Junge Profis

Berliner Chemikerin gründet Entdeckerlabor für Kinder

Cristina Pulido will Jungen und Mädchen in Berlin Wissenschaft erleben lassen. Ihr Labor „Entdeckum“ im Prenzlauer Berg läuft rentabel.

Cristina Pulido bringt Kindern Wissenschaft spielend näher.

Cristina Pulido bringt Kindern Wissenschaft spielend näher.

Foto: Christian Kielmann

Berlin.  Am Ende fehlten ein paar Stimmen, um ins Finale des Idee-Förderpreises 2017 einzuziehen. „Doch für mich war es schon ein Sieg, überhaupt so weit zu kommen“, sagt Cristina Pulido. Bei 146 Bewerberinnen um den Preis für innovative Existenzgründungen war sie unter den letzten dreizehn Teilnehmerinnen. Pulido hatte sich mit ihrer vor zwei Jahren realisierten Geschäftsidee „Entdeckum – Das Labor für Kinder“ beim Förderpreis vorgestellt. Damit bringt sie Kindern auf spielerische Art die Naturwissenschaften näher.

Zum Beispiel diesen neun kleinen Forschern im Alter von vier und fünf Jahren: Sie sitzen im Entdeckum im Prenzlauer Berg an einem Tisch und starren auf einen Teller voll Milch. Die Mädchen und Jungen sind aus einer nahegelegenen Kita, auf dem Stundenplan steht „Wasser und andere Flüssigkeiten“. Sie sollen erfahren, wie Farbpigmente sich verhalten, wenn die Oberflächenspannung der Milch gestört wird.

Naturphänomene in einfachen Worten erklärt

Es ist ein farbenfrohes Experiment, das die Kinder zum Jauchzen bringt. Mit einer Pipette gibt Pulido der Milch Farbtropfen in Rot, Gelb, Grün und Blau hinzu. Klar voneinander abgetrennt schwimmen sie auf der Flüssigkeit. Mit einem Wattestäbchen geben die Kinder ein wenig Spülmittel hinzu. Das zerstört die Oberflächenspannung, die Farben sprengen auseinander. Für die Kinder ist es Zauber, für die 36-jährige Chemikerin Cristina Pulido ein logischer Prozess, den sie den Mädchen und Jungen in einfachen Worten erläutert.

Es ist die erste Stunde für die Kita-Kinder, die künftig einmal im Monat ins Labor kommen werden, um Kurse zu besuchen. „Wie funktioniert Elektrizität“ ist im Angebot, aber auch „Die Mikroskopische Welt: Ich sehe was, was du nicht siehst“ ist ein Thema. Besonders beliebt sei die Stunde „Wir züchten Kristalle“, sagt Pulido. Dabei geben die Kinder das Salz Alaun in eine Zuchtlösung und halten nach kurzer Ruhezeit einen leuchtend roten oder blauen Kristall in den Händen.

Schon als Kind war Pulido neugierig

Cristina Pulido wurde schon in ihrer Kindheit in Barcelona von Neugier angetrieben. Sie wollte forschen und studierte Chemie und Mathematik. Nach dem Diplomabschluss arbeitete sie jahrelang in der Forschungsabteilung eines Pharmakonzerns, stieg aber schließlich aus, um anderen ihr Wissen zu vermitteln. Zu diesem Zweck gründete Cristina Pulido eine Privatschule für Studierende. Außerdem arbeitete sie als Dozentin an der Universitat de Barcelona und forschte am daran angeschlossenen Wissenschaftspark „Parc Cientific de Barcelona“.

Dann zog sie aus privaten Gründen nach Berlin. Fortan war sie an der Charité an Projekten im Bereich der Neurowissenschaften beteiligt. „Ich habe beispielsweise daran geforscht, wie zwei Proteine miteinander interagieren, die mit bestimmten Krankheiten zu tun haben“, erzählt sie. Doch nicht für lange: Wie es an öffentlichen Forschungseinrichtungen üblich ist, war sie immer wieder nur befristet angestellt. „Ich fühlte mich mit über 30 Jahren zu alt, um mich weiter von Vertrag zu Vertrag zu hangeln“, sagt sie. „Mir wurde klar, dass ich meinen eigenen Weg gehen möchte.“

Gründungszuschuss von der Arbeitsagentur

Sie besann sich auf ihre andere Leidenschaft – das Unterrichten. Schon während ihrer Schulzeit hatte Cristina Pulido Nachhilfe gegeben. „Mit dem Kinderlabor verwirkliche ich meinen Traum, Wissenschaft, Unterricht und die Arbeit mit Kindern zu vereinen“, sagt die Gründerin.

Von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es einige Wochen. Von der Arbeitsagentur, bei der sie arbeitssuchend gemeldet war – das ist üblich zwischen einer beendeten und einer neu startenden Forschungsarbeit –, bekam sie für ihre Idee, ein Entdeckerlabor für Kinder ins Leben zu rufen, erst guten Zuspruch und dann einen Gründungszuschuss.

Für sechs Monate gewährt die Arbeitsagentur Existenzgründern eine Förderung in Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes. Zusätzlich gibt es 300 Euro für die soziale Absicherung, etwa für Beiträge an die Krankenversicherung. Wer hauptberuflich unternehmerisch tätig wird, erhält im Anschluss an dieses halbe Jahr für weitere neun Monate je 300 Euro.

Nach sechs Monaten trug sich die Gründung

Ausgestattet mit dieser finanziellen Hilfe und Eigenkapital konnte Cristina Pulido in der Nähe vom Kollwitzplatz ihr Kinderlabor eröffnen. Ungefähr sechs Monate dauerte es, bis ihre Einnahmen erstmals die monatlichen Kosten deckten. Rentabel wurde ihre Geschäftsidee erst zum Ende des zweiten Jahres. Um neue Kunden bemüht sie sich immer noch intensiv: Sie macht Online-Werbung über Facebook und Instagram und schreibt Briefe an Kitas. Inzwischen hilft ihr auch die Mundpropaganda von zufriedenen Eltern und Erziehern.

Bis zu vier Gruppen mit Kindern im Alter von vier bis zwölf Jahren forschen nun regelmäßig im Labor. Sie erkunden, warum einige Objekte im Wasser schwimmen können und andere nicht, sie erfahren, warum Salz Eis zum Schmelzen bringt oder weshalb man sich die Hände mit Seife waschen muss. „Kinder haben so viele Fragen“, sagt Cristina Pulido. „Es ist schade, wenn man versucht, sie nur theoretisch zu beantworten.“

Den Weg in die Selbstständigkeit bereut sie nicht. Ihr Beruf macht ihr Freude, Jungen und Mädchen sind gleichermaßen begeistert von ihrem Angebot. Und vielleicht werden aus den kleinen ja einmal große Forscher. Die naturwissenschaftlichen und technischen Berufe („MINT“) brauchen qualifizierten Nachwuchs – Cristina Pulido begleitet ihn auf seinen ersten Schritten.