Rund um die Gesundheit des Menschen hat sich ein riesiger, wachsender Markt für Medizin, Beratung und Produkte entwickelt. Parallel steigt der Bedarf an Fachkräften, die sich mit der wirtschaftlichen Seite des Heilens auskennen: die Gesundheitsmanager.

Sie arbeiten in allen möglichen Bereichen des Gesundheitswesens, in Krankenhäusern und Versorgungszentren ebenso wie bei Krankenkassen, Versicherungsanbietern und großen Wirtschaftsunternehmen, die in ein betriebliches Gesundheitsmanagement investieren. Die Aufgaben der Gesundheitsmanager: verwalten, kontrollieren, ökonomische Konzepte entwickeln. Vier Beispiele aus der Praxis.

Eine Woche lernen, die nächste Woche arbeiten

Chenoa Sauer möchte später im Management arbeiten. Für die Gesundheitsbranche interessierte sich die 19-Jährige schon länger: Die Menschen werden immer älter und wollen gesund bleiben, so ihre Überlegung. Sauer besuchte Job- und Ausbildungsmessen, sprach dort mit vielen Menschen. „Mir war es sehr wichtig, einen Beruf zu lernen, in dem ich später auch gebraucht werde“, sagt sie.

Also entschied sich die Abiturientin für ein duales Fernstudium im Fachbereich Gesundheitsmanagement an der University of Applied Sciences (IUBH). Inzwischen ist sie im zweiten Semester.

Die Ausbildung erfolgt im wöchentlichen Wechsel: eine Woche sitzt die 19-Jährige über ihren Büchern und lernt, in der nächsten Woche arbeitet sie in ihrem Ausbildungsbetrieb, dem Verein für Integrative Therapeutische Angebote (VITA). Er betreibt in Berlin 14 Einrichtungen für psychisch kranke, bedürftige und demente Menschen, unter anderem Pflegeheime, Wohngemeinschaften, Obdachlosenheime und Betreutes Wohnen.

Alle Abteilungen im Betrieb kennenlernen

Dreieinhalb Jahre dauert ihre Ausbildung insgesamt. In dieser Zeit wird sie alle Stationen des Betriebs durchlaufen. Angefangen hat sie in der Verwaltung. Auch die Aufgaben in der Personalabteilung hat sie schon kennengelernt. Derzeit arbeitet Chenoa Sauer in der Geschäftsleitung mit.

Anschließend stehen Buchhaltung und Marketingabteilung auf dem Ausbildungsplan. „Am dualen Studium gefällt mir vor allem der starke Praxisbezug“, sagt Sauer. An der Hochschule hat sie unter anderem eine Einführung ins deutsche Gesundheitssystem erhalten. „Im Betrieb sehe ich dann, wie die Theorie praktisch funktioniert.“

Ab dem vierten Semester kann sich Chenoa Sauer im Studium an der IUBH auf Pflege- oder Krankenhausmanagement spezialisieren. „Pflege würde mir passen“, sagt sie. „Anschließend möchte ich einen Master machen.“ Wo sieht sie sich danach? „Erst einmal möchte ich gerne bei Vita bleiben“, sagt sie. „Es ist toll, so ein großes Unternehmen kennenzulernen und für so viele Bereiche gerüstet zu sein.“

Krankenpfleger mit Zusatzwissen

Holger Bühler (32) hatte ursprünglich einen anderen Plan: Menschen heilen, in einem Krankenhaus arbeiten – so stellte er sich seine berufliche Zukunft vor. Hätte ihn der Numerus clausus nicht zu einer langen Wartezeit gezwungen, hätte er gleich Medizin studiert. So nutzte er die Zeit und absolvierte erst einmal eine Ausbildung zum Krankenpfleger.

Fünf Jahre hat er in dem Beruf gearbeitet, bis er dann doch noch einen Studienplatz in Medizin bekommen hat. „Es war hart. Kurz vor dem Physikum habe ich gemerkt, dass es nichts für mich ist“, sagt der Berliner. Doch wieder in die Krankenpflege zurückzugehen kam ihm nicht richtig vor. Er wollte weiterkommen und auf seinem medizinischen Wissen und den bisherigen beruflichen Erfahrungen aufbauen.

„Auf einmal hatte ich viele Optionen“

Also hat er erst einmal gegoogelt: Gesundheitsökonomie, Pfle­gewissenschaften, Gesundheitsmanagement – „auf einmal hatte ich viele Optionen“, sagt Holger Bühler. Er immatrikulierte sich bei der privaten MSB Medical School Berlin – Hochschule für Gesundheit und Medizin. Sein Fach heißt Medical Controlling and Management.

Bühler ist im vierten Semester und arbeitet an zwei Tagen pro Woche in einem Unternehmen, das Krankenhäuser berät. Wie kann man die organisatorischen Prozesse verbessern? Wie viele Ärzte braucht das Krankenhaus? Kann das Haus ökonomischer arbeiten bei gleichbleibender Leistung? Das sind Fragen, mit denen er sich dort beschäftigt.

