24.01.13

Berliner S-Bahn

Teilausschreibung wackelt - Der S-Bahn droht ein neues Chaos

Das Kammergericht will die S-Bahn-Beschwerde dem EuGH vorlegen. Damit gerät der Verkehr auf der Ringbahn ab 2017 in Gefahr.

Foto: dpa
Der Europäische Gerichtshof muss nun die Teilausschreibung der Berliner S-Bahn klären
Der Europäische Gerichtshof muss nun die Teilausschreibung der Berliner S-Bahn klären

Die Ausschreibung des Landes Berlin für den Betrieb des S-Bahn-Verkehrs auf der Ringbahn und auf drei Zubringerlinien ab 2017 steht vor dem Scheitern. Die zuständigen Richter am Kammergericht machten am Donnerstag deutlich, dass sie die Beschwerde der zum bundeseigenen Bahn-Konzern gehörenden Berliner S-Bahn GmbH gegen die Vergabekonstruktion dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorlegen werden. Damit käme der Zeitplan des Senats für das Verfahren ins Wanken. Der Fahrbetrieb auf dem Ring ist nach 2017 gefährdet.

Der Vorsitzende Richter Heinz Hawickhorst appellierte an die Landesregierungen Berlins und Brandenburgs, "dieses Verfahren neu anzufassen" und "anders als bisher nicht jeweils an die Grenze des juristisch möglicherweise gerade noch Zulässigen" zu gehen. "Sonst habe ich die Befürchtung, dass es eine Generation von Schulkindern gibt, für die die Ringbahn nicht existiert", sagte der Richter. Er riet dazu, die Vergabe weniger komplex zu organisieren und so viele Konfliktpunkte wie möglich herauszunehmen.

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) nimmt die Einwände der Richter ernst. Die Länder seien weiterhin von der rechtlichen Zulässigkeit des gewählten Verfahrensweges überzeugt, sagte Müller. Sie würden aber wegen der zu erwartenden Verfahrensdauer nun prüfen, ob und wie sie das Ziel der Sicherung der Fahrzeugqualität in der Vergabe so umsetzen können, dass die vom Gericht benannten Auslegungsschwierigkeiten bei der Anwendung der EG-Verordnung möglichst ausgeräumt werden können.

Klärung in Luxemburg könnte bis zu zwei Jahre dauern

Die europarechtlichen Fragen vor den EU-Juristen in Luxemburg zu klären würde nach Einschätzung von Kennern der Materie anderthalb bis zwei Jahre dauern. Eigentlich ging Senator Müller davon aus, 2014 den Zuschlag erteilen zu können, damit der neue Betreiber die 200 dringend benötigten neuen Viertelzüge bestellen kann. Schon bisher gilt als sicher, dass 2017 allenfalls erste Testexemplare der neuen Wagen auf der Ringbahn rollen könnten.

Europarechtlich unklar ist der Kern der gewählten Vertragskonstruktion. So sollen die Bieter ein Angebot für eine Betriebszeit von bis zu 33 Jahren vorlegen. Zudem muss sich der Anbieter verpflichten, nach Ablauf der ersten 15 Jahre die Züge weiterhin zu warten, auch wenn ein anderer Anbieter den Zuschlag für die darauffolgenden 15 Jahre bekommen sollte. Spätestens 2047 sollen alle neu angeschafften Züge sowie die Werkstätten kostenlos an die Länder übergehen.

Im EU-Recht gebe es Laufzeitbefristungen für solche Verträge, argumentierten die Anwälte der S-Bahn. Zu klären wäre bei der vom Berliner Senat gewählten Konstruktion, ob die geplante Teilung der Laufzeit in zwei Phasen zulässig sei. Die S-Bahn argumentiert, dass es mit dieser Konstruktion fast unmöglich sei, Planungssicherheit für die für die Wagen nötigen Investitionen für einen dreistelligen Millionenbetrag zu erhalten.

S-Bahn-Chef Buchner zufrieden mit Aussagen der Richter

S-Bahn-Chef Peter Buchner begrüßte die Aussagen des Kammergerichts: "Wir hoffen, dass das Verfahren in einer Weise geführt wird, dass es rechtlich nicht angreifbar ist." Man müsse immer an die Beschaffung der neuen Wagen denken. "Wir brauchen die neuen Fahrzeuge. Die gibt es erst, wenn der Auftrag erteilt ist."

Der Verkehrsexperte der Berliner Grünen, Stefan Gelbhaar, sagte, der Fahrplan des Senats für die S-Bahn-Ausschreibung sei gescheitert. Eine Verzögerung durch einen langen Rechtsstreit mache es angesichts der ohnehin schon äußerst knappen Zeit unmöglich, rechtzeitig die Züge zu beschaffen. "Deswegen muss der Senat die Zugbestellung in eigenem Namen auslösen", sagte Gelbhaar.

Der verkehrspolitische Sprecher der Linken, Ex-Wirtschaftssenator Harald Wolf, sagte, der Senat solle die Ausschreibung stoppen und ein kommunales Unternehmen für den Betrieb aufbauen. Es sei ein Fehler, die Fahrzeugbeschaffung an die Ausschreibung zu koppeln. In der Konsequenz werde die S-Bahn jahrelang nur mit eingeschränkter Leistung fahren können.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Barack und Michelle Obama in Berlin
Aktualisiert vor 5 MinutenLiveblog
Obama in Berlin – der Tag des US-Präsidenten in Berlin

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia sind in Berlin. Ihre Nacht im Hotel Ritz-Carlton dürfte bald vorbei sein. Dann beginnt ein Tag voller Termine. Der Liveblog. mehr...


Nicht nur für die Einheimischen ist der Besuch von Barack Obama etwas Besonderes. Auch die Touristen empfinden ihn als eine Extra-Attraktion
05:18US-Präsident
Gelassene Touristen treffen auf aufgeregte Demonstranten

Eine Stadt in Erwartung: Wo können Berliner den Präsidenten sehen? Wird er im Fitnessstudio des Hotels eine Trainingseinheit einlegen? Und bekommen die Polizisten auch keinen Hitzschlag? mehr...


Sekunden vor der Landung: Auf diesen Moment haben die Fans der „Air Force One“ gewartet
18.06.13Obama in Berlin
Blick auf die "Air Force One" macht Planespotter glücklich

Sie warten und warten – auf den einen Moment. Planespotter haben sich am Flughafen Tegel versammelt, um Barack Obama landen zu sehen. Die "Air Force One" ist für viele das schönste Flugzeug der Welt. mehr...

BMO_ObamaLimo.jpg
18.06.13Interaktive Grafik
Die Staatskarosse des US-Präsidenten ist ein rollendes "Biest"

Bei der Sicherheit des US-Präsidenten wird nichts dem Zufall unterlassen. Seine Dienstlimousine ist wie ein fahrender Hochsicherheitstrakt. Daher hat es auch den Spitznamen "The Beast" - das Biest. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
US-Präsident So bereitet sich Berlin auf den Obama-Besuch vor
Berlin-Besuch Obamas Rede an der Siegessäule
Staatsbesuch In Berlin gilt höchste Sicherheitsstufe für Obama
USA Obama verteidigt Abhöraktionen der Geheimdienste
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

Top Bildershows mehr
Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

Absperrungen

US-Präsident Barack Obama in Berlin

US-Präsident

Straßensperrungen zum Besuch von Obama in Berlin

"Ritz-Carlton"

Hier übernachtet Barack Obama in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote