Interview

Ausbildungswege für Erzieher in Voll- oder Teilzeit

Beim Erzieher-Beruf denken viele zunächst an Kindergärten. Doch die Pädagogen kommen auch in der Jugendfürsorge zum Einsatz.

Beim Erzieher-Beruf denken viele zunächst an Kindergärten. Doch die Pädagogen kommen auch in der Jugendfürsorge zum Einsatz.

Foto: imago stock / imago/photothek

Berufsbegleitend oder Vollzeit: Wer Erzieher werden will, kann wählen. Eine Gewerkschafterin erklärt, für wen sich welcher Weg eignet.

Christiane Weißhoff ist Erzieherin und ehrenamtlich bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin aktiv. Dort vertritt sie die Kollegen aus dem Bereich Kinder- und Jugendhilfe. Mit Dagmar Trüpschuch sprach sie über die Wege in den Erzieher-Beruf.

Berliner Morgenpost: Es gibt die Möglichkeit, sich berufsbegleitend an einer Fachschule zum Erzieher ausbilden zu lassen. Dann hat man auf der einen Seite einen Arbeitsvertrag mit einem Arbeitgeber und auf der anderen einen Ausbildungsvertrag mit der Fachschule. Worauf sollte man beim Arbeitsvertrag besonders achten?

Christiane Weißhoff: Entweder gilt ein Tarifvertrag, oder der Vertrag muss mit dem Arbeitgeber ausgehandelt werden. Verankert sein sollten alle Regelungen bezüglich Arbeitszeit, Bezahlung, Urlaub und Tätigkeit. Bei der berufsbegleitenden Ausbildung ist es in der Regel ein befristeter Arbeitsvertrag für die Dauer der Ausbildung.

Ich rate dazu, darauf zu achten, dass er für die gesamte Ausbildungszeit gilt und nicht von Jahr zu Jahr wieder neu verhandelt wird. Die berufsbegleitende Ausbildung bringt eine gewisse Abhängigkeit: Wer den Arbeitsplatz verliert, kann sein Studium nicht weiterführen.

Hat die berufsbegleitende Ausbildung die gleichen Qualitätsstandards wie die Vollzeitausbildung?

Da gibt es kleine Unterschiede. In der berufsbegleitenden Ausbildung müssen 2400 Theorie-Stunden erbracht werden, bei der Vollzeitausbildung sind es 2600 Stunden. Das bedeutet, dass die Auszubildenden in der Teilzeit noch viel Stoff im Selbststudium lernen müssen. Der andere Unterschied sind die Praktika.

In der Vollzeitausbildung sind drei Praktika vorgeschrieben, die in unterschiedlichen Arbeitsfeldern erbracht werden müssen. Man lernt während der Ausbildung außer der Kita beispielsweise die Bereiche der Jugendförderung und der Hilfen zur Erziehung kennen. In der berufsbegleitenden Ausbildung haben die Studierenden nur die eine Praxisstelle und lernen somit keine anderen Arbeitsfelder kennen.

Hat die berufsbegleitende Ausbildung auch Vorteile?

Die berufsbegleitende Ausbildung ist für die Menschen attraktiv, die schon lebensälter sind, vielleicht auch schon eine Familie zu ernähren haben und Geld verdienen müssen. Natürlich ist auch die unmittelbare Verzahnung mit der Praxis positiv. Während ihrer Arbeit sammeln sie Erfahrungen, die sie ins Studium einbringen können und die an der Schule direkt bearbeitet werden.

Was bietet die Vollzeitausbildung?

Sie ist insbesondere für junge Menschen geeignet, die nach ihrem Abitur eine Erstausbildung machen wollen. Sie können sich voll auf die Ausbildung konzentrieren und haben etwas weniger Stress dabei.

Die GEW fordert, die Erzieher-Ausbildung an die Hochschulen zu holen. Warum?

Es ist eine bundesweite Forderung, weil wir finden, dass gerade die Arbeit in den Bildungseinrichtungen Kita und Schule einen sehr hohen Stellenwert hat. Dafür sollte es eine gemeinsame Pädagogenausbildung an der Hochschule geben, weil nur das bestausgebildete Personal die Bildungsaufgaben für die Kleinsten übernehmen sollte.

Das ist ein sehr anspruchsvolles Arbeitsfeld, für das eine hochschulische Ausbildung nötig ist, in der auch bestimmte wissenschaftliche Erkenntnisse von Pädagogik und Psychologie vermittelt werden. Die Arbeit müsste dann später auch dementsprechend bezahlt werden. Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland hinterher.