Steuerserie 2015

So beteiligen Sie das Finanzamt an Ausgaben für Versicherungen

Kosten für die Krankenversicherung, aber auch Beiträge für die Altersvorsorge, Spenden und Unterhaltszahlungen für ehemalige Lebenspartner lassen sich steuerlich geltend machen.

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Mit Spenden, Kirchensteuer und Ausgaben für eine Ausbildung kann jeder schnell viel Steuern sparen. Die Finanzbeamten gewähren ohne Belege einen Pauschbetrag von 36 Euro (Alleinstehende) oder 72 Euro (Verheiratete) im Jahr. Dieser ist schnell überschritten. Sonderausgaben wie Kirchensteuer oder der Unterhalt an den Ex-Partner gehören in die Zeilen 37 bis 56 auf Seite 2 des Steuerhauptformulars. Ausgaben für die Altersvorsorge und Versicherungen tragen Steuerzahler in die „Anlage Vorsorgeaufwand“ ein, Einzahlungen in die Riester-Rente in die „Anlage AV“.

Beiträge zur Altersvorsorge sind absetzbar

Der Staat unterstützt den Vorsorgeeifer der Bürger mit Zulagen und Steuerersparnissen. Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung, in landwirtschaftliche Alterskassen, berufsständische Versorgungseinrichtungen und in die Rürup-Rente berücksichtigt das Finanzamt 2014 mit 78 Prozent, maximal jedoch 15.600 (Alleinstehende) oder 31.200 (Verheiratete) Euro. Dieser Prozentsatz steigt in den kommenden Jahren, bis Vorsorgesparer ab 2025 den Staat an den Einzahlungen zu 100 Prozent (maximal 20.000 beziehungsweise 40.000 Euro) beteiligen können.

Vor dem Abschluss einer Rürup-Rente sollten Arbeitnehmer ermitteln, wie hoch der Steuervorteil für Einzahlungen in die staatlich geförderte Altersvorsorge für sie tatsächlich ist. Denn beim absetzbaren Höchstbetrag – 78 Prozent von 20.000 Euro in 2014 – werden bei Arbeitnehmern auch die Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung berücksichtigt. „Arbeitnehmer sollten daher ermitteln, welcher Betrag sich noch steuermindernd auswirkt“, rät Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Seit 2014 können Steuerzahler auch Beiträge für eine Berufsunfähigkeits- und eine verminderte Erwerbsfähigkeitsversicherung als Altersvorsorgebeiträge steuerlich geltend machen. Voraussetzung ist, dass der Vertrag entsprechend zertifiziert ist.

In die Zeilen 8-9 der Anlage „Vorsorgeaufwand“ tragen Arbeitnehmer den steuerfreien Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Rentenversicherung ein. Diesen erfassen die Beamten mit den Einzahlungen des Arbeitnehmers mit 78 Prozent und ziehen diesen dann wieder zu 100 Prozent ab. „Daher ist der Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung tatsächlich nur mit 56 Prozent absetzbar“, sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de. Steuerzahler, die einen Altersvorsorgevertrag über ihren Chef abgeschlossen haben, haben bereits im Lauf des Jahres Steuern gespart. 2014 konnten Arbeitnehmer bis zu 2856 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei in ihren Vertrag einzahlen.

Beiträge zur Krankenversicherung in voller Höhe geltend machen

Angestellte, Beamte und Pensionäre können Beiträge für eine private oder gesetzliche Basiskrankenversicherung in voller Höhe steuerlich geltend machen (Zeilen 12-30). Beiträge, die die Basisabsicherung übersteigen, verrechnen Steuerzahler als „andere Versicherungsbeiträge“ – sofern dafür noch Raum ist. Oft ist der absetzbare Höchstbeitrag von 1900 oder 2800 Euro jedoch mit den Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung ausgeschöpft.

Wer die Pflege- und Krankenbasisversicherung für den Ex-Ehepartner oder bedürftige Angehörige bezahlt, kann diese Ausgaben zusätzlich zu den Unterhaltszahlungen steuerlich geltend machen (Teil 4).

Andere Versicherungen lassen sich absetzen

Liegen die Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherungen unter 1900 oder 2800 Euro, können Steuerzahler den Staat an weiteren Ausgaben für Versicherungen – etwa für Auslandsreisekranken-, Unfall- oder Haftpflichtversicherung beteiligen (Zeilen 46-52). „Sofern die Policen auch berufliche Risiken abdecken, rechnen Steuerzahler die Ausgaben dafür anteilig als Werbungskosten ab“, rät Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg (Teil 3).

Ob es rechtens ist, dass Beiträge für „sonstige Versicherungen“ nur begrenzt steuerlich geltend gemacht werden können, müssen die Richter des Bundesfinanzhofs entscheiden. Bis zum Urteil bleiben die Steuerbescheide in diesem Punkt offen. „Steuerzahler sollten daher alle Beiträge in der Steuererklärung auflisten“, rät Wawro. Die Ausgaben für Sachversicherungen, etwa Hausrat- oder Gebäudeversicherungen, akzeptieren Finanzbeamte nicht.

Unterhaltszahlungen lassen sich verrechnen

Wer an seinen Ex-Partner Unterhalt zahlt, kann diesen bis zu 13.805 Euro als Sonderausgaben in der Steuererklärung verrechnen (Zeilen 40-41). Dazu muss die Zustimmung des Ex-Partners vorliegen, dass dieser die Zahlungen in seiner Steuererklärung als „Sonstige Einkünfte“ versteuert. Zudem muss der Unterhaltszahler die „Anlage U“ ausfüllen. Weigert sich der Ex-Partner, können Steuerzahler die Unterhaltszahlungen alternativ bis zur Höhe von 8354 Euro als außergewöhnliche Belastungen abrechnen. Auch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung für den Ex-Partner können über die Höchstbeträge hinaus als Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden (Teil 4).

Kirchensteuer unbegrenzt absetzbar

Die gezahlte Kirchensteuer können Steuerzahler in unbegrenzter Höhe als Sonderausgaben verrechnen. Die Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer fällt allerdings nicht darunter.

Spenden werden direkt von Steuerschuld abgezogen

Das Finanzamt akzeptiert Zuwendungen für steuerbegünstigte Zwecke bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte. Spenden, die darüber hinausgehen, können Steuerzahler im folgenden Jahr verrechnen. Zahlungen an Parteien und Wählervereinigungen werden direkt von der Steuerschuld abgezogen. In diesem Fall akzeptieren die Finanzbeamten bis zu 1650 Euro, bei Verheirateten 3300 Euro – jeweils zur Hälfte.

Darüber hinaus können Steuerzahler Spenden an Parteien und Wählervereinigungen bis 1650 oder 3300 Euro als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Wer bei Katastrophen auf ein Sonderkonto Geld überwiesen hat, muss keine Spendenbescheinigung vorlegen. Ein Kontoauszug genügt. Diese Regelung gilt auch für Spenden an juristische Personen des öffentlichen Rechts bis zu einer Höhe von 200 Euro.