Aktienmarkt

S&P-Drohung schickt den Euro auf Talfahrt

Die anstehende Herabstufung mehrerer EU-Länder hat die Gewinne an der Börse auf einen Schlag zunichte gemacht. Der Euro-Kurs stürzte ab.

Foto: Infografik DWO

Es schien, als ob Sparer, Anleger und auch die Finanzminister der südeuropäischen Krisenstaaten endlich mal wieder etwas beruhigter ins Wochenende gehen könnten. Denn Rom konnte am Freitagmorgen erneut erfolgreich Anleihen am Markt platzieren. Rund 3,8 Milliarden Euro sammelte der italienische Staat für Papiere ein, die bis 2014 laufen, knapp eine weitere Milliarde für einen Schuldschein mit Laufzeit bis August 2018.

Das Entscheidende: Die Zinsen, die Italien dafür zahlen muss, lagen diesmal deutlich niedriger als noch bei den letzten Auktionen. So mussten im Dezember für die 2014er-Papiere noch 5,62 Prozent Zinsen gezahlt werden, jetzt waren es nur noch 4,83 Prozent.

Mancher hatte auf noch größere Abschläge gehofft. Daher reagierten die Aktien- und Devisenmärkte zunächst auch nicht allzu positiv. Immerhin aber konnten sie ihr Niveau halten – bis am Nachmittag das Gerücht die Runde machte, dass die US-Ratingagentur Standard & Poor’s eine Herabstufung der Bonität einiger Euro-Staaten plane .

Kurz darauf hatten sich die Gewinne des deutschen Aktienindex Dax in Luft aufgelöst: Der freundlich in den Handel gestartete Leitindex schloss 0,58 Prozent tiefer bei 6143,08 Punkten, der Euro stürzte ab. Anleger flüchteten in den sicheren Hafen deutscher Staatspapiere. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future durchbrach erstmals die Marke von 140 Punkten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel im Gegenzug bis auf 1,74 Prozent. In den fünf- und dreißigjährigen Laufzeiten sanken die Renditen auf historische Tiefststände. Und die Rendite für jene italienischen Papiere, die erst am Morgen ausgegeben worden waren, kletterte sogleich von 4,8 auf 5,4 Prozent.

Dabei gäbe es durchaus Anlass für Optimismus. Denn die italienische Auktion vom Freitag war nicht der einzige Erfolg. Am Donnerstag konnte schon Spanien Anleihen im Wert von zehn Milliarden Euro platzieren – doppelt so viel wie erwartet und ebenfalls zu deutlich geringeren Zinsen als zuletzt.

Und Italien konnte auch noch kurz laufende Papiere für 8,5 Milliarden Euro losschlagen, deren Zins sogar nur noch halb so hoch lag wie im Dezember. All das sorgte für Beruhigung. Besonders deutlich wird die Entspannung, die sich unter Händlern und Investoren eingestellt hatte, anhand eines Indexes, den die Commerzbank regelmäßig berechnet.

Er misst die globale Risikowahrnehmung aufgrund der Analyse von sieben Anlageklassen. Absolute Rekordstände hatte er natürlich Ende 2008, nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, erreicht. Doch Ende 2011 war er erneut deutlich gestiegen, höher als in allen anderen vorangegangenen Phasen seit der Lehman-Pleite. Seit Mitte Dezember beruhigt sich die Lage nun jedoch ganz allmählich wieder.

EZB spielt entscheidende Rolle

Entscheidend dafür war, dass die EZB vor Weihnachten die Märkte mit Geld geflutet hatte . Sie versorgte die Banken mit fast 500 Milliarden Euro, auf die über eine Laufzeit von drei Jahren nur ein Prozent Zinsen fällig wird. Die Hoffnung damals: Mit diesem billigen Geld in der Hinterhand langen die Banken auch wieder bei Anleihen aus den Krisenländern der Euro-Zone zu.

Denn wer Geld für ein Prozent erhält, dafür aber fünf bis sechs Prozent über Staatsanleihen einnehmen kann, dürfte schwach werden und zugreifen. Das tun die Banken offenbar. Die große Frage ist nun allerdings, ob diese offensichtliche Entspannung durch die Ratingagenturen wieder zunichte gemacht werden kann. Dafür spricht, dass die Problemländer der Euro-Zone in diesem Jahr noch Milliarden und Abermilliarden an neuen Krediten aufnehmen müssen. Die Erfolge der vergangenen Woche müssten also noch dutzendfach wiederholt werden.

Allein Italien muss beispielsweise 2012 Kredite in Höhe von 381 Milliarden Euro aufnehmen. Da waren die 13,3 Milliarden Euro der vergangenen Woche nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und schon am 1. Februar könnte der nächste große Test anstehen, denn da muss Italien allein eine Anleihe in Höhe von rund 26 Milliarden Euro zurückzahlen.

Hinzu kommt, dass die Staaten diesmal im ersten Quartal des Jahres ungewöhnlich wenig an neuen Krediten aufzunehmen planen. Im Januar wurden in den vergangenen Jahren beispielsweise stets rund elf Prozent der Kredite aufgenommen, die in einem Jahr notwendig waren. Diesmal sind nur acht Prozent vorgesehen. Sprich: Im Rest des Jahres könnte es erst so richtig hart kommen.

Andererseits hat die Europäische Zentralbank bereits eine weitere Liquiditätsspritze angekündigt, wieder mit einer Laufzeit von drei Jahren. Und man darf davon ausgehen: Reicht auch das nicht, wird die EZB die Geldschleusen notfalls noch ein drittes Mal öffnen. Offensichtlich ist auch den Investoren dies im Verlauf des Tages aufgefallen. Jedenfalls stoppte der Abwärtstrend am Freitag doch schneller als gedacht. Beruhigt ging aber kaum jemand ins Wochenende.

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