Steuerserie 2014

Ausgaben für den Job verringern die Steuerlast

Trotz eines Pauschbetrags für berufliche Ausgaben kann es sich lohnen, die echten Ausgaben steuerlich geltend zu machen. Etwa die Kosten für den Weg zur Arbeit, für einen Umzug und Fachliteratur.

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Für berufliche Ausgaben berücksichtigen die Finanzbeamten automatisch einen Pauschbetrag von 1000 Euro – auf den ersten Blick viel Geld. Doch die Pauschale ist bereits überschritten, wenn Sie an 230 Tagen im Jahr 15 Kilometer zur Arbeit fahren. Dann akzeptieren die Beamten eine Entfernungspauschale von 1035 Euro. Alle weiteren beruflichen Ausgaben, die Sie auf den Seiten 2 bis 3 der „Anlage N“ auflisten, verringern Ihre Steuerlast.

Weg zur Arbeit

Steuerzahler können den einfachen Weg zur Arbeit mit 30 Cent je Kilometer verrechnen. Dabei spielt keine Rolle, ob sie den Weg zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Wer nicht mit dem eigenen Pkw fährt, kann jedoch maximal 4500 Euro steuerlich geltend machen. Steuerzahler, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen, können dem Finanzamt auch die tatsächlichen Kosten in Rechnung stellen. „Seit 2012 müssen Sie sich jedoch entscheiden, ob Sie – bezogen auf das gesamte Jahr – die tatsächlichen Kosten oder die Entfernungspauschale steuerlich geltend machen“, sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg.

Bei einer Fünf-Tage-Woche tragen Sie 220 bis 230, bei einer Sechs-Tage-Woche 260 bis 280 Tage ein. Tage, an denen Sie krank waren oder Urlaub hatten, ziehen Sie ab. Angeben sollten Sie die kürzeste Verbindung zwischen Haus und Arbeitsstätte. Lange akzeptierten die Finanzämter weitere Wege nur, wenn diese mit deutlicher Zeitersparnis verbunden waren. Doch wenn Sie einen „offensichtlich verkehrsgünstigeren“ längeren Weg nutzen, können Steuerzahler inzwischen auch diesen angeben, wie der Bundesfinanzhof urteilte (Az. VI R 19/11).

Unfall

Steuerzahler können das Finanzamt zudem an den Kosten eines Unfalls beteiligen, sofern sich dieser auf dem Weg zur Arbeit ereignet. Die Finanzverwaltung vertritt bei einem Diebstahl des Autos vor der Arbeitsstätte die Auffassung, dass die Kosten mit der Entfernungspauschale abgegolten seien (BMF-Schreiben vom 3. Januar 2013). Der Bundesfinanzhof ist in diesem Punkt konträrer Meinung. „Sollte Ihr Fahrzeug während der Arbeitszeit gestohlen werden, machen Sie unbeirrt den Schaden als Werbungskosten geltend“, rät Peter Kauth von Steuerrat24.de. Steuerzahler sollten sich dabei auf ein Urteil des Bundesfinanzhofs berufen (BFH-Urteil vom 18.4.2007, BStBl. 2007 II S. 762).

Arbeitsmittel

Bis 2009 galt bei Arbeitsmitteln das „Alles-oder-nichts-Prinzip“. Ausgaben für Büromöbel, Fachliteratur oder Büromaterialien nickten die Finanzämter nur ab, wenn Steuerzahler nachweisen konnten, dass sie die Arbeitsmittel zu mindestens 90 Prozent beruflich nutzen. War das nicht der Fall, akzeptierten die Finanzämter keinen Cent. Diese rigide Regelung ist seit 2009 aufgehoben. Jetzt können Steuerzahler die anteilige berufliche Nutzung von Arbeitsmitteln in der Steuererklärung als Werbungskosten verrechnen, sofern diese nicht von untergeordneter Bedeutung ist. Ein Beispiel: Sie nutzen das Arbeitsmittel zu 50 Prozent privat und zu 50 Prozent beruflich. In diesem Fall können Sie die Hälfte der Ausgaben als Werbungskosten verrechnen. Eine Besonderheit gilt für Computer: Steuerzahler, die ihren PC auch beruflich nutzen, können die Kosten in der Regel zu 50 Prozent verrechnen. Denselben prozentualen beruflichen Anteil setzen Steuerzahler für Peripheriegeräte wie Drucker oder Scanner an. „Wer einen höheren Prozentsatz steuerlich geltend machen möchte, sollte ein PC-Stundenbuch führen“, rät Steuerberater Wawro.

