07.01.13

Gebäudeschutz

Steigendes Grundwasser kostet Berlin 90 Millionen pro Jahr

Nach Angaben des Senats sind bereits Tausende Berliner Gebäude beschädigt. Offenbar pumpen die Wasserbetriebe zu wenig Wasser aus dem Boden.

Foto: Christian Kielmann

Zukunftsprognose: Das hohe Grundwasser könnte Berlin teuer zu stehen kommen
Zukunftsprognose: Das hohe Grundwasser könnte Berlin teuer zu stehen kommen

Ein koordinierter Kampf gegen das vielerorts im Berliner Stadtgebiet steigende Grundwasser würde nach Informationen der Berliner Morgenpost bis zu 90 Millionen Euro pro Jahr kosten. Auf diese Summe schätzen die Experten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Maßnahmen, die von feuchten Kellern und Fundamenten betroffene Anwohner, Grundeigentümerverbände, Wohnungswirtschaft und Wirtschaftsvertreter zur Lösung des Problems vorgeschlagen haben.

Dabei geht es im Wesentlichen darum, stillgelegte Wasserwerke wieder in Betrieb zu nehmen, neue Brunnen zu bohren und Dränagekanäle zu sanieren und neu anzulegen. Seit der Wiedervereinigung steigen der Grundwasserpegel im Berliner Urstromtal deutlich an. In vielen Stadtteilen längs der Spree wird der als notwendig angesehene Abstand von 2,50 Metern zwischen Grundwasser und Erdoberfläche inzwischen deutlich unterschritten.

Zudem dringt auch auf den Hochflächen des Teltows im Süden und des Barnims im Nordosten immer wieder sogenanntes Schichtenwasser in Keller und Baugruben ein. Die Industrie- und Handelskammer spricht von einem "echten Standortproblem". In einzelnen Kiezen wie dem Blumenviertel in Rudow oder in Biesdorf kämpfen Hauseigentümer seit Jahren mit Wasser in ihren Kellern. Zunehmend werden aber auch aus Lichtenrade oder Friedrichshain sogenannte Vernässungen gemeldet.

Wasserkunden sind sparsamer geworden

Als wesentliche Ursache bezeichnet auch der Senat, dass die Berliner Wasserbetriebe, die die Stadt zu 90 Prozent aus dem eigenen Gebiet mit Wasser versorgen, erheblich kleinere Mengen aus dem Boden holen als früher. Vor allem wegen des Wegfalls vieler Fabriken, aber auch wegen der allgemeinen Sparsamkeit der Wasserkunden hat sich die Rohwasserförderung seit 1989 fast halbiert, auf nur mehr 200 Millionen Kubikmeter im Jahr, das ist weniger als 1960. Im Berliner Osten sank der Verbrauch dabei besonders stark.

Der Senat sieht den Grundwasseranstieg und die Folgen dennoch als Thema für die einzelnen Hauseigentümer. "Es gibt kein Grundwasserproblem, sondern ein Problem mit nicht fachgerecht abgedichteten Gebäuden", ließ der zuständige Beamte der Stadtentwicklungsverwaltung kürzlich die Teilnehmer des Runden Tisches Grundwasser wissen. Der Wasserstand habe "natürliche Ursachen".

Damit liegt er auf der politischen Linie seines Hauses: "Die Gewährleistung siedlungsverträglicher Grundwasserstände im Stadtgebiet Berlins ist keine Aufgabe des Senats", beschied Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) zuletzt auf eine Anfrage der CDU, die im Abgeordnetenhaus nach Hilfen für die Anwohner in Rudow gefragt hatte.

Grundwasserspiegel müsste abgesenkt werden

Die Senatsseite beruft sich auf die relativ niedrige Zahl der offiziell gemeldeten Schäden. Demnach seien ein Prozent der Gebäude durch Grundwasser beschädigt. Bei 550.000 Gebäuden in der Stadt wären das immer noch mehr als 5000.

Aus der Feder der Beamten stammt auch die Kostenkalkulation für ein wirksames Absenken des Grundwasserspiegels. Dafür kalkuliert der Experte grob eine Summe zwischen 38 und 90 Millionen Euro, über 50 Jahre gesehen, ergäbe das zwischen 1,9 und 4,5 Milliarden Euro.

Obwohl sich diese Zahl sehr hoch anhört, darf sie aus Sicht des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) kein Grund für die Landespolitik sein, sich aus der Verantwortung zu stehlen. "Die Schäden fallen mit Sicherheit um ein Vielfaches höher aus, wenn das Problem nicht unverzüglich angepackt wird", sagte VDGN-Präsident Peter Ohm.

Immobilienbesitzer hoffen auf Eingreifen des Senats

Die Lasten könnten nicht einfach den privaten Eigentümern überlassen werden. Berlin sei schließlich Deutschlands wichtigster Siedlungsplatz, aber leider auf Sumpf gebaut, heißt es beim VDGN.

Die betroffenen Immobilienbesitzer und ihre Verbände setzen nun die Hoffnung aufs Abgeordnetenhaus. Vor allem die CDU hatte sich in ihrer Zeit in der Opposition für ein Eingreifen des Senats starkgemacht. Die Volksvertreter hatten 2001 beschlossen, dass der Senat einen "umwelt- und siedlungsverträglichen Grundwasserstand sicherstellen" müsse.

Das geschah, weil die Politik nach der Teilprivatisierung der Wasserbetriebe 1999 befürchtete, das Unternehmen werde ihre Aufgabe als Regulator der Wasserstände nicht mehr ausfüllen wollen. Die Verordnung, die daraufhin erlassen wurde, legt fest, "über Jahrzehnte künstlich abgesenkte Grundwasserstände" dürften nicht in "unverträglichem Ausmaß" angehoben werden.

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