Die Reise ans Nordkap, zum nördlichsten Punkt Europas, sollte ein absoluter Höhepunkt im Leben von Clemens Depping aus Lichtenrade werden. Doch der Abenteuerurlaub mit einem Oldtimer-Auto durch Skandinavien scheint in einer Katastrophe geendet zu sein, denn seit drei Wochen fehlt jedes Lebenszeichen von dem 42-jährigen Berliner. Für die Polizei in der nordnorwegischen Provinz Finnmark gestaltet sich der Vermisstenfall als ungewöhnlich, denn es gibt keinerlei Hinweise. Es gab keine bekannten Unfälle in der Region und niemandem ist Depping, der ausgedehnte Wanderungen durch die Natur liebt, seit seinem Verschwinden aufgefallen.
Die nächsten Angehörigen des Vermissten rechnen inzwischen mit dem Schlimmsten, sie geben die Hoffung, dass der 42-Jährige noch lebt, aber nicht auf. Am vergangenen Wochenende trafen Deppings Mutter Sybille und sein Bruder Thomas am Nordkap ein, um sich an der Suche zu beteiligen. Bisher blieb die Suche vergeblich. Nur das Auto von Clemens Depping wurde am 18. Juli auf dem Parkplatz der „Norkapphallen“ gefunden und von der Polizei beschlagnahmt. Und ein blau-weiß-kariertes Hemd von dem Vermissten, das dort an einem Metallpfosten festgemacht war.
E-Mails als letzte Lebenszeichen
Bis zum 11. Juli empfing Deppings bester Freund Alexander Böse aus Neukölln täglich E-Mails von unterwegs, wie auch Deppings Bruder und seine Mutter. Die erste Mail kam bereits am 1. Juli aus Rostock, unmittelbar vor der Einschiffung auf eine Fähre nach Schweden. Danach reiste Depping, der nach fünf Jahren als Mitarbeiter der Diakonie seinen Job für die Abenteuerreise gekündigt hatte, über Finnland weiter gen Nordkap. Am 11. Juli um 6.24 Uhr schickte Depping seine bislang letzte Mail an seinen Freund. Er sei gerade von einer längeren Wanderung zu seinem Auto zurückgekehrt und wolle schlafen, berichtete Alexander Böse. Danach kam nichts mehr. Alexander Böse, der Clemens Depping seit mehr als 25 Jahre kennt und schätzt, hat auf Facebook eine Seite eingerichtet, die unter „Clemens Depping vermisst“ zu finden ist. „Vielleicht können sich Nordkap-Reisende an Clemens erinnern und Hinweise geben“, sagt sein Freund. In der Hoffnung, dass Clemens Depping vom Nordkap aus ein Schiff genommen hat, um eine der nahen Inseln zu erreichen, kontaktierte Böse die Hurtigrouten-Reederei. Doch die Gesellschaft hatte keinen Passagier mit dem Namen des Vermissten.
Zwei Monate sollte die Reise quer durch Skandinavien dauern. Auf der Rückreise vom Nordkap wollte Clemens sich in Norwegen umsehen, wo einige seiner Vorfahren, darunter ein Großvater, gelebt hatten. Der 42-Jährige habe sich akribisch auf den Trip vorbereitet, berichtete sein Freund. Für seinen hellblauen Opel Kadett B Caravan, Baujahr 1969 – das Geburtsjahr seines Fahrers – habe er sich noch in Hamburg ein neues Kupplungsgetriebe besorgt. Geplant war keine luxuriöse Seereise mit Vollverpflegung, sondern eine Reise als Selbstversorger mit Gaskocher und Schlafsack. Das sei die Art zu reisen, wie es Clemens gefalle, erzählte Böse. Im Sommer des Vorjahres waren die beiden Männer gemeinsam in Tirol unterwegs, ein Survival-Urlaub mit Zelten und Campingausrüstung, der das Duo schließlich bis zur Adriaküste führte.
SMS-Verkehr nachverfolgt
Clemens Bruder Thomas schrieb am Mittwoch an Böse. Er sei zehn Stunden durch die Berge rings um das Nordkap marschiert, ohne einen Hinweis auf seinen Bruder zu finden, so der Bruder. Die norwegische Polizei spricht von einem Rätsel. Wenn Wanderer beim Klettern von einem Felsen abstürzen, würden sie spätestens nach drei Tagen am Ufer angeschwemmt, hieß es. Der von der Polizei nachrecherchierte SMS-Verkehr habe ergeben, dass Clemens Depping – mit oder ohne Auto – bei seiner Reise auch bis zu 150 Kilometer westlich vom Nordkap unterwegs gewesen sein muss.




