East Side Gallery

Investor stoppt Mauerabriss, baut aber weiter

Der geplante Teilabriss der East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain sorgt weiter für Empörung. Was der Investor dazu sagt.

Foto: Sven Lambert

Maik Uwe Hinkel steht im Mittelpunkt des Streits um die Berliner East Side Gallery. Die Berliner Morgenpost sprach mit dem Geschäftsführer des Wohnprojektes Living Bauhaus zwischen Mauer und Spree.

Berliner Morgenpost: Hatten Sie nie die Befürchtung, dass es wegen des geplanten Durchbruchs der Mauergalerie zu solchen Protesten kommen würde?

Maik Uwe Hinkel: Nein, das habe ich nicht erwartet. Der Senat hat vor Jahren den Bau der Brommybrücke geplant und die Anbindung an die Mühlenstraße. Und damit auch die Entfernung einzelner Mauersegmente. Mit der Erschließung der Brommystraße, der geplanten Fahrrad- und Fußgängerbrücke sowie der geplanten Anbindung an die Mühlenstraße durch den Senat war für uns alles abgesichert. Wir haben am 11. Februar 2013 einen öffentlichen Vertrag mit dem Bezirk abgeschlossen. Daraus geht hervor, dass wir die Mauersegmente versetzen werden, die Zufahrt zur Brommybrücke bauen und einen notwendigen Fluchtweg für die Parkanlage anlegen sollen.

Verstehen Sie die Wut Ihrer Gegner?

Die kann ich nicht nachvollziehen. Bürgermeister Frank Schulz hat den Aktivisten doch erst einen Grund gegeben, als er unseren Neubau "Hassobjekt Nummer eins" genannt hat. Ich verstehe Touristen, die die Mauer als Kunstobjekt besuchen wollen, aber die Berliner pilgern doch nicht scharenweise zur Mühlenstraße. So schön ist die Straße nicht. Die Mauer verschwindet auch nicht komplett. Teile werden versetzt, und sie ist bereits an vier Stellen durchbrochen. Hätten wir nicht die Genehmigungen vom Senat und vom Bezirksamt, hätten wir hier an dieser Stelle nie gebaut. Hinter der Mauer konnten Menschen zehn Jahre lang Partys feiern, warum dürfen jetzt nicht Menschen an der Spree wohnen, wenn alles genehmigt ist? Ich selber musste jahrelang hinter der Mauer leben und kann das nicht nachvollziehen.

Werden Sie persönlich oder Mitarbeiter Ihrer Firma bedroht?

Wir erhalten Drohungen und werden diffamiert. Im Wechsel werden wir im Internet mit Nazi- und Stasi-Parolen beschimpft. Ich wurde im Netz mit "Heil Hinkel" angeschrieben. Dagegen gehen wir rechtlich vor. Wir stehen im Kontakt mit dem Staatsschutz. Anschläge gegen unsere Firma und unsere Privatwohnungen können nicht ausgeschlossen werden.

Gibt es Überlegungen, auf den Neubau an diesem Ort zu verzichten und auf einem anderen Grundstück zu bauen?

Nein. Wir haben gültige Verträge, und von 36 Wohnungen sind bereits 20 verkauft. Wir können die Wohnungseigentümer doch nicht "enteignen". Wir wollten auf dem "Baufeld 5" auf dem Grundstück des ehemaligen Blumenmarktes an der Friedrichstraße bauen und haben auch den höchsten Kaufpreis geboten. Bürgermeister Schulz hatte sich gegen unsere Pläne massiv gewehrt und sie verhindert. Das ist eine Investorenfeindlichkeit gegenüber einem mittelständischen Unternehmen, das Arbeitsplätze schafft.

Wie geht es auf der Baustelle weiter?

Wir werden am Montag auf unserem Grundstück weiterarbeiten. Die Entfernung und Versetzung der Mauerstücke haben wir bis auf Weiteres gestoppt. Am 18. März wird es ein Gespräch mit Senat und Bezirksamt geben. Dann wird auch die Frage der entstandenen Kosten behandelt. Uns sind und werden durch die Verzögerung zusätzliche Kosten entstehen. Wir haben schließlich Verträge mit Bauunternehmen, die erfüllt werden müssen.

Wann werden die ersten Mieter in dem Wohnturm an der Spree leben?

2015 wird der Neubau bezugsfertig sein, die Erschließung der Straße dementsprechend früher.

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