Umfrage

"Meine Finanzkrise war mit mir verheiratet"

Die Finanz- und Währungskrise wird uns wohl noch lange begleiten. Was wird aus unserem Geld? Wie sehr beschäftigt dieses Thema eigentlich Prominente?

"Keine einzige Aktie" – Judith Rakers, "Tagesschau"-Sprecherin

Judith Rakers, 35, ist seit 2005 Sprecherin der "Tagesschau", moderiert gemeinsam mit Giovanni di Lorenzo auch die Talkshow "3 nach 9".

Morgenpost Online: Macht Ihnen die Zukunft Europas Angst?

Rakers: Nein, Europa ist meiner Meinung nach so zukunftsfähig wie noch nie. Man muss sich immer wieder klarmachen, dass wir in der historisch gesehen bisher längsten Phase von Frieden in Europa leben.

Morgenpost Online: Wie sind Sie bisher – wirtschaftlich betrachtet – durch die Krise gekommen?

Rakers: Da ich ein superkonservativer Anleger bin, spüre ich bisher keine negativen Auswirkungen. Ich habe vor einigen Jahren angefangen, in Immobilien zu investieren. Spekulative Anlagen lehne ich ab.

Morgenpost Online: Wie wichtig ist Ihnen Geld?

Rakers: Solange wir nicht in einem System der Tauschwirtschaft leben, ist es meine einzige Möglichkeit, am Wirtschaftskreislauf zu partizipieren.

Morgenpost Online: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie bei Ihren Investments, wo holen Sie sich Rat?

Rakers: Ich recherchiere lieber selbst sehr genau. Zu Studienzeiten habe ich auf Anraten meines Bankberaters in einen Technologiefonds investiert. Das war heilsam, weil der Fonds direkt nach meinem Einstieg in den Keller rutschte und mein im Studium hart erarbeitetes Geld halbierte. Seitdem darf die Börse ohne mich handeln. Ich besitze keine einzige Aktie.

Morgenpost Online: Was ist Ihr Anlagemotto?

Rakers: Ich investiere nur in Dinge, die ich sehen und anfassen kann.

Morgenpost Online: Werden Sie Ihre Strategie nach den jüngsten Ereignissen ändern?

Rakers: Im Gegenteil (lacht).

Morgenpost Online: Nervt es Sie manchmal, in der "Tagesschau" über ständig neue Euro-Krisengipfel zu sprechen, die dann doch keine Besserung gebracht haben?

Rakers: Nun ja, wenn es mich tatsächlich "nerven" würde, wäre ich wohl im falschen Job.

"Noch nie spekuliert" – Udo Jürgens, 77, Komponist und Sänger

Mit 100 Millionen verkauften Tonträgern ist Udo Jürgens einer der Top-Entertainer Europas. Geschätztes Vermögen: 120 Millionen Euro.

Morgenpost Online: Macht Ihnen die Zukunft Europas Angst?

Jürgens: Manchmal macht sie mir Sorgen. Glücklicherweise bin ich persönlich kaum betroffen, weil ich vorrangig in der Schweiz lebe und mein Geld sicherheitsorientiert angelegt ist.

Morgenpost Online: Wie wichtig ist Ihnen Geld?

Jürgens: Ich gehöre zu denjenigen, die Geld haben, um sich und anderen Freude am Leben zu bereiten. Es ist ein wichtiger Teil unserer Existenz.

Morgenpost Online: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie bei Ihren Investments, wo holen Sie sich Rat?

Jürgens: Ich bin nicht gierig und interessiere mich nicht für die Börse. In meinem Büro sitzt ein versierter Finanzexperte, der einen Teil in Gold und in sehr konservativen Aktien anlegt. Ich habe noch nie spekuliert.

Morgenpost Online: Sondern?

Jürgens: Lieber nutze ich meine Zeit, um Lieder zu schreiben, die manche Leute auf dem Weg zur Arbeit singen.

Morgenpost Online: Wird die Krise zum Wertewandel führen?

