Bundesanleihen

Deutschland zahlt so wenig Zinsen wie nie zuvor

Die Bundesrepublik gilt unter Anlegern als sicherer Hafen. Sie kann sich billiger Geld leihen als je zuvor, für andere Euro-Länder bleibt es teuer.

Foto: picture alliance / Bildagentur-o / picture alliance / Bildagentur-online

Während immer mehr Euro-Länder wegen der Schuldenkrise rekordhohe Zinsen zahlen müssen, kann sich die Bundesrepublik günstiger denn je am Kapitalmarkt refinanzieren. Bei der Auktion zweijähriger Bundesschatzanweisungen fiel der durchschnittliche Zins auf 0,39 Prozent, teilte die mit dem Schuldenmanagement des Bundes beauftragte Finanzagentur mit.

Bei der vorangegangenen Versteigerung im August mussten Investoren mit einer beinahe doppelt so hohen Rendite von 0,73 Prozent gelockt werden. „Daran lässt sich die Qualität der Benchmarkpapiere des Emittenten Bund ablesen“, sagte ein Sprecher der Finanzagentur.

Zum Vergleich: Die Zinsen vergleichbarer italienischer Anleihen liegen derzeit bei 6,21 Prozent, bei spanischen Titeln bei 5,35 Prozent. Aus Angst vor einer Ausbreitung der Schuldenkrise waren am Dienstag erstmals Euro-Länder mit höchster Bonitätsnote – wie Frankreich , Österreich und die Niederlande – ins Visier der Finanzinvestoren geraten: Die Zinsen zogen kräftig an.

Die Nachfrage nach den deutschen Papieren fiel wegen der niedrigen Zinsen sehr schwach aus: Der Bund sammelte rund 4,8 Milliarden bei den Anlegern ein. Ursprünglich sollten es bis zu sechs Milliarden Euro sein. Die Differenz behielt die Finanzagentur zur Markpflege ein. „Langfristig orientierte Anleger sind bei den aktuellen Zinsniveaus nicht interessiert“, sagte Marc Ostwald von Monument Securities. „Für die ist das nichts.“

Deutschland profitiert von seinem Status als sicherer Hafen. Investoren sind bereit, für Sicherheit deutliche Abschläge bei den Renditen hinzunehmen . So lieh sich der Bund erst vor wenigen Tagen 3,8 Milliarden Euro für sechs Monate und zahlt dafür den Mini-Zins von 0,08 Prozent. Bei der Auktion fünfjähriger Anleihen Anfang des Monats fiel der Durchschnittszins auf 1,0 Prozent. Die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik wird wegen vergleichsweise solider Staatsfinanzen von den Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet, womit ein Zahlungsausfall als höchst unwahrscheinlich gilt. Der Bund will sich in diesem Jahr 275 Milliarden Euro von Investoren leihen.

Lage am Euro-Anleihemarkt entspannt sich

Für die anderen Euro-Länder hat sich die Lage inzwischen wieder etwas entspannt. Die Risikoaufschläge zu den deutschen Bundesanleihen gingen bei den finanziell angeschlagenen Ländern der Euro-Zone zurück. „Die aktuelle Erholung ist vor allem eine Gegenbewegung auf die starken Anleihekursverluste am Vortag“, sagte Rainer Guntermann, Anleiheexperte von der Commerzbank.

„Die Bewegungen am Vortag war wohl etwas übertrieben.“ Die zum Teil panischen Reaktionen seien aber auch durch einen dünneren Handel begünstigt gewesen, sagte Guntermann.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) habe durch Anleihekäufen zu einer Entspannung beigetragen. Vor allem bei den zuletzt stark in Fokus stehenden italienischen Anleihen gingen die Renditen deutlich zurück. Die Rendite der zehnjährigen italienischen Anleihe fiel um 0,22 Prozentpunkte auf 6,831 Prozent zurück. Am Dienstag war sie noch zeitweise über die Marke von sieben Prozent geklettert. Diese Marke gilt als langfristig kritisch. Dabei habe auch die Einigung auf eine mit Fachleuten besetzte Regierung unter Regierungschef Mario Monti für Entspannung gesorgt, sagte Guntermann.

Händler berichteten von Interventionen der Notenbank am Anleihenmarkt zu Gunsten der beiden südeuropäischen Problemländer Spanien und Italien: „Sie greift massiv bei zwei- und zehnjährige Anleihen zu“, sagte ein Händler. Die Rendite der italienischen Bonds fiel in der Folge vorübergehend unter die magische Sieben-Prozent-Marke, die allgemein als Obergrenze für eine auf Dauer tragfähige Refinanzierung über die Kapitalmärkte gilt. Doch die Krisenhilfe der EZB verpuffte bereits am Mittag teilweise, als die Rendite wieder über sieben Prozent stieg.

In Spanien gingen die Renditen ebenfalls zurück. Auch in den am Dienstag unter Druck geratenen Kernländern wie Frankreich, Österreich, Niederlande oder Finnland entspannte sich die Lage. Aber mit 3,555 Prozent lag die französische Rendite deutlich über der entsprechenden deutschen.

"Vor allem die Furcht, dass Frankreich seine Bestnote bei der Kreditbewertung verlieren könnte, belastet den französischen Markt“, sagte Guntermann. „Ein Ende der hohen Verunsicherung der Anleger ist nicht in Sicht.“