Taten, was einem Rückgang von 6,9 Prozent oder 2638 Fällen entspricht. Bemerkenswert erscheint auch der drastische Rückgang bei der so genannten „Beförderungserschleichung“, besser als Schwarzfahren geläufig. 41,2 Prozent weniger Fälle als 2011 kamen im Vorjahr zur Anzeige. Mit 8914 ertappten Schwarzfahrern gingen den Kontrolleuren exakt 6.253 Personen weniger ins Netz. Allerdings ist es möglich, dass es einen Zusammenhang mit der nachlassenden Intensität der Kontrollen gibt. Wäre es hier zum Vorjahreswert gekommen, hätte die PKS insgesamt mehr als 500.000 Straftaten in Berlin umfasst.

Dennoch überwiegen die negativen Trends. Etwa 12.238 registrierte Rauschgiftdelikte, ein Plus von exakt 1000 Fällen oder 8,9 Prozent. Dies wird übrigens mit der verstärkten Polizeipräsenz begründet. Der Bereich der Internetkriminalität hatte einen Zuwachs von 8,6 Prozent zu verzeichnen, die Fallzahl stieg um 1659 auf nun 20.970 Taten. Ein erheblicher Teil davon, so die Verfasser der Statistik seien auf so genannte „BKA- oder Bundespolizei-Trojaner“ zurückzuführen. Also gefälschte E-Mails an Internetnutzer, die Vortäuschen, Warnungen von Sicherheitsbehörden darzustellen. Tatsächlich aber versuchen Kriminelle auf diesem Weg an persönliche, sicherheitsrelevante Daten zu gelangen.

dpa/alu