Junge Profis

So gelang dem Reiseportal Travelcircus der Senkrechtstart

Die Macher von Travelcircus erklären, wie sie ihr erfolgreiches Start-up führen. Das erst zwei Jahre alte Reiseportal hat 4000 Kunden pro Monat.

Bastian Böckenhüser (v.l.), Mathias Zeitler, Nils Brosch und Katharina Wottschel von Travelcircus.

Bastian Böckenhüser (v.l.), Mathias Zeitler, Nils Brosch und Katharina Wottschel von Travelcircus.

Foto: Sven Lambert

Berlin.  Der Tegeler Fluglärm dringt durch die offenen Fenster. „Irgendwie passt es ja“, sagt Nils Brosch, operativer Geschäftsführer von Travelcircus, und lächelt. „Außerdem hören wir die Flugzeuge schon gar nicht mehr.“ Travelcircus ist ein Reiseportal, im Jahr 2014 gegründet, mit inzwischen 40 Mitarbeitern. Die große Büroetage in den Erlenhöfen an der Aroser Allee bietet Platz für noch mehr. „Wir haben auch eine Option auf die Etage unter uns“, sagt der 27-Jährige, der kurz nach der Gründung zur Firma stieß.

„In den vergangenen zwei Jahren haben wir ein starkes und stabiles Team aufgebaut“, sagt Brosch, der in den Niederlanden Wirtschaftsinformatik studiert hat. Jetzt stehe erst einmal das Thema Nachhaltigkeit im Fokus, erklärt Gründer und Geschäftsführer Bastian Böckenhüser, 31. „Wir wollen ein gesundes, mittelständisches Unternehmen aufbauen.“ Waren die Anfänge noch selbst finanziert, sind seit einem guten halben Jahr vier namhafte Investoren mit im Boot.

Dritter im Managementteam ist Mathias Zeitler, 32. Der Mitgründer ist heute technischer Geschäftsführer. „Und natürlich gehört Katharina dazu“, sind sich die drei einig. Katharina Wottschel, 30, Verkaufsleiterin bei Travelcircus, war zwar bei der Gründung noch nicht dabei, zählt inzwischen aber zu den wichtigsten Stützen im Team.

Übernachtungen im Hotel mit Events kombinieren

Die Macher von Travelcircus haben ehrgeizige Pläne. Ihre Firma soll das wichtigste Portal für Kurz- und Eventreisen im europäischen Raum werden. Das Konzept: Travelcircus verknüpft Hotelübernachtungen mit lokalen Veranstaltungen und Dienstleistungen. „Eines unserer ersten Angebote war ein Hotelwochenende in Dresden, das man zusammen mit Eintrittskarten für ein klassisches Konzert buchen konnte“, sagt Bastian Böckenhüser, der in den USA Finanzwesen studiert hat.

Inzwischen arbeiten sie mit rund 700 Hotels zusammen, bis zu 4000 Kunden buchen pro Monat bei ihnen. Eine der neuesten Offerten: Im Meliá Vienna, Wiens höchstem Hotel, kann man dem hauseigenen Sternekoch über die Schulter schauen und sich anschließend von ihm bekochen lassen.

Das Besondere an Travelcircus ist, dass es kaum festgezurrte Pakete gibt. Die Nutzer des Portals können sich eine Stadt aussuchen und dann individuell ein Hotel der Vier- bis Fünf-Sterne-Klasse sowie ein oder mehrere Events wählen. „Wir haben uns davon abgewendet, dem Kunden zu diktieren, was er kombinieren muss“, sagt Bastian Böckenhüser. Das Angebot werde immer exotischer. Ein Eiskrem-Workshop in der Toskana oder Polarlichter gucken in Schottland gehören inzwischen dazu.

„Der Plan ist, die Hidden Champions zu präsentieren“, sagt der 31-Jährige. „So etwas wie ein Porsche-Wochenende wollen wir gar nicht im Portfolio haben.“ Die Angebote sollen exklusiv, aber bezahlbar sein. Im Durchschnitt kostet ein Paket 200 bis 250 Euro. „Sowohl Übernachtungen als auch die Tickets für die Veranstaltungen können wir günstiger anbieten, als wenn der Kunde das separat auf unterschiedlichen Plattformen bucht“, erklärt Nils Brosch.

Nur die Anreise ist nicht mit im Angebot

„Wir wollen ein All-in-one-Dienstleister sein“, sagt Böckenhüser. Das Einzige, was sie nicht anbieten, ist die Anreise. Darin lägen zu viele Unwägbarkeiten, findet Brosch. Ein Streik an der Abfertigung am Flughafen, Verspätungen der Züge: „Das fällt immer auf den Veranstalter zurück, auch wenn er keinen Einfluss darauf hat.“

Zum 40-köpfigen Team zählen acht Mitarbeiter im Bereich Sales, acht weitere in der IT, fünf in der Buchhaltung. „Der Rest ist Marketing und Customer Service“, erklärt Nils Brosch. Viel Reisen gehört für die Geschäftsführung und die Verkäufer dazu – und viel Reden.

„Zahlreiche Events entwickeln wir inzwischen gemeinsam mit den Veranstaltern“, erzählt Bastian Böckenhüser. Zum Beispiel werde in vielen Häusern „das Romantik-Thema“ noch stiefmütterlich behandelt. Dabei gehörten Leistungen wie der Love-Butler – „das ist nicht das, wonach es klingt“, sagt er lachend – zu den meistgebuchten. „Love“ heißt in diesem Fall, es sind Rosenblüten im Zimmer verstreut und ein gekühlter Prosecco erwartet die Reisenden.

Wer Verantwortung will, bekommt sie auch

Vorbereitet werden solche Ideen in wöchentlichen Meetings, teils in kleinem Kreis, teils abteilungsweit, teils mit der kompletten Mannschaft. Der Austausch mit den Mitarbeitern sei ihnen sehr wichtig, betonen die Geschäftsführer. „Jeder kann jederzeit den Chef direkt ansprechen und Vorschläge einbringen“, sagt Nils Brosch. „Und wer Verantwortung will und zeigt, dass er sie tragen kann, bekommt sie auch.“

In diesem Sinne ist Travelcircus ganz Start-up: Die Hierarchie ist flach, selbst Praktikanten betreuen eigene Projekte. Wer als Mitarbeiter infrage kommt, muss aber vor dem Einstieg erst einmal einen Probetag bestehen. „Da trennt sich die Spreu vom Weizen“, sagt Bastian Böckenhüser.

Und was die berühmte Chemie angeht: „Viele hier haben ein freundschaftliches Verhältnis“, sagt der Gründer. Auch die Geschäftsführer harmonieren gut, erzählen sie: Sie kennen sich schon lange, zwei von ihnen waren früher Kollegen, alle drei hatten schon Erfahrung im Gründen gesammelt, als sie sich zusammentaten.

„Mitarbeiter dürfen keine falschen Vorstellungen von einem Start-up haben“, sagt Böckenhüser. „Ja, es gibt die schnellen Entscheidungen und kurzen Wege“, sagt er. „Aber das beinhaltet eben auch Nachteile. Es gibt weniger feste Strukturen, das Gehalt ist geringer, die Fluktuation größer – und das Management ist jung und nicht perfekt.“