Jürgens: Einige Banker und Broker haben mir erzählt, dass die Börsenwelt eine von erbarmungsloser Gier geprägte Haifischgesellschaft ist. Daran hat wohl auch die Finanzkrise nichts geändert.

Morgenpost Online: Haben Sie mit Ihren Anlagen auch schon mal danebengegriffen?

Jürgens: Ich habe mich an Geschichten beteiligt, die furchtbar in die Hose gegangen sind. Vor über 30 Jahren wurde mir klar, dass ich eine Familie habe. Seitdem verwalten Experten mein Vermögen.

Morgenpost Online: Auf welchen Luxus wollen Sie nicht verzichten?

Jürgens: Ich bin ein Autonarr. Schon als kleiner Bub habe ich von einem Bentley geträumt. Diesen Traum habe ich mir erfüllt.

"Meine Finanzkrise war mit mir verheiratet" – Markus Koch

Markus Koch berichtet seit vielen Jahren für den Fernsehsender n-tv von der New Yorker Wall Street. Vielen Deutschen ist sein Gesicht aus der Zeit der New Economy um die Jahrtausendwende vertraut.

Morgenpost Online: Macht Ihnen die Zukunft Europas Angst?

Koch: Am 21. Dezember soll laut Maya-Kalender die Welt ohnehin untergehen, warum sich also um Europa sorgen?

Morgenpost Online: Wird der Euro überleben?

Koch: Ja, denn eine Alternative dazu gibt es nicht. Folgende Medikamente helfen: Eine anhaltend lockere Geldpolitik wie auch ein schwacher Euro. Als Gegengewicht zur Deflation in der Peripherie muss Deutschland - wie auch nach der Wiedervereinigung - eine zeitweise höhere Inflation akzeptieren. Geschieht dies nicht, nehmen natürlich die Anreize zu, den Währungsverbund zu verlassen.

Morgenpost Online: Wie sind Sie bisher - finanztechnisch betrachtet - durch die Krise gekommen?

Koch: Meine Finanzkrise ist weiblich und war fast zwei Jahre mit mir verheiratet. Die Trennung bewahrte mich vor hohen Verlusten an der Wall Street. Die Börse war vergleichsweise human zu mir.

Morgenpost Online: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie bei Ihren Investments?

Koch: Rat hole ich mir selten, Meinungen sind mir wichtiger. Alles fokussiert sich auf die Euro-Krise, obwohl hier in den USA die Wirtschaft anzieht und Aktien attraktiv scheinen.

Morgenpost Online: Was ist Ihr Anlagemotto?

Koch: Optimisten irren auch, aber sie haben mehr Spaß dabei. Und: Wer sich selbst nicht kennt, der hat an der Börse nichts verloren.

Morgenpost Online: Horaz sagte einmal: Dem Wachstum des Geldes folgt die Sorge. Anders ausgedrückt: Macht Geld glücklich?

Koch: "Glück hängt nicht davon ab, wer du bist oder was du hast; es hängt nur davon ab, was du denkst", pflegte Dale Carnegie zu sagen. Die Wissenschaft beweist, dass Geld zwar die allgemeine Zufriedenheit steigert, aber kaum das Glücklichsein.

Morgenpost Online: Was bringt der Börsenjahrgang 2012, gibt es berechtigte Chancen auf Gewinne?

Koch: 2012 wird die Wiederwahl von Barack Obama besiegelt, der US-Finanzsektor dürfte positiv überraschen. Zudem sollten US-Bluechips, die sich auf den Binnenmarkt konzentrieren, besser abschneiden als die Aktien der global ausgerichteten Konkurrenz.

"Eigentlich war ich immer pleite" – Herbert Seckler

Vor 30 Jahren kaufte Herbert Seckler in den Rantumer Dünen auf der Nordseeinsel Sylt eine einfache Strandhütte. Heute ist sie die berühmteste Bretterbude in ganz Deutschland: das "Sansibar". In "Sansibar-Stores" verkauft der Sylter Prominenten-Wirt bundesweit Mode, Wein, Öl, gewürzte Salze. Sein Weinhandel zählt zu den größten in ganz Europa.

