Kursrutsch

Deutsches Anleihen-Debakel erschüttert Welt-Börsen

Die Finanzmärkte in Übersee haben mit Kursstürzen auf die schwache Ausgabe deutscher Anleihen reagiert. Investoren sind völlig verängstigt.

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Europas Schuldenkrise hat die Börsen in Japan stark verunsichert. Der Leitindex Nikkei fiel auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Die unerwartet geringe Nachfrage bei der Ausgabe von Staatsanleihen in Deutschland schürte Sorgen, Deutschland könne seinen Status als Fels in der Brandung verlieren und die Euro-Krise damit eine völlig neue Qualität erreichen.

Bei der Auktion zehnjähriger Bundesanleihen fand die deutsche Finanzagentur nicht genügend Käufer für das Volumen von sechs Milliarden Euro . Gebote lagen lediglich für 3,889 Milliarden Euro vor, auf den restlichen 2,1 Milliarden Euro blieb der Bund sitzen. Experten sprachen von einem "völligen Desaster" und einer "Existenzkrise für den Euro".

Angesichts der schlechten Lage in der Euro-Zone schauen viele Investoren inzwischen auch beim sicheren Hafen Deutschland genauer hin. Die Anleger misstrauen den Risiken, die die Bundesregierung eingegangen ist – etwa beim Rettungspaket für Griechenland. Insbesondere die finanzstarken Investoren aus Asien überdenken ihre Engagements in den Kernländern der Euro-Zone. Für Deutschland könnte das zu einem ernsthaften Problem werden.

OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan bewertete die schwache Nachfrage bei der deutschen Anleihe-Auktion als Zeichen, dass sich die Investoren um das gesamte System Sorgen machen. Dies sagte Padoan der Zeitung „La Stampa“. Zugleich betonte er, dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) in der Krise als wichtiger Stabilisierungsfaktor über die Käufe von Staatsanleihen und die Bereitstellung von Liquidität erwiesen habe.

Padoan warb für einen europäischen Währungsfonds, der Hilfen im Gegenzug für die Erfüllung bestimmter Bedingungen bereitstellen könne. Nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist eine Rezession in Europa vermeidbar. Dafür sei es allerdings nötig, ausreichende Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

US-Börse auf Talfahrt

Die europäischen und US-Börsen hatten angesichts des deutschen Anleihe-Desasters starke Verluste verzeichnet. Deutlich robuster zeigten sich die Märkte in Taiwan und Südkorea. Dank zahlreicher Schnäppchenjäger ging es dort bergauf.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index verlor dagegen 1,8 Prozent auf 8165 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index fiel 1,6 Prozent auf 706 Zähler. Damit holten die japanischen Börsen die Verluste nach einem Feiertag am Mittwoch nach. Auch der australische Markt gab nach. Im Plus lagen hingegen die Börsen in Taiwan, Südkorea, Singapur. Die chinesischen Marktplätze in Shanghai und Hongkong stagnierten.

Analyst Masayoshi Okamoto von Jujiya Securities fasste die Ängste zusammen: „Die Welt versinkt im Chaos und jeder große Finanzplatz schaut und reagiert stärker auf die makroökonomischen Bedenken in Europa als seine eigenen Daten und seine eigene Wirtschaft.“ Hinzu kamen enttäuschende Konjunkturdaten aus China.

Bei den Einzelwerten in Japan standen dann auch Komatsu und Fanuc im Mittelpunkt. Die Hersteller von Baugeräten und Industrie-Robotern machen einen Großteil ihres Geschäfts in der Volksrepublik China. Dort ging die Industrie im November auf Talfahrt. Die Aktien von Komatsu fielen 4,2 Prozent, die von Fanuc 3,3 Prozent.

Gegen den Trend schossen die Papiere des Kameraherstellers Olympus 13 Prozent in die Höhe. Die Rufe nach einem Verbleib des von einem Bilanzskandal erschütterten Konzerns an der Börse wurden lauter. Analysten zweifelten jedoch an der Nachhaltigkeit des Aufwärtstrends.

Der Euro erholte sich zwar im asiatischen Handel etwas. Die europäische Gemeinschaftswährung pendelte aber immer noch um ein Sieben-Wochen-Tief bei 1,3356 Dollar nach 1,3343 Dollar im späten Handel in New York. Die Währung steht Händlern zufolge immer noch unter Druck. Zur japanischen Währung wurde ein Euro mit 103,03 Yen gehandelt, der Dollar mit 77,14 Yen.