Ferienplanung

Das Handy abschalten und Abstand gewinnen

Ohne Stress in den Urlaub: Damit die Ferien erholsam werden, gibt es Einiges zu Bedenken. Zum Beispiel sollte der letzte Arbeitstag frei von Terminen sein.

Foto: David Heerde

„Ich muss immer und überall erreichbar sein – und wenn nicht, dann muss ich wenigstens so schnell wie möglich reagieren.“ Dieses Lebensgefühl haben viele Menschen entwickelt – unter anderem aufgrund der Neuen Medien. Und in vielen Jobs sehen sich Berufstätige heute tatsächlich mit einer solchen Erwartung konfrontiert – sei es durch die Kollegen, den Chef oder die Kunden.

Doch nicht nur wegen dieser permanenten Rufbereitschaft fällt es vielen Arbeitnehmern zunehmend schwer, mal abzuschalten. Hinzu kommt, dass sie tatsächlich in immer kürzeren Zeitabständen vor neuen Herausforderungen stehen. Denn Fakt ist: Die Unternehmen müssen häufiger ihre Strategien und ihre Art, Aufgaben zu lösen, überdenken. Für ihre Mitarbeiter bedeutet dies: An sie werden häufiger neue Anforderungen gestellt.

Die Folge: Die Betroffenen schieben stets einen Berg unbewältigter Aufgaben vor sich her. Und permanent plagt sie nicht nur ein schlechtes Gewissen. Sie können sich auch immer schlechter auf einzelne Aufgaben konzentrieren, weil sie, egal was sie tun, zugleich denken: „Eigentlich müsste ich doch…“

Aus diesem Hamsterrad kann nur ausbrechen, wer sich regelmäßig eine Auszeit gönnt – nicht nur um neue Energie zu tanken, sondern auch, um sich mit einem gewissen Abstand zum Alltag zu fragen: Sollte ich in meinem Leben die Weichen an gewissen Punkten neu stellen? Die klassische Auszeit ist der Urlaub. Deshalb hier einige Tipps, wie Sie Ihren Urlaub entspannt genießen und von der Auszeit lange zehren. Verreisen Sie offiziell einen Tag früher.

Sagen Sie allen Freunden und Verwandten sowie den Kunden und Kollegen, mit denen Sie nicht direkt zusammenarbeiten, dass Ihr Urlaub einen Tag früher beginnt. Sonst stapelt sich am letzten Tag die Arbeit auf Ihrem Schreibtisch und Ihr Telefon klingelt unablässig.

Vereinbaren Sie für Ihren letzten Arbeitstag keine Meetings, Geschäftsreisen oder Arzttermine. Denn diese dauern oft länger als geplant und dann starten Sie völlig außer Atem in den Urlaub.

Erledigen Sie vor dem Urlaub alle wichtigen und dringlichen Aufgaben, die Sie nicht an andere delegieren können. Sonst plagt Sie im Urlaub stets das schlechte Gewissen.

Urlaub ist Urlaub. Lassen Sie alle Unterlagen, die Sie an Ihre Arbeit erinnern, zu Hause. Packen Sie auch keine Fachliteratur ein, die im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit steht. Und: Lesen Sie keine Tageszeitungen oder Wirtschaftsmagazine, schon gar nicht den Börsenteil.

Sagen Sie Ihrem Assistenten oder Stellvertreter: Nach meinem Urlaub dürfen maximal so viele Vorgänge auf meinem Schreibtisch liegen, wie ich Urlaubstage habe. Sonst verleidet Ihnen der Gedanke an die Arbeit, die Sie erwartet, die letzten Urlaubstage.

Vergessen Sie Ihr Handy oder Smartphone. Wenn nicht, schalten Sie es im Urlaub ab und lassen Sie die Telefonate in der Mailbox auflaufen. Dann entscheiden Sie, ob und wann Sie zurückrufen. Lassen Sie Ihre Uhr zu Hause. Im Notfall können Sie auch Ihre/n Lebenspartner/in oder einen anderen Urlauber nach der Uhrzeit fragen.

Beginnen Sie spätestens vier Tage vor Reiseantritt mit dem Packen. Dann können Sie noch ein neues Outfit kaufen und geraten nicht in Stress. Stimmen Sie sich bereits zu Hause auf den Urlaub ein. Zum Beispiel, indem Sie abends Reiseführer schmökern oder sich ein Video von Ihrem Urlaubsziel anschauen.

Feiern Sie Ihren Urlaubsbeginn. Zum Beispiel, indem Sie im Flugzeug ein Gläschen Sekt trinken. Vergessen Sie im Urlaub alles, was Sie über das Thema Zeit- und Selbstmanagement gehört haben. Im Urlaub gibt es nur eine „wichtige“ und „dringliche“ Aufgabe: sich zu erholen.

Übertragen Sie das Leistungsdenken, dem Sie im Alltag verhaftet sind, nicht auf Ihren Urlaub. Sie müssen nicht jeden Berg erklimmen. Lassen Sie Fünfe gerade sein. Bei der Arbeit können Sie dem Null-Fehler-Prinzip huldigen. Doch im Urlaub? Da sollten Sie ein easy going praktizieren.

Julia Voss ist Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens Voss+Partner, Hamburg