Fachliteratur

Steuerzahler können Fachliteratur als Werbungskosten immer dann verrechnen, wenn diese ausschließlich beruflichen Zwecken dient. So genehmigen die Finanzämter problemlos Chemiebücher für Chemielehrer oder Literatur zu Geldanlagen für Beschäftigte bei Finanzinstituten. „Entscheidend ist jedoch nicht nur der Inhalt, sondern zu welchem Zweck eine Zeitschrift oder ein Buch erworben wurden“, sagt Steuerexperte Peter Kauth von Steuerrat24.de. Sollten etwa Lehrer allgemeinbildende Literatur für Lehrveranstaltungen erwerben, können sie diese als Fachliteratur steuerlich geltend machen. Die Ausgaben für Fachliteratur müssen Sie mit Belegen nachweisen. Achten Sie dabei darauf, dass auf diesen der Titel eingetragen ist. „Buch“ oder „Zeitschrift“ reicht in der Regel als Nachweis nicht aus (BFH 13.04.2010, Az. VIII R 26/08).

Fortbildung

Wer nach einer ersten Ausbildung oder einem Erststudium eine Fortbildung absolviert, kann die Ausgaben dafür in voller Höhe als Werbungskosten verrechnen. „Wichtig ist jedoch ein Zusammenhang zwischen Bildungsmaßnahme und künftigen Einnahmen“, sagt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Im Gegensatz dazu akzeptieren die Finanzämter bei einer ersten Ausbildung oder einem Erststudium die Kosten lediglich als Sonderausgaben bis maximal 6000 Euro (siehe Teil 2 der Serie). Zurzeit sind in der Frage, wie Ausbildungskosten steuerlich verrechnet werden können, zahlreiche Verfahren vor dem Bundesfinanzhof anhängig (Az. VI R 61/11; VI R 2/12; VI R 6/12; VI R 8/12). „Steuerzahler, die eine erste Ausbildung oder ein erstes Studium absolvieren, sollten daher die Kosten als Werbungskosten verrechnen“, rät Rauhöft. Lehnen die Beamten dies ab, können Steuerzahler unter Verweis auf die anhängigen Verfahren Einspruch einlegen. Allerdings hatte das Gericht jüngst in einem ähnlichen Fall zu Lasten der Steuerpflichtigen entschieden (Az. VIII R 22/12).

Umzug

Gegenüber Steuerzahlern, die aus beruflichen Gründen umziehen, zeigt sich der Fiskus spendabel. Sie können die Kosten für Makler, doppelte Miete, Umzugsspedition in nachgewiesener Höhe steuerlich geltend machen. Zudem gewähren die Beamten eine Umzugskostenpauschale sowie eine Pauschale für den Nachhilfeunterricht der Kinder. Ein Umzug ist dann beruflich veranlasst, wenn sich der Weg zur Arbeit erheblich, also arbeitstäglich um mindestens eine Stunde verringert.

Versicherungen

Decken Versicherungen auch berufliche Risiken ab, können Steuerzahler einen Teil der Beiträge als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Bei Unfallversicherungen genehmigen die Beamten 50 Prozent des Beitrags. Bei einer Berufshaftpflicht akzeptieren die Finanzämter die komplette Summe. Deckt eine Haftpflicht- oder eine Rechtschutzversicherung sowohl berufliche als auch private Risiken ab, sollten Steuerzahler von der Versicherung eine Bescheinigung anfordern und den beruflichen Teil als Werbungskosten und den privaten Teil als Sonderausgaben verrechnen.