Regine Hergersberg hat an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden Maskenbild studiert. Ihr Spezialgebiet sind Haartechniken für Film und Fernsehen. Unter anderem hat sie die Schauspielerinnen Hannelore Elsner und Iris Berben mit Perücken ausgestattet.
Hergersberg ist seit dem Jahr 2007 Vorstandsvorsitzende der Bundesvereinigung Maskenbild. Adrienne Kömmler sprach mit ihr über Anforderungen, Entwicklungen und Herausforderungen in diesem Beruf.
Frau Hergersberg, ist Maskenbildner eher ein handwerklicher oder ein künstlerischer Beruf?
Regine Hergersberg: Beides. Es ist ein kunsthandwerklicher Beruf. Die Betonung liegt dabei auf künstlerisch, doch es braucht ja immer eine handwerkliche Komponente, um künstlerisch zu gestalten. Das ist nicht anders als bei einem Bildhauer, der schweißen muss.

Maskenbildner sind letztendlich Wahrer des Friseurhandwerks. Denn es braucht dafür historische Techniken, die man im modernen Friseurladen nicht mehr findet. Unter historisch fällt dabei alles, was nicht heute ist – auch die 90er-Jahre, der Punk und die Dauerwelle sind längst Geschichte. Haare, inklusive Bärte und Toupets, sind wiederum ein großer Teil, aber nicht alles in der Maskenbildnerei.
Muss denn jeder Maskenbildner alles können, oder ist es notwendig, sich zu spezialisieren?
Hergersberg: Eine gewisse Spezialisierung ist in unserem Bereich gut und durchaus üblich. Es gibt Maskenbildner, die sich nur auf Spezialeffekte stürzen. Aber der Markt ist extrem klein, und der Bedarf ist ziemlich gedeckt.
Ohnehin ist ja dieser Beruf hochspeziell – ein echter Nischenberuf. Wir haben in Deutschland gegenwärtig etwa 2000 Maskenbildner. 90 Prozent sind übrigens Frauen. Und nicht einmal 20 Prozent sind Quereinsteiger. Die meisten haben also eine Ausbildung oder sogar ein Studium zum Maskenbildner absolviert.
Welche Eigenschaften sind für den Beruf wichtig?
Hergersberg: Eine gute Allgemeinbildung und gutes Englisch sollte man neben Kreativität und künstlerischer Begabung mitbringen. Doch es reicht nicht, nur Künstler zu sein. Wer betriebswirtschaftlich denken kann, ist gerade in der Selbstständigkeit gut bedient. Man muss organisieren und gewandt mit Menschen umgehen können.
Geduld und Ausdauer gehören angesichts vieler Sisyphusarbeiten dazu. Es wird sehr viel Engagement und Einsatzbereitschaft erwartet. Auch Abend- oder Wochenendarbeit darf da nicht abschrecken.
Allzu üppige Honorare oder Gagen gibt es dennoch für die Kreativen hinter den Kulissen nicht, oder?
Hergersberg: Seit Januar 2017 gibt es einen neuen Tarifvertrag, der für den Filmbereich drei Prozent Erhöhung vorsieht. Für eine 50-Stunden-Woche sind es jetzt statt 1265 Euro 1303 Euro brutto – also immer noch sehr dürftig. Auch Theaterbedienstete schrammen an der Armutsgrenze entlang: Für einen Monat mit einer 50-Stunden-Woche sind 1700 Euro vorgesehen.
Das dient als Verhandlungsbasis. Doch das Verhandeln fällt meist schwer, vielen liegt es einfach nicht. Laut einer Studie zur sozialen Lage und Berufszufriedenheit der Film- und Fernsehproduktionswirtschaft Deutschlands erhält nicht mal die Hälfte der Maskenbildner eine Tarifgage. Katastrophal.
Was bedeutet die Digitalisierung im Film für den Beruf? Ist das eine Gefahr oder eine Chance?
Hergersberg: Die Gefahr ist quasi gleich null. Spezialeffekte und Digitaltechnik ergänzen sich. Da gibt es oft eine Zusammenarbeit. Neue Licht- und Kameratechnik erfordern noch mehr Präzision. Die hohe Auflösung macht jede Unebenheit oder Unreinheit sichtbar, die mit dem Auge kaum wahrnehmbar ist. Das hat nicht nur in der Filmbranche, sondern auch bei der Bühnenarbeit Folgen. Denn auch Theater wird oft live aufgezeichnet. Die Anforderungen steigen also.


