Wissenschaft

Gründer von Belyntic lernten sich im Chemie-Studium kennen

Gemeinsam gründen wollten sie schon lange. Mit ihrem Start-up Belyntic sind die drei Chemiker und ein Betriebswirt nun auf Erfolgskurs.

Drei der vier Gründer von Belyntic: Dominik Sarma (v.l), Robert Zitterbart und Oliver Reimann. Auf dem Bild fehlt Andreas Regnery.

Drei der vier Gründer von Belyntic: Dominik Sarma (v.l), Robert Zitterbart und Oliver Reimann. Auf dem Bild fehlt Andreas Regnery.

Foto: Sven Lambert

Berlin.  „Wir sind ein Team, und jeder von uns ist gleich wichtig“, finden die vier Gründer von Belyntic Dominik Sarma, Dr. Oliver Reimann, Dr. Robert Zitterbart und Andreas Regnery. Trotzdem lassen sie sich ausnahmsweise einmal zu dritt ablichten. Regnery, der Betriebswirt unter den Chemikern, ist gerade im Urlaub.

Erst waren sie Kommilitonen, dann Freunde, nun sind sie Co-Gründer, alle Anfang 30. Der gemeinsame Weg vom Studenten zum Unternehmer verbindet Sarma, Reimann und Zitterbart.

Sie lernten sich im Chemie-Studium kennen, das sie 2005 gleichzeitig an der Humboldt-Universität begannen. Ihre Freundschaft hielt, auch wenn sich die Wege des Trios zwischendurch trennten. Schließlich 2014: die erste Idee und das erklärte Ziel, gemeinsam ein Start-up zu gründen.

Gründungsseminar an der Freien Universität

„Bevor wir genau wussten, was wir machen wollten, wussten wir schon, dass wir es gemeinsam als Team machen wollten“, erzählt Dominik Sarma. Sie besuchten ein Gründungsseminar an der Freien Universität, konkretisierten ihr Vorhaben, nahmen 2015 am Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg teil und erreichten mit ihrer Visualisierung der Geschäftsidee den ersten Platz.

Ihre Geschäftsidee ist ein neues Verfahren zur Reinigung von Peptiden. Peptide sind kurze Molekül-Ketten aus Aminosäuren, den Bausteinen der Proteine.

Peptide für Medikamente müssen völlig rein sein

Wenn Chemiker Substanzen herstellen, fließt ein großer Teil ihrer Arbeitszeit in die Bemühung, diese Stoffe „aufzureinigen“, das heißt, sie in möglichst reiner Form zu gewinnen. Das gilt auch für Peptide.

Sie sind unentbehrlich für Stoffwechselvorgänge und damit vielversprechende Wirkstoffkandidaten für Medikamente. Damit sie in reiner Form vorliegen, müssen auch sie aufgereinigt werden. Dafür hat Belyntic ein Verfahren entwickelt, das schneller und einfacher ist als die bisher verfügbaren.

Gemisch in Einzelteile trennen

„HPLC-free“ ist dabei das wichtigste Schlagwort. Chemiker verstehen sofort, worum es geht: Die Reinigung funktioniert ohne die meistens verwendete – „und nervige“, so Dominik Sarma – Hochleistungsflüssigkeitschromatografie (englisch: high performance liquid chromatography, HPLC).

Sehr vereinfacht gesagt, handelt es sich dabei um ein Verfahren, mit dessen Hilfe ein Gemisch an Substanzen in seine Einzelteile getrennt werden kann.

Durch den Erfolg beim Businessplan-Wettbewerb hatten die Wissenschaftler bereits viel Aufmerksamkeit bekommen. Nun suchten sie eine Finanzierung für die nächsten Schritte.

Patent hilft bei der Finanzierung

Doch das erwies sich als schwierig – noch ohne eigenes Patent. Vor allem Robert Zitterbart investierte viel Zeit in die Weiterentwicklung des Forschungsansatzes. „Damit konnten wir dann ein Patent anmelden“, erzählt Oliver Reimann, „und hatten den Grundbaustein gesichert für die Finanzierung durch den Exist-Forschungstransfer.“

Exist ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und des Europäischen Sozialfonds (ESF). Als Drittmittelprojekt der Humboldt-Universität und in Kooperation mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung bezogen die Gründer ihr Labor in Adlershof.

Betriebswirt ins Boot geholt

Aber noch etwas fehlte dem Erfolgsteam: „Das Exist-Programm gibt vor, dass man auch betriebswirtschaftliches Know-how an Bord holt“, erklärt Dominik Sarma. Andreas Regnery, technischer Betriebswirt mit mehrjähriger Erfahrung in der Managementberatung, bewarb sich auf diese Position.

„Und es hat sofort gepasst“, so Sarma. Seitdem ist Regnery der vierte Mann.

Der Exist-Forschungstransfer ist in der ersten Förderphase mit etwas mehr als 700.000 Euro dotiert. Das Geld half ihnen, ihren wissenschaftlichen Ansatz weiterzuentwickeln und die Firmengründung vorzubereiten: den Gesellschaftervertrag formulieren, einen ausführlichen Businessplan erstellen, eine Strategie für Vertrieb und Marketing entwerfen beispielsweise.

Aufteilung in Technik- und kaufmännisches Team

Jeder im Team hat seine Aufgaben. „Oliver und Robert sind nominell das technische Team und machen eher die praktische Arbeit im Labor“, erzählt Sarma. Er selbst und Andreas Regnery verstehen sich eher als kaufmännischer Part und verbringen mehr Zeit im Büro.

„Aber grundlegende strategische Entscheidungen treffen wir immer zu viert.“ Eine solche Grundsatzentscheidung zum Beispiel war, dass sie ihre Idee nicht nur entwickeln und dann weiterverkaufen wollen. Sie möchten das Unternehmen selbst führen und weiterentwickeln.

Durch Diskutieren zum besten Ergebnis

Vier gleichberechtigte Geschäftsführer in einer Firma – kann das funktionieren? Die Belyntic-Gründer sagen: Das geht, und zwar sehr gut. „Es gibt natürlich Diskussionen. Aber es ist eigentlich gut, dass wir nicht immer die gleichen Standpunkte vertreten“, findet Reimann.

„Dadurch, dass wir immer viel miteinander kommunizieren, kristallisiert sich am Ende die beste Idee heraus.“

Erneut erster Preis beim Gründer-Wettbewerb

2018 ist ein erfolgreiches Jahr für die Gründer. Wieder nahmen sie am Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg teil – diesmal mit dem kompletten Businessplan und nicht nur der Visualisierung ihrer Idee – und belegten erneut den ersten Platz.

Es folgte die eigentliche Gründung von Belyntic im Mai. Es sei aber ein „constant struggle“, ein andauerndes Bemühen, wie Robert Zitterbart einwirft.

Zweite Exist-Förderphase hat begonnen

Das Team steht in der nun zweiten Exist-Förderphase vor neuen Herausforderungen. Zwar können Kunden aus der Chemie- und Pharmabranche ein erstes Produkt in verschiedenen Ausführungen im firmeneigenen Online-Shop kaufen.

Doch für den Markteintritt im großen Stil muss die Technologie noch weiterentwickelt werden. „Wir werden wohl noch eine weitere Finanzierung benötigen, um die Anlaufphase zu bestreiten“, sagt Reimann. Dafür sind sie bereits auf der Suche.