„Jedes Krankenhaus tickt anders“, sagt der 32-Jährige. Ein Kreiskrankenhaus habe andere Abläufe und Probleme als die große Charité. Bühler gefällt es, den Überblick zu haben. „Medizinisch, gesellschaftlich, finanziell – hier kommt alles zusammen.“

Zukunftsträchtige Ideen für Krankenhäuser

Auch Christian Riedel weiß um das große Ganze. Der 27-Jährige ist Unternehmensberater und arbeitet für gök Consulting, eine Managementberatung für Krankenhäuser und Krankenhausträger sowie weitere Unternehmen der Gesundheitswirtschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Gemeinsam mit seinen Kollegen entwickelt Riedel zukunftsträchtige Ideen für die Unternehmen. Je nach Auftraggeber geht es um die strategische Ausrichtung im wirtschaftlichen und medizinischen Bereich, um Organisationsentwicklung, Verbesserung der Prozesse, Personalplanung, Logistik, Einkauf und IT-Management. „Das macht mir Spaß. Ich bin sehr viel unterwegs, und die Arbeit ist abwechslungsreich.“

Als Werkstudent zum heutigen Arbeitgeber

Begonnen hat Christian Riedel seine Karriere als Gesundheits- und Krankenpfleger an der Charité. Mit dieser Grundlage studierte er anschließend Wirtschaftswissenschaften mit Spezialisierung im Gesundheitsmanagement an der bbw Hochschule. Während des Bachelorstudiums verbrachte er ein Semester an der Fudan University in Shanghai und begann als Werkstudent bei gök Consulting, seinem heutigen Arbeitgeber. Derzeit absolviert Riedel ein berufsbegleitendes Masterstudium in Public Health an der FOM Fachhochschule für Ökonomie und Management.

Pflegerische Ausbildung, spezialisierte Studiengänge und seine Erfahrungen aus Praktika und Berufstätigkeit ergänzen sich bei Christian Riedel gut. „Ich kenne das Krankenhaus – vom Bett bis zur Verwaltung und Finanzierung. Daher weiß ich die Arbeit aller Mitarbeiter sehr zu schätzen.“ Das sei ein Vorteil in seinem beruflichen Alltag als Berater vor Ort in den Kliniken.

Anna Sindel hat einen anderen Einstieg in die Branche gewählt. Sie interessierte sich für Mathematik, aber auch für Wirtschaft. „Du kannst doch gut organisieren“, hatte eine Freundin gesagt, als Sindel darüber nachdachte, welche Hochschulfächer für sie infrage kämen. Sindel, in Sindelfingen aufgewachsen, wurde auf die bbw Hochschule in Berlin und ihre Angebote aufmerksam.

Private Erfahrung gab den Ausschlag fürs Studium

„Ausschlaggebend für die Entscheidung, Gesundheitsmanagement zu studieren, waren allerdings private Umstände“, sagt die 28-Jährige. Ihre Großmutter wurde krank, es musste ein Pflegeheim gefunden werden. „Man hört immer furchtbare Dinge über solche Einrichtungen. Aber das Pflegeheim meiner Großmutter war erstklassig“, erzählt sie.

Offenbar dank guten Managements: „Ich bin davon überzeugt, dass man mit klugen Konzepten die Welt verbessern kann“, sagt Anna Sindel. „Gute Einrichtungen sollten Standard sein.“ An der bbw Hochschule studierte sie neben Gesundheitsmanagement auch Green Business Management, das sich mit nachhaltigen Geschäftsmodellen beschäftigt. „Eine gute Kombination“, findet Sindel.

Gesundheitsprävention im Start-up

Inzwischen hat die 28-Jährige ihren Masterabschluss gemacht und arbeitet für das Bildungswerk der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg – ein gemeinnütziger Bildungsträger, der wie ihre ehemalige Hochschule zur bbw Gruppe gehört. Dort betreut sie das Projekt Digi-Exist. „Daten und Statistiken auswerten, das liegt mir“, sagt Anna Sindel. „Durch die Analyse und Evaluation von gegenwärtigen Zuständen können nützliche Erkenntnisse für innovative Lösungsansätze gewonnen werden.“

Digi-Exist soll jungen Unternehmen von Beginn an ein Präventionsprogramm zur Verfügung stellen, das sie dabei unterstützt, gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen zu schaffen. „Gerade Start-ups vernachlässigen das betriebliche Gesundheitsmanagement“, sagt Anna Sindel. Das sei schließlich mehr, als eine Obstschale im Büro hinzustellen und Fitnesskurse anzubieten.

BGM, wie es kurz genannt wird, umfasst außer der betrieblichen Gesundheitsförderung auch den Arbeitsschutz – und der reicht von der Bürogestaltung bis zum psychologischen Beistand in persönlichen Krisen. Anna Sindels Forschungsprojekt läuft noch bis April 2019. Dann möchte die Gesundheitsmanagerin in ihrem Fachgebiet promovieren.