Auslandsstation

Junge Ungarin bringt Betriebe und Lehrlinge zusammen

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Christine Persitzky
Agnes Makra hat in Ungarn Germanistik und Tourismus studiert. Seit einigen Jahren arbeitet sie in Berlin.

Agnes Makra hat in Ungarn Germanistik und Tourismus studiert. Seit einigen Jahren arbeitet sie in Berlin.

Foto: Sven Lambert

Agnes Makra arbeitet für den Berliner Verein GEB. Dort unterstützt sie Auszubildende dabei, internationale Berufspraktika zu machen.

Berlin.  In den späten 1990er-Jahren war Agnes Makra Grundschülerin in der südungarischen Stadt Szeged. Ihre Freundinnen entschieden sich für Deutsch als erste Fremdsprache, also lernte auch sie die Sprache.

Was nicht die schlechteste Wahl war: Im Jahr 1999 kann Agnes Makra dadurch an einem Jugendbegegnungsprogramm der Gesellschaft für Europabildung (GEB) teilnehmen und nach Strausberg bei Berlin reisen. Es ist der Anfang eines nun schon 20 Jahre währenden Kontakts zwischen der Ungarin und der Berliner Organisation, für die sie heute als Programm-Managerin arbeitet.

Verein fördert den europäischen Gedanken

Die GEB wurde 1989 unter dem Namen „Romanisches Büro“ von Studierenden und Lehrenden der Freien Universität Berlin gegründet. Als gemeinnütziger Verein soll sie den europäischen Gedanken und das persönliche Kennenlernen über Grenzen hinweg fördern.

Mitglieder sind engagierte Einzelpersonen, Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen.

Finanziert durch Mittel der Europäischen Kommission, hat die GEB nach eigenen Angaben in den vergangenen zehn Jahren mehr als 3000 Personen aus Deutschland gefördert, die, meist während ihrer Ausbildung, einen berufsbezogenen Auslandsaufenthalt absolviert haben. Gleichzeitig wurden rund 4000 junge Menschen aus dem Ausland betreut, die für mehrwöchige Berufspraktika in Berlin waren.

Berufseinstieg in der Touristikbranche

Agnes Makra studierte nach der Schule in Szeged Germanistik und Tourismus. Sie arbeitete erst als Rezeptionistin und in einem Reisebüro, dann als Lehrerin in einer Fachschule für Försterei. Dort hatte sie auch mit Jugendlichen mit besonderem Unterstützungsbedarf zu tun, beispielsweise aus schwierigen familiären Verhältnissen.

Unter anderem organisierte Makra Fortbildungen für die Lehrer der Fachschule. Partnerorganisation in Berlin ist die GEB – und so lebte der Kontakt zu der Gesellschaft wieder auf, die Makra schon als Jugendliche kennengelernt hatte.

Die richtige Gelegenheit, um ins Ausland zu gehen

Schließlich bekam sie die Möglichkeit, ein Jahr bei der GEB im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes (EFD) zu arbeiten. „Ich wusste gar nicht, dass so etwas existiert“, sagt Makra. „Meine ehemalige Lehrerin hat mir davon erzählt.“ Da sie mit ihrem Germanistik-Studium im Hintergrund sowieso nach Deutschland wollte, war dies die passende Gelegenheit.

Agnes Makra arbeitete bei der GEB zunächst in der sogenannten Outgoing-Abteilung, war also für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Deutschland zuständig, die in ein anderes Land gehen wollen.

„Das waren meistens Berufsschüler“, erklärt die 31-Jährige. „Vor allem solche, die eine Ausbildung als Erzieher, in Sozialpädagogik oder in ähnlichen Bereichen machen, und die dann ihr vorgeschriebenes Praktikum im Ausland absolvieren.“

Zum Job gehört viel Organisatorisches

Zu ihren Aufgaben gehörte, mit den ausländischen Partnerorganisationen zu sprechen, Vorbereitungsseminare zu organisieren und sich um die erforderlichen Dokumente und Praktikumsverträge zu kümmern.

Die Arbeit machte ihr Spaß, ihr Arbeitgeber schätzte sie, also bot er ihr nach dem Freiwilligenjahr einen festen Job an. Sie akzeptierte und ist nun für die andere GEB-Abteilung, die Incomings, tätig.

Dort unterstützt sie Berufsschüler vor allem aus Polen, aber auch aus Italien, Frankreich und Tschechien, die im Rahmen ihrer Ausbildung ein Pflichtpraktikum von mehreren Wochen in Deutschland verbringen. Automechaniker sind das zum Beispiel und Konditoren.

Makra sucht Praktikumsplätze und Unterkünfte für sie, betreut die jungen Erwachsenen in Berlin und stellt das kulturelle Begleitprogramm zusammen. Außerdem ist sie für die Dokumentation der Projekte verantwortlich.

Längerfristige Praktika bringen mehr

Auch am neuen Pilotprojekt für längere Auslandsaufenthalte ProMove (Promotion of Long Term Mobility) ist Makra beteiligt. „Wir haben gesehen, dass die kurzfristigen Aufenthalte nicht so günstig sind“, erzählt die 31-Jährige.

„Und auch die Unternehmen sagen: In vier Wochen können die Praktikanten fast nichts lernen, und es ist ein so großer Aufwand.“ Hinzu kommen manchmal noch Sprachschwierigkeiten, die sich in so kurzer Zeit meist nicht beheben lassen.

Mit ProMove sollen nun sowohl die Auszubildenden als auch die Betriebe darin unterstützt werden, längere Berufspraktika von sechs bis zwölf Monaten durchzuführen – und zwar erst nach Ende der Berufsausbildung. Außer Deutschland beteiligen sich Italien, die Niederlande, Polen, Slowenien, Spanien und Großbritannien daran.

Erfolg bei der Arbeit ist ihre Motivation

An ihrem Job macht Agnes Makra vor allem der Kontakt zu Menschen Spaß. Sie räumt aber ein: „Das ist auch manchmal ein bisschen anstrengend, weil die Leute sehr unterschiedlich sind.“

Es ist der Erfolg ihrer Arbeit, der sie motiviert: „Wir haben erlebt, dass die Schüler für ein vierwöchiges Praktikum nach Deutschland kommen – und am Ende bekommen sie dann ein Jobangebot“, erzählt sie stolz. Wenn Praktikant und Unternehmen zusammenpassen, habe sie das Gefühl, ihre Arbeit gut gemacht zu haben.

Obwohl sie hier am richtigen Platz zu sein scheint, wird sie ihr Leben bald ändern. Die 31-Jährige will sich weiterentwickeln. „Ich habe bei der GEB sehr viel gelernt, auch über mich selber“, sagt sie.

Aber manchmal fehlt ihr ihre Heimat. „Man ist hier weit weg von der Familie, das ist auch nicht einfach“, sagt sie. Sie wird nach Ungarn zurückgehen. Für Juli hat sie ihre Hochzeit geplant. Der Kontakt zu Deutschland aber wird bleiben: Bei ihrem neuen Arbeitgeber soll sie für die deutschen Kunden zuständig sein.

Info: Was macht der Verein GEB?

Die Gesellschaft für Europabildung (GEB) verknüpft die Förderung von jungen Menschen und ihren Ausbildern mit dem europäischen Gedanken. Sie vermittelt Stipendien, organisiert Fortbildungen und betreibt Bildungsforschung.

Die GEB präsentiert ihre Projekte online. Das jüngste etwa war das Training „Teaching Political Tools to Young People“, an dem Beschäftigte aus der Jugendarbeit in Tunesien und Deutschland teilnahmen.