29.05.12

Hells Angels

Großrazzia gegen Berliner Rocker verraten

Die Polizei vermutet eine Warnung "aus den eigenen Reihen". Die Hells Angels Berlin City kommen einem Verbot zuvor. Sie lösen sich auf.

Foto: dpa
Hells Angels in Berlin
Der Rockerclub Hells Angels Berlin City hat sich aufgelöst

Bei der Berliner Polizei bahnt sich eine handfeste Krise an: Einen Tag vor einem Großeinsatz mit Spezialkräften zum Verbotsverfahren gegen die berüchtigten Hells Angels Berlin City unter der Führung des Türken Kadir P. wurde bekannt, dass die Rocker offenbar über die geplanten Aktionen informiert worden waren.

Wie Morgenpost Online erfuhr, soll sich die Gruppierung am Dienstagnachmittag aufgelöst haben, um dem Verbot zu entgehen. Die Vereinsschilder wurden abgebaut, die Rocker tragen statt der Kutten mit den Totenköpfen nun weiße T-Shirts. "Wir müssen leider davon ausgehen, dass Personen aus den eigenen Reihen gegen Geld Informationen an diese Verbrecher weitergegeben haben. Das ist nicht nur gefährlich für die Ermittlungen, sondern vor allem für die Beamten, die bei Einsätzen ihr Leben riskieren", so ein Polizeiführer. Dieser Skandal sei eine Schande für die Berliner Polizei.

Seit Februar ist die Verbotsverfügung des Landeskriminalamts (LKA) gegen den Verein fertig, nun sollte sie umgesetzt werden. Nach Informationen von Morgenpost Online sollen die Maßnahmen trotzdem durchgeführt werden.

Innensenator Frank Henkel (CDU) und Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers kommen durch den peinlichen Zwischenfall in Erklärungsnot. "Dass bei der Polizei solche sensiblen Informationen an eine Rockergruppierung durchdringen, ist in höchstem Maße besorgniserregend", sagte der innenpolitische Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, Benedikt Lux. Henkel und die Polizeiführung seien aufgefordert, das Informationsleck zu schließen.

Der CDU-Innenpolitiker Peter Trapp warnte ebenfalls vor den Hells Angels: "Hierbei handelt es sich um eine gefährliche Gruppierung, die auch nicht davor zurückschreckt, Unbeteiligte anzugreifen." Dass bei der Berliner Polizei bewusst Informationen an die Rocker durchgegeben worden sein sollen, bezweifelt er. "Ich kann mir das kaum vorstellen", so Trapp. "Wenn jedoch etwas bewusst weitergegeben sein sollte, dann ist das mit aller Härte zu bestrafen." Klaus Eisenreich, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei, sagte: "Es muss alles getan werden, um diese Maulwürfe aus dem Polizeiapparat zu entfernen."

Margarete Koppers ließ mitteilen, dass die Berliner Polizei grundsätzlich keine Angaben zu möglichen geplanten Einsätzen oder Ermittlungen mache, und umging damit auch eine Einschätzung des Zwischenfalls. "Eine Beantwortung Ihrer Fragen könnte den Einsatzerfolg vereiteln." Senator Henkel wollte sich aus taktischen Gründen ebenfalls nicht äußern.

Indes wurde bekannt, dass zwei Berliner Gruppierungen der Bandidos kürzlich zu den Hells Angels übergetreten sind. Dies bereitet dem LKA große Sorgen, weil die "Höllenengel" dadurch noch mehr Macht erlangen würden. In diesem Zusammenhang wird geprüft, ob der in Bottrop erschossene Bandido-Rocker als Begrüßungsgeschenk für die Aufnahme bei den Hells Angels zu werten ist.

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