Mit der Referentin für Aus- und Weiterbildung beim Berliner Landesverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Kathrin Pabst, sprach Christine Persitzky.
Berliner Morgenpost: Frau Pabst, in Berlin sind zahlreiche Ausbildungsplätze in der Hotelbranche unbesetzt. Woran liegt das, und wie reagieren die Hotels?
Kathrin Pabst: Der Tourismus boomt enorm, nicht nur in Berlin, auch weltweit. Entsprechend gibt es einen steigenden Bedarf an Fachkräften und auch mehr Ausbildungsplätze. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Schüler. Deshalb haben rund 60 Prozent der Betriebe Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen.
Langsam bessert sich die Situation aber, weil inzwischen auch anders gesucht wird. Viele Betriebe geben lernschwächeren Schülern eine Chance, selbst wenn damit mehr Aufwand verbunden ist, zum Beispiel Nachhilfe in den Sprachen oder in Mathe. Die Branche zeigt außerdem großes Engagement bei der Einstellung von Geflüchteten, auch als Azubis. Und das funktioniert in unseren Betrieben hervorragend, weil wir schon immer internationale Teams hatten.
Wie wird die Qualität der Ausbildung sichergestellt?

Pabst: Wir haben im Jahr 2012 die Initiative Ausbildung mit Qualität gegründet, die sich auf die Betriebe konzentriert, die eine sehr gute Ausbildung anbieten und sich an festgelegte Leitsätze halten. Dafür bekommen sie ein Siegel, das durch anonyme Befragung der Azubis jährlich überprüft wird. So sehen die Ausbildungsbetriebe auch genau, wo die Azubis zufrieden sind und wo vielleicht noch nachgebessert werden muss.
Für die Schüler ist das Siegel eine Orientierungshilfe, wenn sie nach einem vernünftigen Ausbilder suchen. Für die Betriebe macht das zwar erst mal viel Arbeit, zahlt sich aber letztendlich aus, weil sie ihre Ausbildungsplätze leichter besetzen können.
Kann ich mit einer Ausbildung auch Führungspositionen erreichen?
Pabst: Die duale Ausbildung ist ein Fundament, auf dem man sehr gut aufbauen kann. Wenn ich nach der Ausbildung ein paar Jahre ins Ausland gehe – was absolut problemlos funktioniert –, bin ich danach auf der Karriereleiter gleich zwei bis drei Stufen nach oben geklettert.
Wenn ich zusätzlich betriebswirtschaftliche Kenntnisse erwerben will, habe ich sehr viele Möglichkeiten zu studieren: berufsbegleitend, in Vollzeit, an der staatlichen Hotelfachschule mit dem Ziel Betriebswirt, an privaten Hochschulen mit Bachelor und Master in Hotelmanagement. Zwingend erforderlich ist ein Studium aber nicht, selbst für die oberste Management-Ebene.
Außer guten Karrierechancen – was macht Hotelberufe attraktiv?
Pabst: Viele junge Leute wollen ja gerade keinen Nine-to-five-Job, bei dem sie den ganzen Tag am Computer sitzen. Sie wollen einen sicheren Job, sie wollen ins Ausland gehen können, und sie wollen eine abwechslungsreiche Arbeit – und das bieten wir alles an. Bei uns ist kein Tag wie der andere. Und wir können sagen: Mit einer Ausbildung bei uns in der Branche hast du eine lebenslange, weltweite Jobgarantie.
Abschreckend sind nur die Arbeitszeiten . . .
Pabst: Schichtdienst und unbequeme Arbeitszeiten gibt es auch in vielen anderen Berufen, zum Beispiel bei der Bundeswehr oder bei der Polizei – und die haben viele Bewerber. Das scheint also nicht so im Fokus zu stehen. Klar, den Schichtdienst werden wir nicht ändern können, auch nicht, dass wir dann am meisten arbeiten, wenn andere freihaben. Das tun wir aber an sehr schönen Arbeitsplätzen, in tollen Hotels. Und die Mitarbeiter werden inzwischen beim Aufstellen des Dienstplans oft auch besser einbezogen, und entsprechend zufriedener sind sie dann mit dem Resultat.
Profitiert ein Hotel davon?
Pabst: „Der Gast ist König“ stand in der Hotelbranche immer im Mittelpunkt. Die Mitarbeiter wurden dabei zu lange vergessen. Toll finde ich, dass sie jetzt langsam stärker in den Fokus rücken. Glückliche Mitarbeiter machen die Gäste von alleine glücklich, und der Umsatz kommt dann ganz automatisch.


