26.02.13

Zeugen gesucht

TV-Fahndung soll Mord in Berlin-Neukölln aufklären

"Aktenzeichen XY … ungelöst" greift erneut den Fall von Burak Bektas auf. Dieser wurde vor zehn Monaten in Berlin auf der Straße erschossen.

Von Andreas Gandzior
Foto: Steffen Pletl

Ein Unbekannter hat in der Nacht zu Gründonnerstag 2012 in Berlin-Neukölln auf eine Gruppe junger Männer geschossen. Ein 22-Jähriger kam dabei ums Leben.

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Es ist der 5. April 2012, die Nacht zu Gründonnerstag. Burak Bektas sitzt mit vier Freunden kurz nach Mitternacht vor dem Haus an der Rudower Straße 51 im Neuköllner Ortsteil Buckow. Plötzlich steht ein Unbekannter vor der Gruppe, zieht eine Waffe, schießt wortlos auf die jungen Männer und entkommt unerkannt.

Notarztwagen bringen drei Schwerverletzte in ein nahe gelegenes Krankenhaus. Doch für Burak Bektas kommt jede Hilfe zu spät. Der 22-Jährige stirbt wenig später auf dem Operationstisch. Zwei seiner Freunde überleben nur durch Notoperationen.

Schon einen Tag später sind mehr als zehn Hinweise bei der Polizei eingegangen. Doch trotz intensiver Suche nach dem Täter, mehrerer Zeugenaufrufe und einer ausgesetzten Belohnung in Höhe von 15.000 Euro sind die Todesschüsse von Neukölln bis heute ungeklärt.

An diesem Mittwoch wird in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY … ungelöst" nach dem Täter gefahndet. "Wir erhoffen uns durch die bundesweite Ausstrahlung neue Hinweise, die uns zum Täter führen", sagt Kriminalhauptkommissar Alexander Huebner von der 6. Mordkommission. Insgesamt seien 106 Hinweise bei der Kriminalpolizei eingegangen. "Auch fast ein Jahr nach der Tat erhalten wir noch Hinweise aus der Bevölkerung", sagt Huebner. "Es sind aber deutlich weniger geworden." Etliche Zeugenbefragungen hätten ebenfalls interessante Anhaltspunkte geliefert, aber der richtige sei noch nicht dabei.

Identität und Motiv des Täters sind völlig unklar

Die Redaktion der Sendung hat angeboten, den Neuköllner Mordfall in die Sendung aufzunehmen. "Wir haben das intern geprüft", sagt Huebner. "Es gibt Fälle, bei denen es sinnvoll ist, in dieser Form an die Öffentlichkeit zu gehen, bei anderen Ermittlungen ist das nicht angebracht." Mit einem knapp zehn Minuten langen Film, in dem die Ereignisse der Nacht in Neukölln von Schauspielern nachgestellt werden, beginnt die Sendung um 20.15 Uhr. Dann werden in München ermittelnde Beamte am Telefon Hinweise entgegennehmen.

Wie viele Anrufe es sein werden, ist völlig ungewiss. "Das ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich", sagt eine Sprecherin der Sendung. "Es kommt mehr auf die Qualität der Hinweise an als auf die Quantität." In der Vergangenheit habe schon ein Anrufer mit dem entscheidenden Hinweis ausgereicht, um einen Fall aufzuklären.

Bis heute sind die Identität und das Motiv des Täters völlig unklar. Das Verbrechen liefert genügend Raum für Spekulationen. Einige Anwohner berichten von einem intensiven Streit, andere von einem alkoholbedingt lauten Gespräch der Männer. Auch Befürchtungen, dass der Anschlag das Werk von Neonazi-Terroristen gewesen sein könnte, machen die Runde. Burak Bektas war türkischer Herkunft, seine Freunde haben arabische, russische und türkische Wurzeln. Und in der Gegend rund um den Tatort gebe es seit Längerem rechtsextreme Aktivitäten.

Tatmotiv im persönlichen Bereich oder Zufallsopfer?

Der Chef des Landeskriminalamtes, Christian Steiof, kann diese Vermutungen nicht bestätigen. "Man kann so etwas nie ausschließen", sagt er. "Es gibt aber nicht ein Indiz, das in eine solche Richtung führt." Zudem wird vermutet, dass das Tatmotiv im persönlichen Bereich liegt. So berichtet ein Bekannter des Opfers, dass Bektas "bei Frauen immer gut angekommen" sei. Er soll kurz vor der Tat die Beziehung zu einer Türkin abgebrochen haben. "Burak hat auf unschöne Art und Weise mit ihr Schluss gemacht. Vielleicht wollte jemand Rache an ihm nehmen", so ein Mann aus dem Umfeld des Getöteten.

"Wir können als Motiv nichts ausschließen", sagt Huebner. "Mit nahezu 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit können wir aber sagen, dass die jungen Männer in der Nacht keinen Anlass für einen Streit gegeben haben." Vieles spreche dafür, dass Bektas und seine Freunde Zufallsopfer waren. Nach Einschätzung der Ermittler ist der Täter 40 bis 60 Jahre alt, 1,70 bis 1,80 Meter groß und von normaler Statur. Hinweise nehmen Ermittler in der Sendung sowie bei der 6. Mordkommission unter (030) 46 64–91 16 01 entgegen.

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