Arbeitsrecht

Darf der Arbeitgeber Angestellte wegen Shorts kündigen?

Mit Shorts zur Arbeitsstelle? Ob Mitarbeiter bei Hitze mit kurzen Hosen ins Büro kommen dürfen, erklärt ein Anwalt für Arbeitsrecht.

Wer Kundengespräche führen muss, wird vom Arbeitgeber selten die Erlaubnis erhalten, Shorts zu tragen.

Wer Kundengespräche führen muss, wird vom Arbeitgeber selten die Erlaubnis erhalten, Shorts zu tragen.

Foto: kickimages / Getty Images/iStockphoto

Rechtsanwalt Dr. Heiko Peter Krenz beantwortet Leserfragen zum Arbeitsrecht.

Ich habe gehört, dass ein Arbeitnehmer entlassen wurde, weil er bei der Arbeit kurze Hosen getragen hat. Ich dachte bislang immer, solche Geschichten wären ein Scherz. Darf man wirklich gekündigt werden, weil man Shorts anhat?

Das sagt der Anwalt: Die Ansichten über angemessene Kleidung am Arbeitsplatz gehen weit auseinander. Ein Anzug bei 30 Grad im Schatten ist schließlich nicht jedermanns Sache. Da würde so mancher Angestellte luftige Kleidung bevorzugen. Doch Shorts stoßen bei Arbeitgebern selten auf Gegenliebe.

Allerdings ist ein Verbot vom Chef nicht in jedem Fall berechtigt. Entscheidend ist der Einzelfall. Was an Kleidung zulässig ist und was nicht, bestimmt in erster Linie der Arbeitsplatz. Wer häufig in Kontakt mit Kunden kommt, wird stärker auf ein seriöses Auftreten achten müssen als ein Kollege, der ausschließlich Büroarbeit erledigt. Der Grundsatz lautet: Kleidung und Aussehen müssen für die Position geeignet sein.

Hat ein Mitarbeiter Kundenkontakt, kann der Arbeitgeber also untersagen, dass er in Shorts daherkommt. Durchgreifen darf er übrigens auch dann, wenn es um einschlägige Schutzvorschriften geht. So sind Schutzhelme und Sicherheitsschuhe auf der Baustelle unerlässlich. Turnschuhe und Caps wären dort tabu.

Auch bei Hygienevorschriften muss der Arbeitgeber darauf achten, dass die Mindeststandards eingehalten werden. Heißt: Die Temperaturen in der Mensaküche mögen noch so hoch sein, das Haarnetz und die Kochjacke dürfen nicht abgelegt werden.

Bei Verstößen kann eine Abmahnung folgen

Wer gegen die Anordnungen des Arbeitgebers verstößt, muss mit einer Abmahnung rechnen. Eine sofortige Kündigung ist aber in der Regel nicht möglich. Sie ist ohne vorherige Abmahnung nur bei einem besonders schwerwiegenden Verstoß zulässig. Das wird selten der Fall sein.

Wer mit der Kleiderordnung an seinem Arbeitsplatz Schwierigkeiten hat, sollte am besten das Gespräch suchen. Der Arbeitgeber ist schließlich auch dazu verpflichtet, auf die Belange der Belegschaft Rücksicht zu nehmen. Behindern hohe Temperaturen die Beschäftigten bei der Arbeit, muss er für Abhilfe sorgen.