Berufseinstieg

„Es gibt keine klare Berufsausbildung für Dramaturgen“

Vedra-Vorsitzende Eva-Maria Fahmüller hat Tipps für angehende Dramaturgen. Wichtig ist, sich in der Branche bekannt zu machen.

Dramaturgen begleiten die Entwicklung von Drehbüchern. Sie arbeiten eng mit Drehbuchautoren, Produzenten, Filmförderungen und Sendern zusammen.

Dramaturgen begleiten die Entwicklung von Drehbüchern. Sie arbeiten eng mit Drehbuchautoren, Produzenten, Filmförderungen und Sendern zusammen.

Foto: fabioderby / Getty Images/iStockphoto

Berlin.  Eva-Maria Fahmüller arbeitet als Dramaturgin, ist Vorsitzende des Verbands für Film- und Fernsehdramaturgie (Vedra) und leitet die Master School Drehbuch. Mit ihr sprach Dagmar Trüpschuch.

Berliner Morgenpost: Frau Fahmüller, was genau machen Dramaturgen?

Eva-Maria Fahmüller: Dramaturgen sind diejenigen, die die Entwicklung von Drehbüchern beraten und begleiten. Sie arbeiten eng mit Drehbuchautoren, Produzenten, Filmförderungen und Sendern zusammen.

Sie betrachten Geschichten von außen mit einem eher neutralen und sachlichen Blick, während sich Drehbuchautoren sehr tief in ihre Geschichte, die sie schreiben, hineinbegeben. Dramaturgen unter­stützen die Kreativen dabei, die Vision der Geschichte herauszuarbeiten, und formulieren Vorschläge, wie sie einen Stoff weiterentwickeln könnten.

Oft findet das in Beratungsgesprächen statt. Sie schreiben aber auch Lektorate oder Gutachten und schätzen ein, für welche Art der Vermarktung und für welche Zielgruppe eine Geschichte geeignet ist.

Wie wird man Dramaturg?

Es gibt keine klare Berufsausbildung. Von Vorteil ist es, wenn man die Film- und Fernsehbranche schon kennt. Oft schreiben Einsteiger Lektorate zum Beispiel für Filmförderungen oder Produktionsfirmen. Oder sie beraten Bekannte aus dem Filmbereich, die Drehbücher schreiben. Und wenn das gut ankommt, können weitere Aufträge folgen.

Welche Eigenschaften sind wichtig?

Sehr wichtig ist es, die Schönheit und Besonderheit in ganz unterschiedlichen Geschichten zu erkennen, denn Dramaturgen haben es mit verschiedenen Gen­res und Formaten zu tun. Sie arbeiten für Vorabendfernsehserien, für innovative zeitgemäße Serienprojekte, für Mainstreamkinofilme, meistens auch parallel.

Unerlässlich ist natürlich, Theorien und Modelle zum dramatischen Erzählen zu kennen. Es gilt, sich mit Filmfiguren zu befassen und insofern auch mit Psychologie. Dramaturgen müssen offen sein für gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen, damit sie wissen, welche Geschichten heute erzählt werden und warum sie erzählt werden.

Viele arbeiten als Freiberufler und müssen ihr Berufsleben alleine managen. Dann braucht es auch Selbstdisziplin.

Dramaturgen als Diplomaten

Was ist schwierig am Job?

Herausfordernd ist die Diplomatenrolle zwischen verschiedenen Gewerken wie zum Beispiel Autor und Produzent. Dramaturgen müssen mit unterschiedlichen Haltungen und Konflikten umgehen und ausgleichend wirken.

Eine andere Herausforderung ist, die Perspektive des Außenblicks beizubehalten und die Geschichte der anderen nicht zu eigenen zu machen. Dramaturgen sind Fachberater für Menschen, die Filmgeschichten schreiben.

Zu Branchenevents gehen

Ihr Tipp für beruflichen Erfolg?

Für den Einstieg empfehle ich, sich Drehbücher aus dem Internet herunterzuladen und sie zu analysieren: Welche Vision kann ich am geschriebenen Wort erkennen? Warum ist die Filmgeschichte so aufgebaut, mit welcher Wirkung auf den Zuschauer?

Für Einsteiger und Profis ist auch das Netzwerken unglaublich wichtig. Dramaturgen können zu vielen Branchenevents gehen wie zum Beispiel zur „FilmStoffEntwicklung“, der Tagung von Vedra. Es gibt auch auf der Berlinale einige offene Panels.

Dort können sie schauen, wer interessant für sie ist, und mit diesen Menschen ins Gespräch kommen. Denn die Aufträge kommen nicht von alleine. Die Filmbranche ist ein Personengeschäft. Es gilt, selbst aktiv auf Menschen zuzugehen.