Arbeitsmarkt

Mikrobiologen: „In dem Beruf wird man nicht arbeitslos“

Mikrobiologen werden immer gebraucht: Eine Professorin informiert über das Studium, Abschlüsse und Karrierewege in ihrem Fachgebiet.

Die Einsatzgebiete von Mikrobiologen reichen von der Abwasserklärung über die Lebensmittelsicherheit bis hin zur Kriminologie.

Die Einsatzgebiete von Mikrobiologen reichen von der Abwasserklärung über die Lebensmittelsicherheit bis hin zur Kriminologie.

Foto: Drazen_ / Getty Images

Berlin.  Professorin Haike Antelmann promovierte und habilitierte sich im Fach Mikrobiologie an der Universität Greifswald. Die Professorin forscht und lehrt seit zwei Jahren am Institut für Biologie/Molekulare Mikrobiologie der Freien Universität (FU) Berlin. Mit der 48-Jährigen sprach Adrienne Kömmler über ihre Begeisterung für Mikrobiologie und die Karrieremöglichkeiten für Berufseinsteiger.

Berliner Morgenpost: Frau Professor Antelmann, wie haben Sie selbst die Mikrobiologie für sich entdeckt?

Haike Antelmann: Ich bin über mein Biologie-Studium dazu gekommen und fand besonders die Molekulare Mikrobiologie interessant. Das Leben von Bakterien im Detail sowie ihre vielfältigen Anpassungen an veränderte Umweltbedingungen und Infektionen zu verstehen, das finde ich besonders spannend.

Bakterien sind einfach aufgebaut und eignen sich sehr gut als Modelle, um Lebensprozesse von Zellen zu untersuchen. Sie können sich an verschiedene Lebensräume anpassen und bestimmen die Stoffkreisläufe im Ökosystem. Das Thema ist unheimlich vielfältig. Es freut mich, wenn ich die Begeisterung dafür auch bei meinen Studenten spüre.

Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollten Studierende haben, die ihren Berufsweg in der Mikrobiologie finden wollen?

Präzision ist bei der Arbeit als Mikrobiologe wichtig, besonders bei der Laborarbeit. Man muss sehr genau sein, mit Computern und Technik sicher umgehen können. In der Forschung ist es wichtig, eigene Ideen zu entwickeln. Man sollte sich für bestimmte Themen der Mikrobiologie begeistern und frühzeitig in Laboren mitarbeiten.

Ist ein Masterabschluss sinnvoll? Und wie steht es um die Promotion, gerade für Studentinnen?

Es kommt darauf an, was man beruflich machen will: ob man sich für die Forschung und eine akademische Laufbahn interessiert oder wie hoch man die Karriereleiter klettern will. Für Frauen ist eine Karriere in der Forschung immer noch eine Herausforderung. Das Bachelor- und Masterstudium in der Biologie absolvieren sehr viele Frauen. Nach der Promotion gibt es allerdings nur wenige, die sich eine akademische Laufbahn bis hin zur Professur zutrauen.

Möglicherweise liegt das an Familienplanungen und der Meinung, ein Kind nicht mit der Karriere in Einklang zu bekommen. Das finde ich schade, da Frauen in der Wissenschaft doch sehr angesehen sind. Deshalb ermutige ich besonders Studentinnen zur Promotion, zur weiteren Karriere und zu Auslandsaufenthalten, damit sie ihre Forschung selbstständig aufbauen können. Eine Promotion ist auch in der Industrie gerne gesehen, wenn man eine leitende Funktion anstrebt.

Wo arbeiten die Absolventen nach ihrem Abschluss?

Neben der Forschung in Universitäten und anderen Institutionen gibt es sehr vielfältige Einsatzgebiete. Breite Möglichkeiten bieten die pharmazeutische und biotechnologische Indus­trie sowie die Lebensmittelbranche. Dort gibt es verschiedene Beschäftigungsbereiche. Diese reichen von der Produktentwicklung über die Produktions- und Qualitätskontrolle bis zum Produktmanagement. Die breite Palette der Aufgabengebiete reicht weiterhin von der Abwasserklärung über die Kriminologie, Medizin, Diagnostik, Gentechnik bis hin zum Umweltschutz.

Wie gut sind die Chancen von Mi­krobiologen auf dem Arbeitsmarkt?

Die Perspektiven sehe ich sehr positiv. Brot, Käse oder Milch werden auch künftig produziert, dort kommen Mikroorganismen zum Einsatz. Lebensmittelkon­trolle ist wichtig, damit Salmonellenbefall ausgeschlossen wird. Die Diagnostik von Krankheitserregern und Antibiotika-Resistenzen bleibt essenziell. Wenn ein Öltanker explodiert, werden auch perspektivisch Bakterien bei der Katastrophenbeseitigung im Einsatz sein. Damit dürfte klar sein: Als Mikrobiologe wird man nicht arbeitslos.