Steuerserie 2015

So holen Sie sich Ihr Geld vom Finanzamt zurück

Die Berliner Morgenpost zeigt Ihnen, was sich bei den Steuern geändert hat, warum sich Musterprozesse lohnen und worauf Sie bei der Steuererklärung für 2014 achten müssen.

Auch wenn sich viele am liebsten vor der Abrechnung mit dem Finanzamt drücken: Für die meisten rechnet es sich, die Bögen für die Steuererklärung auszufüllen. 2012 haben die Berliner Finanzämter Arbeitnehmern im Schnitt 876 Euro überwiesen. „Wer keine Steuererklärung macht, verschenkt oft viel Geld“, sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. In der achtteiligen Steuerserie der Berliner Morgenpost erfahren Sie, worauf Sie beim Ausfüllen der Bögen achten müssen und wie Sie sich viel Geld zurückholen.

Von einer Änderung haben Arbeitnehmer bereits im Laufe des Jahres profitiert: Die Regierung hat den Grundfreibetrag für 2014 auf 8354 Euro erhöht. Wer weniger zu versteuernde Einkünfte hat, zahlt keine Steuern. Das klingt zwar großzügig – unterm Strich hatten Arbeitnehmer wegen des höheren Grundfreibetrags im Jahr jedoch maximal 43 Euro mehr auf dem Konto.

Änderungen beim Reisekostenrecht

Auf Änderungen müssen sich Arbeitnehmer einstellen, die mehrere Tätigkeitsstätten haben. Also etwa ein Lehrer, der am Tag zwei Schulen aufsucht. Künftig sollte er mit dem Arbeitgeber die „erste Tätigkeitsstätte“ festlegen. Die Fahrten dorthin rechnen Steuerzahler mit der Entfernungspauschale ab. Weitere Fahrten akzeptieren die Finanzbeamten als Auswärtstätigkeit. Bei dieser können die tatsächlich gefahrenen Kilometer abgerechnet werden (Teil 3).

Vereinfacht hat das Finanzministerium die Abrechnung von Verpflegungspauschalen: Seit 2014 unterscheiden die Beamten nur noch zwei statt drei. Wer mehr als acht Stunden unterwegs ist, erhält eine Pauschale von zwölf Euro. Bei einer Abwesenheit von mehr als 24 Stunden gibt es 24 Euro. „Die Verpflegungspauschbeträge müssen Steuerzahler jedoch um Mahlzeiten kürzen, die vom Arbeitgeber oder Dritten zur Verfügung gestellt werden“, sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de (Teil 3).

Doppelte Haushaltsführung wird anders abgerechnet

Auf Änderungen müssen sich Steuerzahler mit zwei Haushalten einstellen. Sie können seit 2014 maximal 1000 Euro im Monat für die Zweitwohnung als Werbungskosten abrechnen. Dazu zählen Miete, Betriebskosten sowie Ausgaben für einen Garagenplatz. Die Größe der Wohnung spielt keine Rolle mehr.

Gesetzliche Rente muss zum Teil versteuert werden

Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung oder in die Rürup-Rente können Steuerzahler bis zu einem Höchstbetrag von 20.000 Euro (Alleinstehende) sowie 40.000 Euro (Verheiratete) mit 78 Prozent abrechnen. Seit 2014 besteht zudem die Möglichkeit, eine eigenständige Berufsunfähigkeitsversicherung als Altersvorsorgeaufwendung abzurechnen. Allerdings müssen die Verträge zertifiziert sein und bestimmte Bedingungen wie eine lebenslange Rente erfüllen.

Während junge Steuerzahler einen immer größeren Anteil ihrer Einzahlungen in Altersvorsorgeverträge steuerlich geltend machen können, steigt die steuerliche Belastung der neuen Rentnerjahrgänge. Wer sich 2014 zur Ruhe gesetzt hat, muss 68 Prozent der gesetzlichen Rente versteuern. Für die kommenden Rentnerjahrgänge steigt der steuerpflichtige Anteil der Rente an. Wer sich 2040 oder später in den Ruhestand verabschiedet, muss 100 Prozent seiner gesetzlichen Rente versteuern. „Daher müssen immer mehr Ruheständler eine Steuererklärung machen“, sagt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine in Berlin. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass die Rentner auch Steuern zahlen müssen (Teil 5).

Winterdienst und Hausanschluss lassen sich absetzen

Bislang konnten Steuerzahler Ausgaben für Handwerker, die wegen Neubaumaßnahmen am Eigenheim anfielen, steuerlich nicht verrechnen. Daran hat sich nichts geändert. Allerdings haben die Finanzbeamten „Neubaumaßnahmen“ neu definiert. Daher können Steuerzahler das Finanzamt an deutlich mehr Arbeiten beteiligen (Teil 7).

2014 haben die Richter des Bundesfinanzhofs einige für Steuerzahler freundliche Urteile gefällt. So können Eigentümer und Mieter Ausgaben für das Schneeräumen oder die Reinigung von Gehwegen als sogenannte haushaltsnahe Dienstleistungen abrechnen. Auch die Ausgaben für den Anschluss des eigenen Haushalts an ein öffentliches Versorgungsnetz können steuerlich geltend gemacht werden. In diesem Fall akzeptieren die Finanzbeamten 20 Prozent der Ausgaben für Handwerker – maximal 1200 Euro (Teil 7).

Finanzamt bietet online eine vorausgefüllte Steuererklärung

Der Fiskus bietet einen besonderen Service: die vorausgefüllte Steuererklärung. Das klingt sehr serviceorientiert, bedeutet jedoch nicht, dass der Staat die Bürger von ihrer Pflicht befreit, die Bögen auszufüllen. Etwas einfacher wird es jedoch für alle, die sich mit ihrer Steueridentifikationsnummer unter www.elsteronline.de registrieren. Dann können Steuerzahler über das Portal Lohndaten, Bescheinigungen über Rentenzahlungen oder Vorsorgeaufwendungen abrufen. „Steuerzahler sollten diese Angaben unbedingt überprüfen“, rät Rauhöft. Denn nicht immer sind alle korrekt, und die Steuerpflichtigen sind für die Richtigkeit verantwortlich.

Wie Sie von Musterprozessen profitieren

Im Steuerrecht gibt es zahlreiche Prozesse, in die sich jeder Steuerzahler einfach einklinken kann. In der Regel reicht es, mit Hinweis auf anhängige Verfahren vor dem Bundesfinanzhof, dem Bundesverfassungsgericht oder dem Europäischen Gerichtshof Einspruch gegen seinen Steuerbescheid einzulegen und ein Ruhen des Verfahrens zu beantragen. Das lohnt sich etwa für Steuerzahler, die eine erste Ausbildung oder ein Erststudium ohne Ausbildungsvertrag absolvieren. Seit 2004 können sie ihre Ausgaben nur noch als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Weil diese immer in dem Jahr verrechnet werden müssen, in dem sie anfallen, läuft der Abzug oft ins Leere. Denn dem Gros der Studierenden fehlen für die Verrechnung ausreichend hohe Einkünfte. Nun muss das Bundesverfassungsgerichts entscheiden, ob die Regelung verfassungskonform ist (Teil 2).

Die achtteilige Steuerserie führt die Leser der Berliner Morgenpost durch die einzelnen Formulare. Sollte eine Frage offen bleiben, können Sie diese am kommenden Sonnabend den Experten des Neuen Verbands der Lohnsteuerhilfevereine und des Steuerberaterverbands Berlin-Brandenburg stellen.