Ausbildung

„Ich habe einen soliden Beruf zur richtigen Zeit gelernt“

Ann-Kathrin Burmann ist Bauingenieurin und arbeitet für die Berliner Wasserbetriebe. Paralell absolviert sie den Master of Engineering.

Bauingenieurin Ann-Kathrin Burmann arbeitet für die Berliner Wasserbetriebe.

Bauingenieurin Ann-Kathrin Burmann arbeitet für die Berliner Wasserbetriebe.

Foto: Sven Lambert

Berlin.  „Angst vor Technik? Nein, die sollte man nicht haben, wenn man Bauingenieurin werden will“, sagt Ann-Kathrin Burmann. Schon als Schulkind war die heute 23-Jährige mehr an Naturwissenschaften als an Sprachen interessiert. „Mein Vater ist ein richtiger Superhandwerker. Da habe ich mir viel abgeguckt“, erinnert sie sich.

Dass sie sich später auf dem Gymnasium für das Wahlpflichtfach „Technik und Natur“ entschied, sei nur die logische Folge ihrer Technikbegeisterung, erzählt die Ingenieurin. Heute plant sie für die Berliner Wasserbetriebe (BWB) Bauten im Abwasserbereich – und ist im Betrieb längst nicht die einzige Frau. „Das ist alles gar nicht so klischeehaft wie gedacht. Gerade im Planungsbereich gibt es viele Frauen“, sagt Ann-Kathrin Burmann. „Allerdings sollte man auch nicht auf den Mund gefallen sein, wenn man sich behaupten will.“

Als sie ihr Abitur in der Tasche hatte, wusste sie noch nicht genau, was sie studieren sollte. Der Tipp eines Bekannten, der bei den Berliner Wasserbetrieben bereits ein duales Studium absolviert hatte, brachte den entscheidenden Impuls. Die Abiturientin hospitierte in dem kommunalen Betrieb und ließ sich vom Ausbildungsleiter die Welt des Bauwesens erklären.

Sofort fasziniert von der Welt des Bauwesens

„Ich war sofort von der Tatsache fasziniert, dass Bauingenieure oberirdisch Gebäude errichten können und sie später per Senkkastenmethode in den Boden bringen“, erzählt sie. So war der Entschluss schnell gefasst, Bauingenieurwesen zu studieren.

Während ihrer Hospitanz bei den BWB hatte Ann-Kathrin Burmann bereits die Besonderheiten eines dualen Studiums kennengelernt, wie es inzwischen viele Unternehmen jungen Mitarbeitern ermöglichen. Die Berliner Wasserbetriebe bieten es in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) mit Sitz in Schöneberg an. „Der Wechsel von praktischer Ausbildung im Betrieb und Studium an der Hochschule hat mir gefallen“, sagt Ann-Kathrin Burmann.

Am Anfang ihrer dreijährigen Ausbildung stand dabei noch eine besondere Herausforderung: das Arbeiten auf dem Lehrbauhof. Dort lernte die Studentin das Mauern, was es mit Trocken- und Betonbau auf sich hat und erwarb Grundwissen im Straßenbau. Auch das Schleppen von Zementsäcken gehörte mit zu ihren Aufgaben. „Allerdings haben die männlichen Kollegen gern mal geholfen“, sagt Ann-Kathrin Burmann und schmunzelt bei der Erinnerung. Abends sei sie in dieser Zeit von der körperlichen Anstrengung völlig erschöpft ins Bett gefallen.

Anforderungen der Bauberufe besser einschätzen gelernt

Und das, obwohl die 23-Jährige eigentlich eine wahre Sportskanone ist: Sie macht zum Beispiel Kite-Surfing, geht Laufen und betreibt Cross-Fit – um nur einige ihrer Sportarten zu nennen. Ann-Kathrin Burmann ist so durchtrainiert, dass sie gelegentlich sogar als Fitness-Model engagiert wird. Die Arbeit auf dem Lehrbauhof ist für sie nicht nur fachlich ausgesprochen wichtig gewesen: „Ich weiß Bauberufe jetzt viel mehr zu schätzen“, resümiert sie.

Nach ihrem Bachelor-Abschluss in Bauwirtschaftsingenieurwesen, begann die Ingenieurin in der Planungsabteilung Abwasser der Berliner Wasserbetriebe. Bis heute ist sie dort tätig – allerdings inzwischen in Teilzeit. „Ich bin wissenshungrig und habe mich 2015 entschlossen, noch den Masterstudiengang Urbane Infrastrukturplanung – Verkehr und Wasser ranzuhängen.“ Berufsbegleitend besucht sie nun die Beuth Hochschule für Technik in Wedding.

„Der Master of Engineering dauert nur drei Semester“, freut sich die 23-Jährige. „Zwischendurch gehe ich für ein halbes Jahr nach Dänemark.“ Im Rahmen eines internationalen Austausches wird sich Burmann dort im Bereich „waste water engineering“ spezialisieren.

Ihr Arbeitgeber unterstützt sie bei ihrer beruflichen Weiterbildung. Auch ihre Kollegen zeigen während ihrer Lernphasen viel Verständnis für ihre Situation, sagt Burmann. „Ich kann das nur durch die Gleitzeitarbeit bewerkstelligen und durch meine netten Kollegen, die mir während der Klausurenphase den Rücken frei halten.“ Gern würde sie mehr junge Frauen für ein technisches Studium begeistern. Deshalb kehrt sie jährlich an den „Career Days“ an ihre alte Schule zurück und stellt dort ihr Studienfach vor. Burmann: „Mein Motto: Mädels, habt keine Angst, Euch zu bewerben.“

Hilfe für Wasserprojekte in Tansania und Uganda

Sogar für soziale Projekte findet die Berlinerin noch Zeit. Alle zwei Wochen trifft sie sich mit Kollegen, die sich im Verein „Ingenieure ohne Grenzen“ engagieren. „Wir unterstützen in Tansania und Uganda Wasserprojekte“, erzählt Burmann. „Oft müssen die Menschen kilometerlange Wege zurücklegen, um an Wasser zu gelangen – das dann oft nicht einmal sauber ist“, berichtet die Ingenieurin. Mit ihrem beruflich erworbenen „Wasserhintergrund“ hilft sie bei diesen Projekten beispielsweise bei der Planung von Zisternen, um Regenwasser aufzufangen.

Wie ihre berufliche Entwicklung in der Zukunft aussehen wird? „Ich will bei den Wasserbetrieben bleiben. Ich habe einen soliden Beruf zur richtigen Zeit gelernt“, sagt Ann-Kathrin Burmann. Ihre zukünftigen Aufgaben sieht sie besonders im Grubenbau im innerstädtischen Bereich und dem Ausbau von Klärwerken. „Außerdem interessiert mich das Problem von Verunreinigungen im Abwasser, etwa durch Medikamente oder Mikroplastik. Das ist ein zunehmendes Problem.“