Alexander Strehlow stochert mit dem rechten Zeigefinger auf Augenhöhe in der Luft herum. Besonders aufgeregt ist er dabei aber nicht, er läuft nur auf normaler Betriebstemperatur. Das rührt von seinem ehrlichen Bemühen, einem soeben angereisten Berliner die Eigenheiten von Spandau zu erklären, genauer den Charakter dessen Ortsteils Gatow und seiner Bewohner. „Wenn ich sage, ich fahre in die Stadt, heißt das, dass ich nach Spandau fahre, also ins Zentrum, in die Altstadt“, sagt der vielbeschäftigte Raumausstatter. Und Berlin? „Berlin ist Berlin. Wenn ich nach Berlin muss, fahre ich nach Berlin. So sind wir eben hier.“
Erst 1920 wurde Gatow zu Groß-Berlin eingemein-det. Da war es bereits mehr als 700 Jahre alt. Erstmals erwähnt wurde das Straßendorf 1258. Das älteste steinerne Zeugnis Gatows stammt aus dem Anfang des
14. Jahrhunderts und ist die noch erhaltene Dorfkirche. Gatow hatte natürlich auch eine Mühle. Auf dem 52 Meter hohen Kirchberg, dem heutigen Windmühlenberg, wurde um 1845 eine Bockwindmühle errichtet. Bei der 750-Jahrfeier des Ortsteils wurde 2007/2008 die einst abgebrannte und historische Bockwindmühle an der Buchwaldzeile wieder errichtet. Dort kann das ehemalige Wahrzeichen des Dorfes wieder bewundert werden.
International bekannt wurde Gatow nach dem Mauerbau durch seinen 1935 in Betrieb genommenen Flughafen. Die britischen Alliierten nutzten den Flughafen für militärische Zwecke. Und auch Queen Elisabeth II. landete bei ihren Berlin-Besuchen stets in Gatow. Wenige Jahre nach dem Fall der Mauer wurde der Flugbetrieb in Gatow 1994 eingestellt.
Aber Gatow ist nicht nur schön zum Anschauen oder erbaulichem Hindurchschreiten wie in einer Art Freiluftmuseum mit Einfamilien-häusern und malerischen Altbauten entlang der Gatower Straße. Nein, dem vielleicht schönsten und dörflichsten Fleckchen von Spandau bescheinigen viele dort Lebende, man sei in der Natur und am Wasser und trotzdem in der Großstadt. „Das Segeln habe ich schon als kleiner Junge an der Scharfen Lanke gelernt, das war damals nichts Besonderes“, erinnert sich Alexander Strehlow. Seine Liebe zum Wassersport hat sich Strehlow erhalten, und so stattet er nicht nur Häuser und Wohnungen, sondern auch Boote und Yachten aus.
Ein erholsamer Blick auf das Wasser der östlich längs zu Gatow fließenden Havel lässt sich auch vom Fahrradsattel aus genießen. Nicht weit von den Ufern entfernt gibt es wunderbare Wege durch Felder, Wiesen und Wälder. Und ein Dorado für Pferdefreunde ist Gatow, da wird manchmal sogar ein abgeerntetes Korn- zum Polofeld. Gatow ist mit seinen vielfältigen Angeboten zwar nicht autark, aber besonders. Mehrere Bauernhöfe bieten in ihren Hofläden Gemüse, Eier und Brot an, für Freunde der fleischlichen Kost gibt es Produkte aus Hausschlachtungen. Und sogar meditiert wird in Gatow. Auf einem Eckgrundstück am Breitehornweg 1a haben sich buddhistische Mönche ein Minikloster mit Holzhütten aus dem Baumarkt gebaut. Sogar das Fundament für die Buddha-Statue besteht zu Teilen aus Material aus dem Gartencenter, die allerdings noch kunterbunt angemalt wurden. Das Thailändisch-Buddhistische Waldkloster kann während der Gatower Herbstwoche am 1. Oktober von 16 bis 17.30 Uhr besichtigt werden.
Wo es so schön wie in Gatow ist, wollen auch viele Menschen nicht nur besuchsweise hin, sondern möglichst dort auch wohnen. Und dafür brauchen sie ein Dach über dem Kopf, das sie – je nach Angebot – von Birte Baumgarten vermittelt bekommen. Die Immobilienmaklerin leitet die Gatower Niederlassung der europaweit tätigen Gruppe von-Poll-Immobilien. Das Motto ist: Arbeiten in Gatow, Wohnen in der Nähe. Die Kunden von Birte Baumgarten wandeln das ab in „Wohnen in Gatow, Arbeiten in der Nähe“ – also in Berlin und Potsdam. Die Maklerin zählt ein paar Pluspunkte der Gegend auf: „Tolle Einkaufsmöglichkeiten, gute Schulen, selbst eine Waldorfschule, gute Gastronomie.“ Gatow sei eine der beliebtesten Wohngegenden Berlins. Besonders hat es der Mutter von vier Kindern die Grundschule am Windmühlenberg angetan: „Das ist eine richtige Dorfschule im besten Sinne.“ Birte Baumgartens Kunden drängen nicht ins Rampenlicht. Wer in Gatow lebt, liebt die Abgeschiedenheit des städtischen Dorflebens oder des dörflichen Stadtlebens. Aber das ist egal. Berlin ist weit weg und trotzdem – ganz praktisch – so nah.