Morgenpost Online: Macht Ihnen die Zukunft Europas Angst?

Seckler: Nein, ich bin 60 Jahre alt und habe vor nichts mehr Sorgen. Sehr reich werde ich ohnehin nicht mehr.

Morgenpost Online: Wie sind Sie bisher - anlagemäßig betrachtet - durch die Krise gekommen?

Seckler: Ich habe kein Geld. Daher konnte mir die Krise auch nichts anhaben.

Morgenpost Online: Läuft die "Sansibar", der Weinhandel und der Verkauf von Souvenirartikeln denn wirklich so schlecht? Der eine oder andere Euro müsste dabei doch eigentlich am Ende schon übrig bleiben ...

Seckler: Was übrig bleibt, fließt in die Wohnungen für unsere Mitarbeiter. Sylt ist teuer - und ich möchte, dass hier jeder anständig wohnen kann.

Morgenpost Online: Die "Sansibar" ist häufig über viele Wochen im Voraus ausgebucht. Hat die Finanzkrise die lange Wartezeit verkürzt?

Seckler: Wir spüren nichts davon. Wir bewirten pro Tag 2000 bis 3000 Gäste - egal ob Krise ist oder nicht. Vor allem: Das Geld ist nie weg, es haben nur die anderen.

Morgenpost Online: In Ihrem Kult-Restaurant geben sich Prominente jedweder Couleur die Klinke in die Hand. Geht es da auch mal ums Geld? Wie ist die Stimmung unter den Stars?

Seckler: Von Krise gibt es keine Spur - und sie ist kein Thema unter den Gästen.

Morgenpost Online: Horaz sagte einmal: Dem Wachstum des Geldes folgt die Sorge. Was sagt der Schwabe Herbert Seckler dazu?

Seckler: Eigentlich war ich immer pleite. Spätestens im November war das Geld für das ganze Jahr aufgebraucht. Am Anfang war ich pleite, weil ich die Strandhütte gekauft habe. Dann brauchte ich mehr Mitarbeiter und war wieder pleite. Als es mir ein wenig besser ging, haben wir den Weinhandel aufgebaut. Das hat ein paar Millionen gekostet, und ich war erst mal wieder pleite. Das machte mir aber zu keinem Zeitpunkt Sorgen.

"Ich tauge in der Finanzwelt eher als Opfer" – Helmut Zerlett

Musik ist seine Welt. Helmut Zerletts erstes Instrument war eine Waschpulver-Trommel, sein erstes festes Einkommen bekam er von Harald Schmidt. Mit Marius Müller-Westernhagen tourte er vor 60 000 Zuschauern.

Morgenpost Online: Macht Ihnen die Zukunft Europas Angst?

Zerlett: Europa ist schon so alt und hat schon so viele Krisen überlebt. Ich sehe die Zukunft Europas eher optimistisch. Die momentanen Unkenrufe kommen mir immer noch vor wie "Jammern auf hohem Niveau." Der Euro wird überleben.

Morgenpost Online: Wie wichtig ist Ihnen Geld?

Zerlett: Ich werde wohl nie so richtig "reich" werden, da ich Geld viel zu gerne ausgebe oder an meine Lieben verteile. Das macht mich auch glücklich.

Morgenpost Online: Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Börse?

Zerlett: Ja klar, ich hatte auch mal ein paar Mark in Aktien investiert. Aber irgendwann waren die dann auch nichts mehr wert und ich musste feststellen, dass ich in der Finanzwelt wohl eher als Opfer tauge.

Morgenpost Online: Wie haben Sie Ihr Erspartes verteilt?

Zerlett: Alles, was mir an Geld übrig bleibt, investiere ich in die Immobilie, in der ich wohne und arbeite. Das ist vielleicht nicht die Neuerfindung des Rades, ich kann damit aber ganz gut schlafen.

