In Sachen Filmförderung, Beratung von Filmschaffenden in Finanzfragen und Weiterbildung ist das Medienboard Berlin-Brandenburg eine gute, oft erste Anlaufstelle. Anja Dörken und Veronika Grob sind Expertinnen für Nachwuchsförderung und tauschen sich regelmäßig mit Filmhochschulen aus. Petra Lang sprach mit ihnen über die beruflichen Chancen von Regisseuren.
Die Hauptstadtregion ist die Nummer eins unter den deutschen Filmstandorten. Mehr als 300 Filme werden hier pro Jahr gedreht. Ist Berlin das Eldorado für Filmregisseure?
Anja Dörken: Berlin übt eine enorme Anziehungskraft auf junge Filmemacher aus. Das gesellschaftlich und politisch tolerante Klima lockt Künstler und Kreative aus der ganzen Welt hierher. Die Motivmöglichkeiten sind vielfältig – von historisch, gegenwärtig bis futuristisch. Regisseure und Produktionsfirmen haben mit ihren Filmen die Stadt zur Ikone gemacht. Aber wo viel Talent ist, ist auch viel Konkurrenz. Es gilt, sich durchzusetzen.
Wo können sich künftige Regisseure ausbilden lassen?

Veronika Grob: Die Ausbildungssituation in der Region ist sehr gut. Es gibt zwei traditionsreiche Filmhochschulen, die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, kurz DFFB, und die Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Die Studienplätze an beiden Unis sind begehrt und bieten beste Voraussetzungen fürs Berufsleben. Beide arbeiten eng mit Produzenten, Sendern, Verleihern und mit uns, der Förderung, zusammen. Außerdem gibt es zum Beispiel die selbstverwaltete Filmschule „filmArche“.
Wie fördert das Medienboard Filmhochschulabsolventen?
Grob: 2013 haben wir mit den beiden Hochschulen und dem RBB die Initiative „Leuchtstoff – Hochschulfilme“ ins Leben gerufen. Mit überschaubarem Budget und fixen Finanzierungspartnern werden ungewöhnliche Projekte realisiert. Die Rechnung geht auf: Filme wie „Tiger Girl“ von Jakob Lass oder „Fado“ von Jonas Rothlaender liefen schon auf nationalen und internationalen Festivals.
Welche Eigenschaften sollte ein angehender Regisseur haben?
Dörken: Natürlich künstlerisches Talent, psychologisches Gespür und Organisationstalent. Regisseure und Regisseurinnen sollten immer eine klare Vision von ihrem Film haben. Man muss mit einem Team und den realen Gegebenheiten arbeiten können und sehr entscheidungssicher sein.
Grob: Das Spezielle ist ja, dass sie nicht nur im stillen Kämmerlein arbeiten, sondern ein großes Team leiten.
Wie schätzen Sie die Berufschancen für Filmregisseure ein?
Dörken: Als sehr gut und problematisch zugleich. Denn in Deutschland gibt es viele hervorragende Filmhochschulen und Ausbildungsmöglichkeiten – und es werden immer mehr. Die Konkurrenz ist groß, die Aufmerksamkeit für den Nachwuchs aber auch. Es gibt viele Möglichkeiten, einen gelungenen ersten Film der Branche zu präsentieren. Jedoch: Bei der steigenden Zahl an Regieabsolventen kann nicht jeder später Kinofilme drehen.
Warum gibt es so wenige weibliche Regisseure? Gibt es besondere Fördermaßnahmen für Frauen?
Dörken: Da muss sicher noch viel passieren. Es gibt bereits Initiativen wie „Pro Quote Regie“. Denn bei Kinofilmen sind nur 23 Prozent der Regisseure weiblich, bei TV-Produktionen noch weniger. In den vergangenen Monaten sorgten Regisseurinnen für viel Aufmerksamkeit. Maren Ade war mit ihrer Vater-Tochter-Tragikomödie „Toni Erdmann“, gefördert vom Medienboard, für den Auslands-Oscar nominiert, hat viele Preise gewonnen und allein in Deutschland bereits mehr als 850.000 Kinobesucher.
Grob: Es gibt noch viele andere Beispiele. Das Medienboard setzt sich für mehr Chancengleichheit ein und unterstützt das Weiterbildungsprogramm „Into the Wild“ für junge Filmemacherinnen. Die Erfolge von Regisseurinnen haben Vorbildcharakter für ihre Kolleginnen.


