Interview

Karriereberaterin: In der Pharmazie gibt es kaum Arbeitslose

Absolventenzahl und Bedarf halten sich die Waage: Arbeitsmarktexpertin Susanne Voltmer spricht über den Arbeitsmarkt für Pharmazeuten.

In Deutschland gibt es knapp 50.000 Arbeitsplätze in Apotheken

In Deutschland gibt es knapp 50.000 Arbeitsplätze in Apotheken

Foto: bluecinema / Getty Images

Berlin.  Susanne Voltmer arbeitet bei von Rundstedt & Partner, einer in Deutschland, der Schweiz und Österreich agierenden Talent- und Karriereberatung. Pharma-Firmen gehören zum langjährigen Kundenkreis. Zuvor rekrutierte Voltmer viele Jahre Fach- und Führungskräfte für die Pharmaindustrie. Adrienne Kömmler sprach mit der Karriereexpertin über den Arbeitsmarkt und die Berufswege in der Branche.

Frau Voltmer, wie hat sich der Arbeitsmarkt für Pharmazeuten entwickelt, und wo gibt es Bedarf?

Susanne Voltmer: Die meisten Arbeitsplätze für Pharmazeuten bieten die öffentlichen Apotheken. Dort gibt es deutschlandweit zurzeit knapp 50.000 Arbeitsplätze. Dann folgen die Pharmaindustrie mit fast 5500 und die Krankenhausapotheken mit etwas mehr als 2000 Arbeitsplätzen.

Zusätzlichen Bedarf gibt es bei der Bundeswehr, in Prüfinstituten, Universitäten und anderen Lehranstalten. Arbeitslose Apotheker gibt es so gut wie nicht. Interessant ist, dass sich das Verhältnis von Apothekern, die in den Ruhestand gehen, und denen, die nach der Approbation neu ins Berufsleben starten, in etwa die Waage hält. Der Arbeitsmarkt bietet also hervorragende Chancen.

Welche Rolle spielt die Promotion?

Die Approbation – also die staatliche Zulassung – mit dem dritten Staatsexamen nach dem praktischen Jahr ist ein Muss. Der Doktortitel dagegen nicht. Der ist eher beim Weg in die Forschung wichtig. Bei einer internationalen Gesundheitsbehörde oder im global arbeitenden Unternehmen sind zusätzlich auch Sprachkenntnisse zum Teil unerlässlich.

Wenn wir von der Industrie reden: Wie gelingt dort der Einstieg?

Firmen bieten zum Beispiel Trainee-Programme als eine gute Chance für den Start in das Berufsleben an. Neben den großen Konzernen kann es auch sinnvoll sein, mittelständische Unternehmen in der eigenen Bewerbungsstrategie zu berücksichtigen, da hier die Bewerberanzahl oft nicht so hoch ist. Im Vergleich zu den öffentlichen Apotheken ist das Bewerben in der Industrie aufwendiger und sollte gut vorbereitet sein.

Wie haben sich denn generell die Bewerberzahlen entwickelt?

Das lässt sich an den Absolventenzahlen ablesen. 1993 waren es 2069 Pharmazeuten, die ihre Approbation bekamen. 2003 waren es 1986, und vor zwei Jahren gab es 1947 Absolventen. Obwohl die Zahl der Bewerber für Arbeitsplätze in der Pharmazie über all die Jahre leicht zurückging, scheint das Pharmaziestudium weiterhin attraktiv zu sein.

Hat ein Apotheker die Möglichkeit, in die Industrie zu wechseln oder umgekehrt? Oder sollte man sich als Pharmazeut rechtzeitig festlegen und lieber einen geradlinigen Karriereweg gehen?

In der Pharmazie hat man mit ein und derselben Qualifikation Zugang zu völlig verschiedenen Arbeitswelten. Das praktische Jahr lässt sich da sehr gut nutzen, um sich auszuprobieren, sich umzuschauen und Kontakte zu knüpfen. Im Vergleich der Arbeitswelt der öffentlichen Apotheke etwa mit der Arbeitswelt der Industrie sollte man sich Fragen stellen: Will ich direkt mit Menschen interaktiv arbeiten? Oder ist eine prozess- oder sachbezogene administrative Tätigkeit für mich interessant?

Um ein sicheres Gespür für das Entfalten eigener Talente zu entwickeln, hilft die Selbstanalyse. Was kann ich? Was passt zu mir? Was will ich? Denn talentbasiertes Arbeiten ist ein Garant für erfolgreiches, zufriedenstellendes Arbeiten. Eine Entscheidung am Berufsanfang ist aus meiner Erfahrung heraus keine Weichenstellung für immer. Wechsel sind durchaus möglich. Auch im späteren Berufsleben.