Morgenpost Online: Horaz sagte einmal: Dem Wachstum des Geldes folgt die Sorge. Kurzum: Macht Geld glücklich?

Zerlett: Ich habe das Glück, meinen Traum als Komponist und Musiker leben zu können. Mein Ziel war immer, dass ich von meinen Einnahmen meine Familie und mich ernähren und uns ein Dach über den Kopf stellen konnte. Ein großes Auto oder Ähnliches haben bei mir nie eine große Rolle gespielt, solange ich von und mit Musik überleben konnte. Ein Renault R4 war ohnehin cooler als eine spießige Nobelkarosse. Und Möbel vom Sperrmüll zu holen und abzuschleifen war kreativer als in ein Möbelhaus zu gehen. Ich hatte daher nie das Gefühl, auf etwas zu verzichten. So komme ich heute noch durch jede Krise.

Morgenpost Online: Sie mussten sich also nie sorgen, dass das Geld nicht reichen könnte?

Zerlett: Wird der Geldfluss knapper, verzichte ich einfach auf ein paar Sachen. Dann kann ich mich den wichtigeren Dingen des Lebens zuwenden und mich in meinem Studio wieder aufs Komponieren und Produzieren konzentrieren.

"Treppenlifte und Stützstrümpfe" – Bjarne Mädel, 43, Schauspieler und Comedian

Bjarne Mädel ist der "Ernie" in der beliebten Büro-Dokusoap "Stromberg", deren fünfte Staffel zurzeit auf ProSieben läuft. Er ist auch in der Comedy-Reihe "Der Tatortreiniger" zu sehen.

Morgenpost Online: Macht Ihnen die Zukunft Europas Angst?

Mädel: Na ja ... Georg Kreisler hat gesagt: Wenn China und Russland zusammen marschieren, kann Österreich kapitulieren.

Morgenpost Online: Kann sich die Finanzkrise auch aufs Film- und Fernsehgeschäft auswirken?

Mädel: Das tut sie ja schon gewaltig. Selbst bei Erfolgsformaten wie "Stromberg" wird das Budget von den Sendern immer weiter gekürzt. Das führt am Ende zu solchen Absurditäten, dass man als Schauspieler zum Beispiel Milchreis einer bestimmten Marke durchs Bild schieben muss.

Morgenpost Online: Wie wichtig ist Ihnen Geld?

Mädel: Solange ich welches habe, überhaupt nicht.

Morgenpost Online: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie bei Ihren Investments, wo holen Sie sich Rat?

Mädel: Da die Bevölkerung immer älter wird, fände ich es sinnvoll und logisch, in Treppenlifte und Stützstrümpfe zu investieren. Mein Bankberater nimmt mich aber leider nicht ernst. Frage gern auch Taxifahrer um Rat und weiß jetzt, dass Schiesser an die Börse geht, da würde ich gern investieren ... um guten Gewissens sagen zu können: "Ich mach' jetzt in Unterhosen!"

Morgenpost Online: Was ist Ihr Anlagemotto?

Mädel: Streng nach Bernd Stromberg: "Man soll den Arsch nicht höher hängen, als man scheißen kann."

Morgenpost Online: Macht Geld glücklich?

Mädel: Natürlich macht Geld nicht glücklich, aber gar kein Geld zu haben ist sicherlich immer noch belastender, besonders auch in diesem Jahr, wo ja Weihnachten "unter dem Baum entschieden wird" ... und somit zum "Stressstest" für Geringverdiener verkommt.

Morgenpost Online: Was würde "Ernie" Berthold Heisterkamp dazu sagen?

Mädel: Ich bitte, "Stromberg"-Regisseur Ralf Husmann diese Frage zu stellen, da er die Texte für diesen Heisterkamp schreibt. Da die Mama ja nicht mehr ist, denke ich mal, er würde damit zum Betriebsrat gehen.

Morgenpost Online: Welcher Luxus ist unentbehrlich?

Mädel: Taxifahren bei starkem Schneeregen.