Interview

„Stadtplanung ist ein anregender und aufregender Job“

Professorin Elke Pahl-Weber von der Technischen Universität Berlin spricht über die Aufgaben und Herausforderungen für Stadtplaner.

Professorin Elke Pahl-Weber vom Institut für Stadt- und Regionalplanung (ISR) der TU Berlin.

Professorin Elke Pahl-Weber vom Institut für Stadt- und Regionalplanung (ISR) der TU Berlin.

Foto: Petra Lang

Berlin.  Elke Pahl-Weber ist Professorin und Direktorin des Instituts für Stadt- und Regionalplanung (ISR) der Technischen Universität (TU) Berlin. Die Architektin ist auf das Thema Bestandsentwicklung und Erneuerung von Siedlungseinheiten spezialisiert. Mit ihr sprach Petra Lang.

Berlin wächst, in der Stadt wird es immer enger. Gewinnt damit die Stadtplanung an Bedeutung?

Elke Pahl-Weber: Das Thema Stadtplanung wird auf der ganzen Welt durch die zunehmende Urbanisierung immer wichtiger. Schon jetzt lebt mehr als die Hälfte aller Menschen in Städten, bei uns in Deutschland 75 Prozent. Und der Anteil wird immer größer. Städte sind offenbar attraktiv. Menschen kommen hierher, um zu wohnen, zu arbeiten, auch als Tourist die Stadt kennenzulernen und immer wieder zu besuchen.

Das bedeutet natürlich auch, dass die Städte wachsen und sich transformieren. Sie müssen sich an die neuen Bedingungen anpassen. In der Stadtplanung werden interdisziplinär denkende Menschen gebraucht. Nicht nur gestalterische, ingenieurwissenschaftliche, soziologische und öko­nomische Aspekte müssen Stadtplaner berücksichtigen, auch ökologische, kulturelle und rechtliche.

Spiegelt sich die wachsende Bedeutung der Stadtplanung in der Nachfrage nach Studienplätzen?

Ja, die Nachfrage an Studienplätzen ist groß. Wir hatten zuletzt 828 Bewerber für ein Bachelorstudium – und nur 51 Studienplätze. Wir haben dann 60 Studenten zugelassen. Beim Masterstudium ist es nicht ganz so drastisch. Hier gab es 96 Bewerbungen auf 38 Studienplätze. Auch hier haben wird mehr Studierende zugelassen, weil wir wissen, dass diese künftigen Stadtplaner gebraucht werden.

Stadtplanung ist ein projektorientiertes Studium. Was bedeutet das?

Mit Projektarbeiten erbringen die Studierenden die meisten Leistungspunkte. Sie lernen dadurch von Anfang an, in Teams zu arbeiten und viele verschiedene Planungsaspekte in Beziehung zu setzen. Sie arbeiten interdisziplinär und oftmals auch direkt mit Ansprechpartnerinnen und -partnern vor Ort. Aber am ISR gibt es natürlich auch Seminare und Vorlesungen sowie immer wieder Projekte mit anderen Fachbereichen, etwa mit den Soziologen oder Wirtschaftswissenschaftlern.

Welche Fähigkeiten brauchen angehende Stadtplaner?

Sie sollten gesellschaftliche Zusammenhänge verstehen, ein räumliches Vorstellungsvermögen haben und ein Grundverständnis von wissenschaftlicher Arbeit haben. Statistik ist für die Zusammenstellung von Fakten wichtig. Bewerberinnen und Bewerber sollten auch über sehr gute Englischkenntnisse verfügen, denn die Fachliteratur ist oft in englischer Sprache verfasst. Gestaltungsfreude ist natürlich auch wichtig. Und Ausdauer – der Job der Stadtplanung ist hart, aber eben auch spannend, anregend und aufregend.

Worin sehen Sie die besonderen Herausforderungen für eine erfolgreiche Stadtplanung in Berlin?

Eine besondere Herausforderung ist sicherlich der Wohnungsbau. Über viele Jahre wurden nur wenige günstige Wohnungen gebaut. Berlin ist ja schon weit entwickelt, da muss genau überlegt werden, wie Flächen genutzt werden. Rund 10.000 Wohnungen werden laut des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg pro Jahr gebaut. In einer Pressemitteilung des Senators für Stadtentwicklung und Umwelt heißt es, 15.000 bis 20.000 sollten es sein, um die derzeitige Situation zu entspannen. Hier gute Konzepte im Dialog mit Politik, Bürgern und Fachbereichen zu entwickeln, das ist der Reiz an unserer Arbeit. Planung ist auch ein Dialogprozess.

Haben Sie eine Vision für Berlin?

Berlin wird eine Smart City (d.h. technologisch fortschrittlich und gleichzeitig nachhaltig, Anm. d. Red.). Und ich wünsche mir, dass die Stadt sich ihre Aufbruchstimmung und das Überraschende bewahrt. Die Stadt hat viel für Existenzgründer und den kulturellen Bereich zu bieten. In Berlin könnten viele Ideen weiterentwickelt werden.