Berufseinstieg

Bis zu 150.000 Euro Anfangsgehalt für KI-Entwickler

Fabian Westerheide von Asgard Capital ist überzeugt: Bis 2030 ist alles in unserem Leben digitalisiert. Er berichtet über die Branche.

Künstliche Intelligenz ist ein kognitives System, das imstande ist, zu begreifen und eigene Entscheidungen zu treffen.

Künstliche Intelligenz ist ein kognitives System, das imstande ist, zu begreifen und eigene Entscheidungen zu treffen.

Foto: JGalione / Getty Images

Berlin.  Mit seinem Unternehmen Asgard Capital investiert Fabian Westerheide (31) in innovative Technologien wie künstliche Intelligenz (KI), Roboter, Drohnen und „Connected Hardware“, die beispielsweise das Vernetzen von Fahrzeugen ermöglicht. Der Kapitalgeber ist überzeugt, dass bis 2030 jeder Bereich unseres Lebens digitalisiert sein wird. Mit dem KI-Visionär sprach Yvonne Scheller.

Herr Westerheide, was genau ist eigentlich künstliche Intelligenz?

Fabian Westerheide: Künstliche Intelligenz ist ein kognitives System, das imstande ist, zu begreifen und eigene Entscheidungen zu treffen. Darin unterscheidet sich ein KI-System von Machine Learning, es geht einen Schritt weiter.

Nehmen Sie einen Roboterarm in der Fertigung, dem heute noch jeder Wegpunkt einzeln programmiert wird. In Zukunft wird es schlicht heißen: Finde das Objekt, hebe es, und transportiere es auf dem optimalen Weg zum Zielort. Im Grunde geht es immer darum, mit KI Probleme zu lösen. Etwa Maschinen intelligenter oder einen Prozess effektiver zu gestalten.

Sie bezeichnen sich als Unternehmer und Investor mit Leidenschaft für KI – was fasziniert Sie so daran?

Westerheide: KI ist die logische Fortsetzung von Software. Eigentlich sollte jede Software mitdenken können, um unsere Welt intelligenter zu machen. Dann würde die Software etwa anhand meines onlinegeführten Kalenders erkennen: Du brauchst dein Auto heute nicht, also kannst du es jemand anderem zur Verfügung stellen. Solche intelligenten Anwendungen betreffen uns auf so vielen Ebenen und sind in allen Branchen einsetzbar, das ist faszinierend.

Was muss ich tun, um auf diesem Feld beruflich Fuß zu fassen?

Westerheide: Ich empfehle ein technisches Studium – von Mathematik und Physik über kognitive Studiengänge bis zu Computer Science mit Schwerpunkt auf KI, Robotik und Machine Learning. Und das am besten in Kombination mit einem BWL-Studium und/oder einem Praktikum, beispielsweise in einer Unternehmensberatung.

Was ist über das Fachliche hinaus wichtig?

Westerheide: Das Thema mit echter Begeisterung zu verfolgen, also zu Meet-ups und Kongressen gehen, interessanten Leuten bei Twitter folgen, Blogs lesen. Ich lese zum Beispiel immer noch mit Leidenschaft Science-Fiction-Literatur. Und aktiv werden. Erste Ideen lassen sich vielfach schon im Umfeld von Gründernetzwerken an der Universität ausprobieren.

Aber eins muss klar sein: KI ist ein komplexes Feld. Wer hier Erfolg haben möchte, muss wissen, wie das geplante KI-System gebaut und realisiert werden soll, und das Ganze muss eine wirtschaftliche Perspektive haben. Dazu gehört neben dem technischen Know-how Kreativität, Passion, Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit. Für eine ganz falsche Idee halte ich es, sich den Beruf auszusuchen, weil sich hier Geld verdienen lässt.

Lässt sich denn Geld verdienen?

Westerheide: Sogar ziemlich gut. Das Einstiegsgehalt dürfte bei etwa 60.000 Euro für Angestellte liegen, KI-Entwickler können mit 120.000 bis 150.000 Euro starten. Für Start-ups rechnet man etwa 30 Prozent weniger, doch das wird durch Firmenanteile kompensiert und dadurch, unternehmerisch involviert zu sein.

Ist Berlin ein guter KI-Standort?

Westerheide: Berlin ist nach London der zweitgrößte Markt in Europa und der viertgrößte weltweit. Zürich ist im deutschsprachigen Raum noch interessant, aber für Berlin sprechen das noch vergleichsweise gute Preis-Leistungs-Verhältnis beim Wohnraum und die Internationalität. Hier siedeln sich immer mehr innovative Unternehmen aus dem In- und Ausland an, was die Grundlage für ein hochkarätiges Netzwerk ist. Und Austausch und Netzwerken sind die Treiber von Innovation und Erfolg.

Ein Blick in die Zukunft: Sie sind angeblich überzeugt, dass es 2030 für jeden Menschen einen Roboter gibt?

Westerheide: Statistisch umgerechnet auf jeden Deutschen, ja. Aber ich denke dabei zum Beispiel auch an eine saubere, voll automatisierte Fabrik und autonome, also KI-gesteuerte Lkw, Flugzeuge und Autos. KI werden wir zunehmend im militärischen Bereich sehen oder als Drohnen, die Pakete abliefern. In Dubai werden Roboter bereits bei der Jagd nach Verkehrssündern eingesetzt und stellen Tickets für Falschparker aus.

Aber es muss nicht immer ein haptisch greifbarer Roboter sein, der ist ja nur die Hülle für die KI. Ein KI-System kann beispielsweise ein Gelände sichern, indem es die Umgebung scannt und Unbefugte erkennt – anstatt dass ein Nachtwächter mit Taschenlampe umgeht.