Währungen

Iranische Händler fliehen in Euro und Dollar

Hierzulande wird über den Euro als Weichwährung geschimpft. Ganz anders ist das im Iran. Wegen der hohen Inflation des Rial sind Euro und Dollar heiß begehrt.

Foto: Bloomberg / Bloomberg / Ali Mohammadi

Im Basar Arz, der in einer engen Seitenstraße von Teheran liegt, steht ein Mann auf einer erhöhten Plattform. Mit erhobenen Armen präsentiert er seine Ware: Ein Bündel 500-Euro-Scheine. Er wird umringt von Menschentrauben, die sich beinahe darum prügeln, wer die Scheine erwerben darf. Der Händler kann die Euro-Noten daher mit einem gehörigen Aufschlag loswerden, fast 60 Prozent über dem offiziellen Wechselkurs.

Während hierzulande über den Euro inzwischen als Weich-Währung gelästert wird, reißen sich die Iraner um die Scheine. Denn sie wissen nur zu gut, wie eine Weichwährung wirklich aussieht. Seit Jahren werden sie von einer galoppierenden Inflation geplagt, die in letzter Zeit auch noch einmal angezogen hat. Und neuerdings kommen auch noch die zunehmenden Spannungen mit den USA und drohende härtere Sanktionen hinzu. Das lässt sie verzweifelt ihre Landeswährung Rial in harte Währungen tauschen, in Dollar und Euro.

Allerdings versucht der Staat seinen Bürgern genau das zunehmend zu erschweren. Internetseiten, die Wechselkurse anzeigen, wurden in der vergangenen Woche geblockt. Viele offizielle Wechselstuben wurden geschlossen. Die Regierung verringerte den Devisenbetrag, den Iraner, die ins Ausland reisen wollen, mitnehmen dürfen, um die Hälfte auf 1000 Dollar. Und schließlich gilt für Reisende, die diesen Betrag in Anspruch nehmen wollen, seit einiger Zeit ein zweiter Kurs, der rund 20 Prozent schlechter ist als der offizielle Kurs.

Dollar bei den Banken meistens ausverkauft

Das wäre zwar immer noch besser als die Raten, die auf dem Basar zu zahlen sind. Doch die offiziellen Kurse sind inzwischen meist nur Theorie. Bei einer Filiale der Bank Melli – einer der größten iranischen Banken – im Teheraner Vorort Sadeghieh, teilt ein Mitarbeiter den enttäuschten Kunden mit, sie sollten beim nächsten Mal doch früher kommen. Denn Dollar seien üblicherweise um 8.15 Uhr morgens ausverkauft, eine Viertelstunde nach Öffnung der Bank.

Zentralbankgouverneur Mahmoud Bahmani bestreitet zwar, dass die drohenden Sanktionen gegen das Land die Probleme verursachen. Der Ansturm auf harte Währungen zeichnet jedoch ein anderes Bild – und das, obwohl die geplanten schärferen Sanktionen noch gar nicht in Kraft sind. Die USA und die Europäische Union wollen ein Embargo gegen Ölkäufe vom Iran verhängen und die Transaktionen mit der iranischen Zentralbank beschneiden. US-Präsident Barack Obama unterzeichnete am 31. Dezember ein Gesetz, demzufolge Unternehmen und Staaten, die mit dem Iran Geschäfte machen, der Zugang zum US-Finanzsystem verweigert wird.

Inflation im Iran liegt bei 15 Prozent pro Jahr

All das trifft auf eine Wirtschaft, die ohnehin kaum wächst und seit Jahren von einem drastischen Wertverfall der Währung geplagt wird. 2011 lag das Wachstum bei 2,5 Prozent – für ein Schwellenland mit schnell wachsender Bevölkerung ist das praktisch Stillstand. Dem steht eine Preissteigerungsrate gegenüber, die in den vergangen zehn Jahren nach IWF-Daten bei durchschnittlich rund 15 Prozent lag. Derzeit beträgt sie sogar 20,6 Prozent. Die Iraner hatten daher schon vor den jüngst angekündigten Sanktionen damit begonnen, Gold und Devisen zu kaufen. Doch nun hat sich dieser Trend drastisch verstärkt.

Die Regierung geht mit diversen Maßnahmen dagegen an – allerdings nicht, indem sie die Ursachen bekämpft. Sie geht gegen die Symptome vor. So wurde mittlerweile ein Gesetz verabschiedet, das es ermöglicht, nicht-offizielle Devisengeschäfte zu bestrafen. Die Strafe entspricht dem doppelten Transaktionsbetrag. Allerdings ist das Gesetz noch nicht in Kraft getreten, und es ist auch unklar, wann dies geschehen wird.

Neue Währung geplant, stabiler wird sie nicht

Parallel dazu wird über die Einführung einer neuen Währung nachgedacht. Der Parsi soll den Rial ablösen, und dabei sollen vier Nullen gestrichen werden. Das wäre aber nur ein weiterer Versuch, die Inflation zu kaschieren, statt sie zu bekämpfen. Das macht die Zentralbank bereits seit Jahren mehr oder weniger erfolgreich. So hörte sie 2007 einfach auf, Banknoten mit immer höherem Wert zu drucken. Seither ist der Schein mit dem höchsten Wert eine 100.000-Rial-Banknote.

Da dies jedoch inzwischen gerade mal noch etwa sieben Euro entspricht, müssten Menschen heute ständig Koffer voller Geld mit sich tragen, um simpelste Dinge einzukaufen. Daher fingen Privatbanken an, so genannte Bürgschaftsschecks herauszugeben, die auf bis zu 2,5 Mio. Rial lauteten. Diese wiederum waren jedoch nur bei den jeweiligen Banken einzulösen, was zu chaotischen Verhältnissen führte. Daher gab schließlich auch die Zentralbank solche Schecks heraus, im Wert von 500.000 und einer Million Rial. Aber wohlgemerkt: Sie gab Schecks heraus, keine Rial-Noten. So versuchte die Zentralbank im wahrsten Sinne des Wortes den Schein zu wahren.

Für die Menschen macht das alles jedoch keinen Unterschied. Sie leiden im Alltag unter den davon eilenden Preisen. So sind beispielsweise Importwaren aus China im Bereich Konsumelektronik allein innerhalb der vergangenen zwei Wochen 20 Prozent teurer geworden. Wer kann, versucht daher sein Geld zu retten, indem er es in harte Währungen tauscht. Und der Euro ist dabei ein bevorzugtes Ziel.